Frau mit Kindern: Mütterrente beantragen - so geht es
Ketut Subiyanto / Pexels

Mütterrente: Anspruch, Höhe und Berechnung

Was ist eigentlich die Mütterrente? Wie Kindererziehungszeiten deine Rente erhöhen und was sich ab 2027 durch die Mütterrente III ändert.

Mütterrente oder Erziehungszeiten beantragen: Schritt-für-Schritt Anleitung und Tipps

Mütterrente – klingt irgendwie nach einem Relikt der 50er Jahre, oder? Eingeführt wurde sie aber im Jahr 2014. Die sogenannte Mütterrente ist keine eigene Rentenart. Gemeint ist die bessere rentenrechtliche Anerkennung der Kindererziehung für Kinder, die vor 1992 geboren wurden. Auch Väter und andere Erziehende können davon profitieren. Der Begriff Mütterrente wird gern übergreifend für die Anrechnung von Kindererziehungszeiten verwendet.

Warum gibt es die Mütterrente? 

Vereinbarkeit ist nicht unbedingt ein Kinderspiel: Die Reduzierung der Arbeitszeiten (vorrangig sind es immer noch Mütter, die in Teilzeit arbeiten) und das Priorisieren der Care Arbeit verringern durch ein geringeres Arbeitseinkommen – gepaart mit dem Gender Pay Gap – die Rentenansprüche. Altersarmut ist weiblich – das zeigt der Gender Pension Gap nur zu deutlich. Immerhin gibt es ein kleines Signal vom Staat: die Mütterrente. Damit die Kindererziehungszeiten auf deinem Rentenkonto berücksichtigt werden, solltest du sie im Rahmen einer Kontenklärung bei der Deutschen Rentenversicherung erfassen lassen. Sind sie dort bereits gespeichert, fließen sie später automatisch in deine Rente ein. Für die Mütterrente III ist kein gesonderter Antrag nötig.

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Mütterrente III

Ab 1. Januar 2027 kommt die Mütterrente III. Dann werden auch für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, bis zu drei Jahre Kindererziehungszeit berücksichtigt. Bislang sind es höchstens zweieinhalb Jahre. Damit verschwindet der bisherige Unterschied zu Kindern, die ab 1992 geboren wurden. Die Auszahlung der zusätzlichen Ansprüche beginnt allerdings erst 2028 und erfolgt für 2027 rückwirkend.

Haben auch Väter Anspruch auf die Mütterrente/ Anerkennung von Erziehungszeiten?

Mütterrente ist ein Begriff, der in die Irre führt: Auch Väter haben Anspruch auf die Anerkennung von Erziehungszeiten. Sogar Großeltern oder Verwandte können sie beantragen, sofern sie die Erziehung der Kinder übernommen haben und währenddessen noch nicht in Rente waren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Eltern kein Erziehungsverhältnis zum Kind mehr hatten. Nicht möglich ist, dass Vater und Mutter sich für ein und dasselbe Kind die Erziehungszeit anrechnen lassen. Auch für Stief-, Adoptiv- und Pflegekinder gilt der Anspruch auf Erziehungszeiten. Für diesen Antrag brauchst du noch den Zusatzbogen V0805. Wer die Kindererziehungszeit erhält, richtet sich zunächst danach, wer das Kind überwiegend erzogen hat. Erziehen beide Eltern gemeinsam und keiner von beiden überwiegend, wird die Zeit grundsätzlich der Mutter zugerechnet. Soll sie stattdessen der Vater bekommen, müssen beide Eltern eine übereinstimmende Erklärung bei der Rentenversicherung abgeben. Wichtig: Erziehen beide Eltern gemeinsam und soll die Kindererziehungszeit dem Vater zugerechnet werden, sollte die Erklärung frühzeitig abgegeben werden. Sie kann höchstens zwei Kalendermonate rückwirkend gelten. Hat der Vater das Kind dagegen tatsächlich überwiegend erzogen, ist diese gemeinsame Erklärung für die Zuordnung nicht erforderlich.

Wann besteht kein Anspruch auf Mütterrente?

Die fünfjährige Mindestversicherungszeit ist grundsätzlich Voraussetzung für eine reguläre Altersrente. Kindererziehungszeiten zählen allerdings selbst als Pflichtbeitragszeiten und können deshalb überhaupt erst dazu führen, dass diese fünf Jahre erreicht werden. Für ein ab 1992 geborenes Kind können bereits bis zu drei Jahre zusammenkommen. Bei einem vor 1992 geborenen Kind sind es 2026 noch bis zu zweieinhalb Jahre, ab 2027 mit der Mütterrente III ebenfalls bis zu drei Jahre. Wichtig: Die Mütterrente kannst du auch beantragen, wenn du während der Erziehungszeit immer gearbeitet hast. Die Rentenpunkte für die Kindererziehungszeiten bekommst du on top zu denen, die du mit deinem Gehalt verdient hast. Es gibt allerdings Bemessungsgrenzen. 2026 liegt die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung bundesweit bei 8.450 Euro brutto im Monat beziehungsweise 101.400 Euro im Jahr. Entgeltpunkte aus Kindererziehungszeiten werden zu den Punkten aus dem eigenen Verdienst addiert, allerdings nur bis zur rentenrechtlichen Höchstgrenze. Wer mit seinem Arbeitsentgelt bereits an dieser Grenze liegt, kann für denselben Zeitraum deshalb keine zusätzlichen Entgeltpunkte mehr ausschöpfen.

