Ira Stoll, Ärztin und Gründerin von myscribe, lehnt an einen Baum und lächelt in die Kamera.
Ira Stoll

Diagnose Bürokratie: Wie Ira Stoll den Klinikalltag verändern will

KI im Klinikalltag? Diese Gründerin ist schon mittendrin: Ira Stoll hat mit myscribe ein Tool entwickelt, das Ärzt:innen wirklich entlastet.

2023 hat Ira Stoll mit der myScribe App die erste KI-gestützte Dokumentationssoftware für Ärzt:innen gegründet. Seitdem hat sie mit ihrem Start-up mehrfach Auszeichnungen gewonnen, zwei Finanzierungsrunden erfolgreich umgesetzt, ein wachsendes Team aufgebaut und erste Krankenhäuser von ihrem Konzept überzeugt. Was myscribe kann? Nicht nur die tägliche Dokumentation übernehmen, sondern auch Entlassbriefe eigenständig schreiben: Mit einer eigenen, lokal lernenden KI wird der Zeitaufwand für Ärzt:innen spürbar reduziert. So gewinnen Mediziner:innen Zeit für ihre Patient:innen. Um das Wachstum ihres Start-ups zu beschleunigen, hat Ira myScribe beim OMR 5050 Gründer:innen Pitch am 19. März 2026 in Berlin präsentiert. Mit Erfolg! Im Mai steht sie auf der großen OMR-Bühne.

Ira, du bist Ärztin und hast mit myScribe ein Start-up gegründet, weil du selbst frustriert warst von der enormen Zettelwirtschaft im Klinikalltag. Wie viele Stunden an Dokumentationsarbeit haben dich persönlich den letzten Nerv gekostet, bevor du dachtest: „Das muss doch smarter gehen!“?

Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich regelmäßig zwei bis drei Stunden pro Tag nur mit der Arztbriefschreibung verbracht habe – oft nach einem ohnehin langen Arbeitstag. Das war der Punkt, an dem ich gemerkt habe: Das kann nicht die Zukunft sein. Diese Zeit fehlt uns bei den Patient:innen.

Herzlichen Glückwunsch auch an dich zum Gewinn beim OMR Gründerinnen Pitch! Du willst mit myScribe das Gesundheitswesen digitalisieren. Wie hast du es geschafft, dieses komplexe Thema in einem kurzen Pitch so überzeugend auf den Punkt zu bringen?

Der Schlüssel war, das Problem klar zu benennen: Ärzt:innen verbringen zu viel Zeit mit Dokumentation statt mit Menschen. Die Auswirkungen davon hat ja jede:r im Raum schon gespürt: man wartet extrem lang auf Arzttermine und wenn man dann im ärztlichen Gespräch ist, muss alles ganz schnell gehen, weil der Arzt oder die Ärztin wenig Zeit hat. Im Pitch habe ich mich darauf konzentriert, den Schmerzpunkt greifbar zu machen und dann eine einfache, verständliche Lösung zu zeigen – ohne technische Überfrachtung.
Ira Stoll von myScribe App pitcht beim OMR 5050 Gründerinnen-Wettbewerb am 19. März 2026 in Berlin.
Ira beim OMR 5050 Gründer:innen Pitch am 19. März 2026 in Berlin

Nie wieder Arztbriefe tippen – das klingt wie ein Traum für alle Mediziner:innen. Wie genau funktioniert eure KI-gestützte Software? Nimmt sie das Gespräch mit den Patient:innen auf und schreibt den Brief von allein?

Nein, myScribe ist keine klassische Ambient-Listening-Lösung, die die Dokumente nur auf Basis eines Gesprächs generiert. Wir setzen in diesem Prozess ganzheitlich an und können somit den gesamten stationären Klinikaufenthalt in ein Dokument komprimieren: Unsere Software bündelt Patientendaten aus verschiedenen klinischen Systemen und in verschiedenen Formaten in einer zentralen Oberfläche. Auf Basis dieser strukturierten Informationen unterstützt unsere KI dann bei der Erstellung von Arztbriefen. Gleichzeitig vermeiden wir Doppeldokumentation, indem Daten auch wieder in bestehende Systeme zurückgeführt werden. Für Ärzt:innen bedeutet das vor allem: weniger Systembrüche, weniger manuelle Übertragungsarbeit und deutlich effizientere Abläufe.

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Eure Lösung spart Ärzt:innen wertvolle Zeit. Zeit ist Geld – gerade im Gesundheitswesen. Kannst du beziffern, wie hoch die finanzielle Ersparnis für ein Krankenhaus ist, wenn es myScribe einsetzt? Und was bedeutet das für die Patient:innenversorgung?

Wir sehen, dass pro Ärzt:in mehrere Stunden pro Woche eingespart werden können. Auf ein Krankenhaus hochgerechnet ergibt das ein erhebliches Effizienzpotenzial – sowohl personell als auch finanziell. Der ROI ist für eine Klinik meist nach sechs Monaten erreicht. Gleichzeitig bedeutet das für Patient:innen: mehr Zeit für Gespräche, schnellere Prozesse und insgesamt eine bessere Versorgung.

