Katharina Kreutzer, Gründerin von MUVN, in einer schwarzen Jacke und weißem T-Shirt vor einer Holzwand mit grünen Wandleuchten
Julian Ebinal

Katharina Kreutzer von MUVN: „Wir wollen Teil der Infrastruktur sein“

MUVN ist eine „Mitfahrgelegenheit für Gegenstände“. Gründerin Katharina pitcht ihre Idee im Mai auf der OMR-Bühne. Uns verrät sie nächste Schritte und Ziele.

Von der Gründung deines ersten Startups Boomerang bis zum Sieg beim OMR Gründerinnen Pitch mit MUVN – du bist eine absolute Power-Gründerin. Gab es einen Moment, in dem du dachtest: ‚Jetzt riskiere ich alles für meine Idee‘? Was hat dir den Mut gegeben, diesen Weg zu gehen?

Ja, den gab es. Als ich für Boomerang alles gepackt und nach Hamburg gezogen bin, kannte ich dort niemanden. Kein Netzwerk, keine Absicherung. Mut klingt im Nachhinein immer größer als es sich anfühlt. Damals war es eher: Ich habe nichts zu verlieren. Was mir wirklich Sicherheit gegeben hat, war mein Wissen. Ich komme aus dem Handel, ich habe Logistik von innen gesehen. Ich wusste, dass ich eine echte Ergänzung für das Team bin und ein wirkliches Problem löse.

pitcht beim OMR 5050 Gründerinnen-Wettbewerb am 19. März 2026 in Berlin.
Katharina beim OMR 5050 Gründer:innen Pitch am 19. März 2026 in Berlin

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn! Du hast dich gegen viele andere Start-ups durchgesetzt und stehst im Mai auf der riesigen OMR-Bühne. Was ging dir durch den Kopf, als dein Name aufgerufen wurde? Und wie bereitest du dich mental und strategisch auf den größten Pitch deines Lebens vor?

Mein erster Gedanke war: Logistik hat gewonnen.
Das klingt komisch, aber ich meine es ernst. Logistik ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und Gesellschaft, wird aber oft vergessen. Dass wir uns da durchgesetzt haben, hat mich wirklich gefreut. Ich arbeite daran, wie ich die Leute auf der Bühne mitnehme. Wir hatten alle schon mal so eine Situation im Alltag und die versuche ich, den Menschen ins Gedächtnis zu rufen.

MUVN wird oft als ‚Mitfahrgelegenheit für Gegenstände‘ beschrieben. Für alle, die es noch nicht kennen: Was war der zündende Gedanke hinter Muvn? Gab es eine persönliche Situation, in der du dachtest: ‚Dafür muss es doch eine einfachere und günstigere Lösung geben‘?

Ich hatte meinen Umzug von Regensburg nach Hamburg zu organisieren, also habe ich bei gefühlt 15 Speditionen angefragt, tausend verschiedene Preise gekriegt, 1.000 E-Mails geschrieben. Der Prozess war komplett undigitalisiert, teuer und ich habe mich irgendwie nicht sicher aufgehoben gefühlt. Am Ende habe ich es über Freunde gelöst. Die kamen sowieso zu Besuch, ich habe ihnen das Auto vollgepackt, dafür gab es Abendessen. Die Reaktion war immer dieselbe: ‚Ich fahre ja sowieso, pack rein was du willst.‘ Nur den BlaBla-Teil bei der Fahrt wollten sie nicht. Aber etwas mitnehmen? Kein Problem. Mein Umzug war am Ende die Kapazität in den Autos meiner Freunde und drei Abendessen.

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Ein Start-up aufzubauen, kostet nicht nur Mut, sondern auch Geld. Was war die größte finanzielle Hürde, die ihr mit MUVN überwinden musstet, und welches Learning nimmst du daraus für dich als Unternehmerin mit?

Marktplätze sind nicht für Ungeduldige. Du bringst zwei Seiten zusammen und solange nicht genug Fahrer:innen da sind, kommen keine Versender:innen. Und umgekehrt. Das ist das klassische Henne-Ei-Problem. Wir haben früh entschieden, zuerst die Fahrerseite aufzubauen, weil Vertrauen auf der Anbieterseite entstehen muss, bevor die andere Seite folgt. Das Learning, das ich mitnehme: Lieber früh in das Fundament investieren als schnell in das Wachstum. Schnelles Wachstum auf schwachem Fundament fällt irgendwann ein.

Ihr habt bereits eine siebenstellige Finanzierungssumme eingesammelt – und das von namhaften Investoren. Wie wichtig war es für dich als Gründerin, von Anfang an finanziell stark aufgestellt zu sein, um deine Vision ohne Kompromisse verfolgen zu können?

