Ein tomatenroter Hintergrund, auf dem die weißen Scrabble-Buchstaben SELL liegen
Miguel Á. Padriñán / Pexels

Was sind gute Gründe für den Aktienverkauf?

Buy and hold? Oder doch verkaufen, weil alle Aktien irgendwann auch wieder sinken? Kaufen ist einfach, mit dem Verkaufen tun wir uns schwer.
Viele Anleger:innen sehen den Verkauf einer Aktie schlicht als Zeichen dafür an, dass jemand panisch reagiert oder sich falsch entscheidet. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Tatsächlich gibt es viele rationale und strategisch sinnvolle Gründe, sich von Wertpapieren zu trennen. Wer langfristig investiert, sollte diese Gründe kennen – und sie bewusst für seine disziplinierte Anlagestrategie nutzen.

Grund 1: Rebalancing

Einmal im Jahr sollten wir unser Depot auf Herz und Nieren prüfen und – wenn nötig – rebalancen, sprich: die ursprünglich gewünschte Zusammensetzung des Depots wiederherstellen. Denn mit der Zeit entwickeln sich einzelne Positionen oft unterschiedlich stark, sodass die ursprünglich geplante Aufteilung in verschiedene Investments aus dem Gleichgewicht gerät. Dann kann es sinnvoll sein, übergewichtete Gewinner entsprechend zu reduzieren und in andere Bausteine umzuschichten. Das fühlt sich manchmal kontraintuitiv an, da man gut laufende Werte verkauft. Tatsächlich aber bringt genau das ein Depot wieder in Einklang mit dem eigenen Risikoprofil – und lässt einen als Anleger:in wieder besser schlafen.

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Grund 2: Gewinnmitnahmen

Dennoch ist es nicht zwingend, den selbst gesetzten Termin zum Rebalancen abzuwarten, um Wertpapiere abzustoßen – insbesondere dann, wenn einzelne Werte extrem gut laufen. Kein Investment läuft unbegrenzt in den Himmel, und es ist völlig legitim, sich nach starken Kursanstiegen Stück für Stück von einer Position zu trennen. Wer systematisch Gewinne im Depot realisiert, macht Buchgewinne auf dem Papier zu verfügbarem Kapital, das sich anderweitig einsetzen lässt. Das bedeutet nicht, dass man dem Markt misstraut. Es ist eher eine Art Sicherheitsgurt: Gesichert wird, was an Gewinnen bereits da ist, statt auf den letzten Prozentpunkt zu spekulieren.

Wichtig: Gewinnmitnahmen sollten nach vorab definierten Kriterien erfolgen – etwa festen Prozentmarken, Bewertungskennzahlen oder einer maximalen Positionsgröße im Portfolio. Steigt eine Aktie etwa um 40 oder 50 Prozent gegenüber dem Einstiegspreis oder überschreitet sie einen zuvor festgelegten Anteil am Gesamtdepot, kann ein Teilverkauf ausgelöst werden. Der Verkauf erfolgt dann nicht kurzfristig aus dem Bauch heraus, sondern basiert auf einer vorab festgelegten Entscheidungsgrundlage.

Grund 3: Liquidität

Trotz guter Finanzplanung passiert es manchmal eben doch: Wir brauchen Geld. Die Gründe können verschieden sein. Etwa, weil der Notgroschen für kurzfristige finanzielle Verpflichtungen nicht reicht oder womöglich ein unerwartetes attraktiveres Investment lockt. Auch in solchen Fällen heißt es, bestehende Positionen zu verkaufen. Und zwar vorzugsweise solche, die eine überdurchschnittliche Gewichtung im Portfolio erreicht haben oder deren Bewertung signalisiert, dass in ihnen kaum weiteres Potenzial steckt. Gleichzeitig sind Marktliquidität, mögliche Preisabschläge und steuerliche Effekte zu berücksichtigen, da sie den tatsächlichen Erlös spürbar beeinflussen können.

Grund 4: Steuern sparen

Wer an der Börse Geld verdient, kommt an Steuern nicht vorbei. Und: Diese schmälern die Rendite oft mehr, als vielen bewusst ist. Innerhalb der geltenden Regeln lässt sich jedoch einiges gestalten. Etwa indem Verluste gezielt genutzt oder Verkäufe zeitlich klug geplant werden. Das hat nichts mit Trickserei zu tun, sondern mit vorausschauender Finanzplanung. Wichtig ist nur, dass steuerliche Überlegungen nicht zum Selbstzweck werden, sondern Teil einer stimmigen Anlagestrategie bleiben.

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© Marcus Witte
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