Dr. Katrin Schuhen steht vor einer Karte ihres Start-ups Wasser 3.0
Wasser 3.0

Mit Wasser 3.0 gegen Mikroplastik: So will Katrin Schuhen ein globales Problem lösen

Ihre innovative Technologie kann Mikroplastik aus Wasser entfernen, ganz ohne Filter. Gründerin Katrin Schuhen stellt die geniale Idee vor.

Es steckt im Trinkwasser, in der Luft und längst in unseren Körpern. Mikroplastik ist so winzig, dass herkömmliche Kläranlagen keine Chance haben, sie aus dem Wasser zu filtern. Katrin Schuhen, promovierte Chemikerin aus Karlsruhe, hat eine smarte Lösung für das Problem gefunden. Eine von ihr entwickelte Technologie bringt die winzigen Partikel dazu, sich zu popcornförmigen Klumpen zusammenzufinden, die an die Wasseroberfläche steigen und sich abschöpfen lassen. Die Effizienz überzeugt: Über 95 Prozent der Partikel werden entfernt. 2020 gründete Schuhen mit Wasser 3.0 ein gemeinnütziges Unternehmen, in dem jeder Euro Gewinn in weitere Forschung fließt. Beim OMR 5050 Gründer:innen Pitch am 19. März 2026 in Berlin hat Katrin bereits überzeugt. Jetzt geht’s darum, in Hamburg auf der großen OMR-Bühne zu zeigen, dass aus einer überzeugenden Idee ein skalierbares Modell geworden ist – das weiter wachsen soll!

Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du wusstest: Ich muss aus dem Labor raus und ein Unternehmen gründen, um wirklich etwas zu bewegen?

Den gab es tatsächlich – und er war buchstäblich ein Aufprall. Ich befand mich in Hochdruckprojekten mit viel Zeit- und Erfolgsdruck, fühlte mich wie ein Hamster im Hamsterrad und widmete meine Zeit, mein Gehirn und meine Energie den Zielen großer Industrien. Dann kam dieser eine Moment – kein geplantes Good-bye, sondern ein „BÄNG“: 2011 fand ich mich auf der Straße liegend wieder, mein Fahrrad schrammte über den Asphalt. Was wie ein Unfall aussah, war im Nachhinein ein Geschenk – ich bekam Zeit, mein Leben und meine Arbeit aus einer völlig anderen Perspektive zu betrachten.

Nach meiner Genesung stieg ich nicht wieder ins Hamsterrad ein. Stattdessen folgte von 2012 bis 2018 eine Juniorprofessur für Organische und Ökologische Chemie – 2016 begann meine Forschung zu Mikroplastik. Doch eine Juniorprofessur dauert in Deutschland maximal sechs Jahre. Wer danach nicht in der Wissenschaftsbubble bleibt, aber trotzdem forscherisch tätig sein will, hat nur zwei Wege: Jobsuche oder Gründung. Unabhängigkeit im Tun und Machen war für mich sehr wichtig und damit die Gründung eine logische Konsequenz. Im Mai 2020 entstand Wasser 3.0 – ein auf Forschung und Skalierung ausgelegtes gemeinnütziges GreenTech-Unternehmen, in Anlehnung an eine Universität, nur eben ohne bürokratischen Wasserkopf, schnell, unabhängig und gesellschaftlich ausgerichtet.

Dr. Katrin Schuhen von Wasser 3.0 pitcht beim OMR 5050 Gründerinnen-Wettbewerb am 19. März 2026 in Berlin.
Dr. Katrin Schuhen beim OMR 5050 Gründer:innen Pitch am 19. März 2026 in Berlin

Was hat die Jury und das Publikum beim OMR-Pitch am meisten begeistert?