Du hast zusammen mit deinem Mann Lars gegründet. Wie war der Übergang von der sicheren Anstellung als Ärztin ins finanzielle Risiko der Gründung? Und wie teilt ihr euch die Rollen als Gründerpaar auf?

Der Schritt war definitiv nicht leicht. Die Sicherheit des ärztlichen Berufs aufzugeben, bringt eine gewisse Unsicherheit mit sich. Aber der Wunsch, ein echtes Problem nachhaltig zu lösen, war stärker. Mein Mann und ich ergänzen uns sehr gut: Ich bringe die medizinische Perspektive und den direkten Einblick in den Klinikalltag ein, er die technologische und unternehmerische Expertise. Unser „Auffangnetz“ waren und sind immer meine Eltern, die komplett hinter unserer Entscheidung stehen und den Weg mit uns gemeinsam gehen. Ohne meine Mutter könnten wir auch Firma und Familie lange nicht so gut unter einen Hut bringen. Seit der Geburt unseres Sohnes Yves im Jahr 2023, können wir jederzeit auf sie zählen!

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Ihr habt bereits eine Pre-Seed-Finanzierung erhalten. Wie einfach oder schwer ist es, im deutschen Health-Tech-Markt Investor:innen für eine Idee zu begeistern, die tief in die Prozesse von Krankenhäusern eingreift?

Es ist definitiv herausfordernd. Der Health-Tech-Markt ist komplex, stark reguliert und die Vertriebszyklen sind extrem lang. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, wie dringend Digitalisierung gebraucht wird. Wenn man klar zeigen kann, welchen konkreten Mehrwert man schafft, lassen sich Investor:innen überzeugen – aber es braucht Durchhaltevermögen. Und von den Summen, die zum Beispiel in den USA in AI Start-ups fließen, kann man hier in Deutschland natürlich nur träumen….

Bei Patientendaten ist Datenschutz das A und O. Wie stellt ihr sicher, dass eure KI-Lösung absolut sicher und DSGVO-konform ist? Und wie gewinnt ihr das Vertrauen von Krankenhäusern und Ärzt:innen?

Datenschutz ist für uns zentral. Unsere Lösung ist von Anfang an DSGVO-konform konzipiert, mit klaren Datenflüssen und hohen Sicherheitsstandards. Vertrauen entsteht vor allem durch Transparenz, enge Zusammenarbeit mit Kliniken und dadurch, dass wir selbst aus der Praxis kommen und die Anforderungen sehr genau verstehen. Initial haben wir unsere Lösung nur on premise betrieben, nun da die GPUs aufgrund der aktuellen Situation auf dem Weltmarkt immer teurer werden, sind wir optional auch in einer DSGVO konformen Cloud verfügbar. Die ISO 27001 Zertifizierung war diesbezüglich ein großer Meilenstein für uns und ist ein gutes Treuesiegel für die Kundenkommunikation.

Eure Vision ist es, den Klinikalltag spürbar zu erleichtern. Wo siehst du myScribe in fünf Jahren? Wird eure KI dann auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens eingesetzt?

In fünf Jahren sehe ich myScribe als festen Bestandteil des klinischen Alltags. Wir wollen Dokumentation insgesamt neu denken und weiter automatisieren – immer mit dem Ziel, medizinisches Personal zu entlasten. Perspektivisch soll unsere Technologie auch in anderen Bereichen der Dokumentation im Gesundheitswesen angewandt werden: so zum Beispiel in der OP- Berichterstellung, der Gutachtenerstellung oder auch der Pflegeberichterstellung.

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Viele Frauen im medizinischen Bereich sehen täglich Probleme, die man mit Technologie lösen könnte. Was rätst du einer Ärztin oder Pflegerin, die eine zündende Idee hat, aber nicht weiß, wo sie anfangen soll?

Mein Rat ist: Fang an und warte nicht auf den perfekten Moment. Sprich mit anderen, teste deine Idee früh im Alltag und suche dir ein Team, das dich ergänzt. Man muss nicht alles selbst können – aber man sollte den Mut haben, den ersten Schritt zu gehen.

Letzte Frage, Ira: Finanzielle Gesundheit bedeutet für dich …? Vervollständige bitte den Satz und verrate uns dein persönliches Motto für ein effizienteres und menschlicheres Gesundheitswesen.

Finanzielle Gesundheit bedeutet für mich, nachhaltig wachsen zu können und Entscheidungen nicht unter kurzfristigem Druck treffen zu müssen. Unser Start-up ist finanziell gesund, wenn genügend Ressourcen für Forschung und Entwicklung unserer Lösung(en) vorliegen. Denn an Ideen mangelt es in unserem Team nicht. Mein Motto für ein effizienteres und menschlicheres Gesundheitswesen ist: Technologie sollte uns mehr Zeit für Menschlichkeit geben – nicht weniger.

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