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So gehst du bei der Meldung der Erziehungszeiten vor

  1. Kläre mit deinem Partner oder deiner Partnerin, wer von euch die Mütterrente in Anspruch nehmen will. 
  2. Den 10-seitigen Antrag V800 kannst du dir auf der Homepage der Deutschen Rentenversicherung herunterladen oder direkt digital ausfüllen.
  3. Du brauchst außerdem eine Kopie der Geburtsurkunde und deine Rentenversicherungsnummer. Abgefragt werden auch Angaben zur Erziehung und zum anderen Elternteil.

Mütterrente für die, deren Kinder vor 1992 geboren wurden

Für Kinder, die ab 1.1.1992 geboren sind, werden bis zu 36 Kalendermonate nach dem Monat der Geburt, für davor geborene Kinder gelten 2026 noch bis zu 30 Kalendermonate. Mit der Mütterrente III erhöht sich diese Zeit ab 1. Januar 2027 um weitere sechs Monate auf ebenfalls bis zu 36 Monate. Damit können künftig unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes bis zu drei Entgeltpunkte berücksichtigt werden. Gesammelt werden so Rentenpunkte – Berechnungsgrundlage ist der Durchschnitt aller Versicherten. Du bekommst also einen Punkt pro Jahr. Die Rentenpunkte haben einen festgelegten Wert (Rentenwert), der seit 1. Juli 2026 bundesweit bei 42,52 Euro liegt.

Was ändert sich mit der Mütterrente III ab 2027?

Wer ein vor 1992 geborenes Kind erzogen hat, erhält ab 2027 bis zu sechs zusätzliche Monate Kindererziehungszeit. Das entspricht einem halben Entgeltpunkt zusätzlich pro Kind. Nach dem aktuellen Rentenwert von 42,52 Euro wären das 21,26 Euro mehr Bruttorente im Monat. Wie viel der zusätzliche halbe Entgeltpunkt bei der tatsächlichen Auszahlung wert sein wird, hängt allerdings vom dann geltenden Rentenwert ab.

Die Mütterrente III gilt ab 1. Januar 2027, ausgezahlt wird sie aus technischen Gründen aber erst ab 2028. Wer bereits vor Januar 2028 Rente bezieht, bekommt die zusätzlichen Beträge für 2027 nachgezahlt. Bei Bestandsrentnerinnen und Bestandsrentnern sowie bei bereits erfassten Kindererziehungszeiten erfolgt die Umsetzung grundsätzlich automatisch. Ein eigener Antrag nur für die Mütterrente III ist nicht nötig.

Rentenpunkte für die, deren Kinder nach 1992 geboren wurden

Für ein Kind, das 1992 oder später geboren ist, bekommst du drei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet. Da es für die Kindererziehungszeiten Rentenpunkte gibt, profitieren Eltern auch bei jeder Rentenerhöhung.

Gut zu wissen: Eine feste Frist, bis wann Kindererziehungszeiten im Rentenkonto erfasst sein müssen, gibt es nicht. Sinnvoll ist es trotzdem, das Versicherungskonto frühzeitig zu prüfen und fehlende Zeiten über eine Kontenklärung nachtragen zu lassen. Sind die Erziehungszeiten einmal vorgemerkt, werden sie bei der späteren Rente automatisch berücksichtigt.

Wie viel Rente gibt es also zusätzlich?

Stand August 2026 bringt ein Jahr Kindererziehungszeit nach dem aktuellen Rentenwert rund 42,52 Euro zusätzliche Bruttorente im Monat. Für ein Kind, das 1992 oder später geboren wurde, sind damit bei drei angerechneten Jahren bis zu 127,56 Euro monatlich möglich. Für ein vor 1992 geborenes Kind sind es 2026 mit zweieinhalb Entgeltpunkten bis zu 106,30 Euro. Mit der Mütterrente III kommt für vor 1992 geborene Kinder ab 2027 ein weiterer halber Entgeltpunkt hinzu. Nach dem heutigen Rentenwert entspräche das 21,26 Euro zusätzlich pro Monat und Kind. Dann werden für alle Kinder unabhängig vom Geburtsjahr bis zu drei Jahre Kindererziehungszeit berücksichtigt. Da Rentenwerte regelmäßig angepasst werden, dürfte der tatsächliche Betrag bei der Auszahlung ab 2028 allerdings anders ausfallen.

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© Marcus Witte
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