Das ist natürlich eine Frage, die nur das Publikum beantworten kann. Vielleicht war es die Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe und verständlicher Sprache – und vor allem die Dringlichkeit des Themas. Mikroplastik ist keine abstrakte Bedrohung: Es steckt bereits in menschlichem Blut, in der Plazenta, in der Muttermilch. Wir sprechen über etwas, das jeden betrifft. Und wir liefern die Lösung aus dem Dilemma.
Ich finde es großartig, dass Impact-Themen auf die großen Bühnen kommen. Es zeigt einmal mehr: Sauberes Wasser ist kein Nischenthema – es ist die Grundlage für alles andere. Es ist ein wichtiges Zeichen an die Entscheider:innen, die Warteposition zu verlassen und endlich ins Handeln zu kommen.

Wie funktioniert eure Technologie – ganz einfach erklärt?

Wir gehen an die echten Hotspots der Mikroplastikbelastung – das sind vor allem industrielle und kommunale Abwässer – und setzen dort mit unserer Entfernungstechnologie an. Der Clou liegt in der Einfachheit: Wir verklumpen Mikroplastik und trennen es ab – daher auch der Name unserer Clump-&-Skim-Technologie.

Konkret: Das hoch belastete Abwasser wird in einen Reaktor gepumpt, ein Rührer erzeugt eine Trombe, in der sich die winzigen Mikroplastikpartikel sammeln. Dann kommt unsere Hybridkiesel-Mischung hinzu – individuell auf die jeweilige Anwendung abgestimmt. Diese sorgt dafür, dass die vielen kleinen Partikel zu wenigen großen Agglomeraten verklumpen, die an die Wasseroberfläche treiben. Dort werden sie einfach abgetrennt und gehen in die Wiederverwertung.

Revolutionär ist dabei die Verknüpfung von High-Tech-Material und Low-Tech-Verfahren: keine aufwändigen Filterprozesse, kein hoher Energieaufwand. Wir können über 95% der Mikroplastikbelastungen entfernen – reproduzierbar.

Welchen finanziellen Anreiz gibt es für Kläranlagen und Industrien, in eure Technologie zu investieren?

Es geht nicht nur um Nachhaltigkeit, es geht um handfeste wirtschaftliche Vorteile. Unsere detect | remove | reuse-Strategie ermöglicht messbare Einsparungen bei den Prozesskosten: weniger Energiebedarf, weniger operative Kosten, reduzierter CO₂-Footprint, weniger Abfall. Und weil wir gereinigtes Wasser zur Wiederverwertung nutzbar machen, sparen Industriebetriebe auch bei den Frischwasserkosten – in Summe vielfältige, echte ökonomische Hebel.

Hinzu kommt die regulatorische Perspektive: Industrien und kommunale Kläranlagen, die heute schon vorbereitet sind, müssen morgen nicht unter Druck reagieren. Viele Industrien von Produktion, Verarbeitung bis Recycling kommen bereits zu uns und sagen: Wir wollen uns auf den Moment vorbereiten, wenn die Gesetze kommen. Das ist kluge Investition: Wer früh handelt, spart die teuren Nachrüstungskosten später.

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Welche besonderen finanziellen Herausforderungen bringt ein Social Business mit sich?

Als gemeinnützige GmbH reinvestieren wir alle Gewinne unmittelbar in weitere Forschungs- und Bildungsprojekte. Es gibt keine externen Investor:innen – wir sind absolut unabhängig. Das ist eine Stärke, aber auch eine tägliche Herausforderung: Wir finanzieren unsere eigene Forschung selbst, auch für Bereiche, für die es keine Fördergelder gibt – weil das Thema politisch nicht auf der Agenda steht oder industriell unerwünscht ist.

Unsere drei Säulen sind Spenden, Sponsoring und ideeller Zweckbetrieb. Gerade unser Bildungsbereich – WASoMI (steht für Wasser ohne Mikroplastik) – kann nur durch Spenden und Sponsoring ausgebaut werden. Das bedeutet kontinuierliche Kommunikations- und Überzeugungsarbeit. Dafür erkaufen wir uns etwas, das unbezahlbar ist: vollständige unternehmerische Freiheit. Wir setzen unsere eigenen Prioritäten. Das ist das Schöne an dieser Struktur – und gleichzeitig die größte Herausforderung.