Es gibt Geschäftsmodelle, die sich ohne externes Kapital gut aufbauen lassen. Das ist ein vollkommen legitimer Weg. Bei uns war es anders. Wir bauen eine Infrastruktur auf, bevor wir sie voll monetarisieren können. Das braucht Kapital.

Was mich dabei besonders gefreut hat: Unsere Investor:innen kommen aus Mobilität und Logistik. Die kennen das Problem nicht aus einer Präsentation, sondern aus ihrem eigenen Alltag. Wenn die sagen, diese Lücke existiert, ist das für mich mehr wert als jede Marktanalyse.

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Die Idee, mit dem leeren Platz im eigenen Auto Geld zu verdienen oder beim Transport von sperrigen Dingen richtig zu sparen, ist für unsere Community super spannend. Kannst du uns ein konkretes Beispiel geben: Wie viel kann ich als Fahrerin auf einer Strecke von Hamburg nach Berlin verdienen oder als Versenderin bei einem Umzug sparen?

Hamburg nach Berlin ist eine unserer häufigsten Routen, neben München, Köln und innerhalb von NRW. Wir haben ein smartes Routing-System, das Fahrer:innen innerhalb ihres angegebenen Umwegs mehrere Gegenstände auf einer Strecke vermittelt. Es gab Fahrer:innen, die z. B. auf Hamburg-Berlin drei, vier Gegenstände mitgenommen und bis zu 300 Euro verdient haben. Als Versenderin kannst du bei einem Umzug bis zu 80% der Kosten sparen. Ein Transport über MUVN kostet im Schnitt 45 bis 60 Euro. Für dasselbe sperrige Objekt zahlst du bei einem klassischen Logistiker schnell über 300 Euro. Wichtig noch dazu: Wir sind für alles, was nicht in einen normalen Karton passt. Sperrgut, Beiladungen, die Couch, der Schrank, der Kinderwagen, das Fahrrad,…

MUVN hat einen starken nachhaltigen Aspekt, indem ihr Leerfahrten reduziert. Wie schafft ihr die Balance zwischen diesem ‚Impact‘-Gedanken und dem Ziel, ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen aufzubauen? Schließen sich Nachhaltigkeit und Profit aus?

Für mich ist das kein Widerspruch. Je mehr ein Unternehmen wächst, desto mehr Nachhaltigkeit kann es erzeugen. Ein Unternehmen, das nur im Sinne der Nachhaltigkeit agiert und den wirtschaftlichen Gedanken außen vor lässt, wird für immer klein bleiben. Und damit auch weniger Impact haben. Bei uns kommt beides sowieso aus derselben Quelle. Wir nutzen Kapazitäten, die sowieso existieren. Kein zusätzliches Fahrzeug, kein zusätzliches CO2. Wachstum und Nachhaltigkeit zeigen hier in dieselbe Richtung.

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Ihr wollt die führende Plattform für geteilte Transportkapazitäten in Europa werden. Was ist dein persönlicher Traum für Muvn in fünf Jahren? Wo siehst du euch und eure Community?

Wir wollen in fünf Jahren ein klassischer Teil der Logistik sein. Teil der europäischen Infrastruktur. Und vor allem wollen wir Transport zugänglich machen, denn im Moment ist Transport für den Endkunden schlicht zu teuer. Das ist das eigentliche Problem. Wenn wir das lösen, fördern wir automatisch auch die Kreislaufwirtschaft, weil Dinge wieder weitergegeben werden können, die heute im Sperrmüll landen, weil der Transport zu viel kostet.

Stell dir vor, eine Leserin von uns hat eine geniale Idee, aber zögert wegen der finanziellen Unsicherheit. Welchen einen, ganz konkreten Finanz-Tipp gibst du einer angehenden Gründerin mit auf den Weg?

Fang nebenher an. Das klingt nach Kompromiss, ist aber meiner Meinung nach kluge Risikoverteilung. Mein konkreter Tipp: Setz dir feste Kalender-Blöcke, zum Beispiel Mittwochabend und Sonntag. Nicht verschiebbar. Wenn die ersten Gespräche gut laufen und das Problem, das du lösen willst, wirklich existiert, wächst das Vertrauen in die eigene Idee von alleine. Dann kannst du nach und nach den Schritt gehen. Teilzeit, dann Vollzeit. Ein Hinweis noch: Wer Investorenkapital einsammeln will, muss irgendwann Vollzeit rein. Das sollte man früh einplanen.

Letzte Frage, Katharina: Geld bedeutet für dich …? Vervollständige bitte den Satz und verrate uns dein persönliches Motto für finanzielle Unabhängigkeit.

Geld bedeutet für mich nicht Glück. Aber Geld bedeutet die Freiheit, das zu tun, was einen glücklich macht. Der Unterschied ist wichtig für mich. Ich will nie in einer Situation sein, in der ich nicht mehr wählen kann.

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© Marcus Witte
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