Wie schwierig ist es, als Deep-Tech-Gründerin Investor:innen zu finden, die nicht nur den Profit sehen?

Das ist eine der schwierigsten Aufgaben – denn wir suchen gar keine klassischen Investor:innen. Wir suchen wahre Game-Changer: Industrien, die proaktiv sagen, wir wollen unsere Prozesse mikroplastikfrei gestalten, Wasser wiederverwerten und Ressourcen sparen. Wenn diese drei Dinge zusammenkommen, wird man rentabel – ökologisch und sozial. Das ist transformativ. Natürlich ist die Finanzierung eines Deep-Tech-Unternehmens ohne klassisches Risikokapital eine tägliche Herausforderung. Innovationspreise und die Re-Zertifizierung mit dem Solar Impulse Efficient Solution Label verschaffen uns Sichtbarkeit und öffnen alternative Türen – ohne unsere Unabhängigkeit zu gefährden.

Was sind die nächsten konkreten Schritte zur Skalierung – und wie kann man euch unterstützen?

Wir arbeiten bereits in EU-Projekten, derzeit sehr häufig außerhalb von Deutschland. Die Skalierung folgt einem klaren Muster: Wir identifizieren die Hotspots, analysieren die Abwasserströme und setzen dort unsere Technologie ein. Das Modell ist skalierbar – weltweit.
Konkret: Als Unternehmen kann man zu uns kommen, eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnen und mit uns gemeinsam schauen, was die Technologie im eigenen Prozess leisten kann. Wir wollen die Hürden nehmen. Als Privatperson kann man uns über Spenden oder Sponsoring unterstützen und damit unsere Bildungs- und Forschungsarbeit absichern. Denn sauberes Wasser ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – das Gemeinsam macht den Unterschied.

Welchen Rat gibst du einer Wissenschaftlerin, die gründen möchte?

Der erste Schritt ist, sich zu fragen: Was will ich wirklich? Und kann ich damit etwas bewegen, das über mich selbst hinausgeht? Das akademische Leben hat viel Hauen und Stechen – viele sind daran gescheitert, gute Ideen in Schubladen verschwunden. Für neue Wege braucht man eine ordentliche Portion Mut, Vertrauen in die eigenen Ideen, Ehrgeiz, Willen, Dickköpfigkeit und unbändige Energie – aber vor allem Erfinderinnengeist. Und ein motiviertes Team, das einen bei der Verwirklichung unterstützt und bereichert.

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Was treibt dich persönlich an, jeden Tag für sauberes Wasser zu kämpfen?

Wir alle brauchen sauberes Wasser. Das ist keine abstrakte Überzeugung, sondern gelebte Realität. Mikroplastik ist überall: in der Tiefsee und im arktischen Eis, im Rhein und in der menschlichen Plazenta. Jeden Tag nimmt die Belastung zu. Und jeden Tag gibt es Menschen, Kläranlagen, Industrien, die wissen wollen, was sie tun können. Was mich antreibt, sind genau diese Menschen und die Überzeugung, dass der Turnaround möglich ist – wenn wir aufhören zu reagieren und anfangen, proaktiv zu handeln. Ich arbeite für den Moment, dass es an den entscheidenden Stellen „Klick“ macht. Und das treibt mich an.

Geld ist für dich ein Werkzeug, um … – vervollständige bitte den Satz.

Geld ist für mich ein Werkzeug, um gesellschaftliche Wertschöpfung zu ermöglichen, um zu forschen, auszubilden und zu bewegen. Mein persönliches Motto für eine bessere Zukunft? „Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht.“ Jeder Schritt in Richtung sauberes Wasser ist ein Schritt für uns alle.

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© Marcus Witte
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