Grafik: Karina Metzdorf in ihrer Kolumne über Aktien
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Gute Aktien finden: So erkennst du Unternehmen mit Potenzial

Manche Aktien schießen durch den Börsenhimmel und verglühen wieder. Andere wachsen über Jahre. Börsenexpertin Karina darüber, was Hype, Geschäftsmodell und Treibstoff über ihre Chancen verraten.

Sternschnuppe oder Supernova?

Nicht jede Aktie, die hell glänzt, ist auch ein Stern. Und nicht jeder Langweiler ist dunkle Materie. Wie Börsenstars entstehen, erkläre ich dir am besten unter freiem Himmel.

Komm, leg dich neben mich auf eine Sommerwiese. Das Gras ist noch warm vom Tag, über uns wird es langsam dunkel. Wir starten unsere Reise ins All. Ich bin Karina, deine Pilotin auf diesem Flug, auf dem wir verschiedene Aktientypen kennenlernen werden.

Was siehst du dort oben? Den Mond. Ein paar Planeten, die gemächlich ihre Bahnen ziehen. Ganz weit weg: fremde Sonnen. Da ganz hinten leuchtet gerade eine Supernova auf und eine Sternschnuppe fällt vom Himmel.

Was haben all diese Himmelskörper gemeinsam? Wir sehen sie nur, weil sie Licht ausstrahlen oder zurückwerfen. Dieses Licht heißt an der Börse Rendite. Wir machen uns also auf die Suche nach den Himmelskörpern, die im Depot am hellsten leuchten. Und nach jenen, die nur so aussehen.

Manche Aktien steigen nur, solange die Konjunktur mitspielt. Andere schießen als gefeierte Zukunftshoffnungen durch den Börsenhimmel und verglühen, sobald die Realität ihre Versprechen einholt. Wieder andere sind echte Sonnen. Fangen wir bei denen an, die sich ihr Licht nur leihen.

Planeten: Warum die Konjunktur den Kurs bestimmt

Siehst du die Planeten da drüben? Sie wirken ruhig, verlässlich, fast ein bisschen langweilig. Dabei leuchten sie gar nicht selbst. Sie spiegeln nur das Licht der Konjunktur. Das sind die Zykliker: Unternehmen, die aufschiebbare Großanschaffungen verkaufen, Autos zum Beispiel oder Flugzeuge. Läuft die Wirtschaft, steigen Nachfrage und Gewinne. In der Rezession wartet der neue Wagen eben noch ein Jahr, und die Gewinne brechen überproportional ein. Denn die Fabrik will ihre Kosten auch dann bezahlt haben, wenn keiner kauft. Hier lauert die Hochglanz-Falle. Am hellsten glänzt ein Zykliker im Boom: Die Gewinne sprudeln, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, sieht aus wie ein Schnäppchen. Doch das KGV ist ein Bruch. Steht unten ein aufgeblähter Gewinn, wirkt die Zahl winzig. Das Sonderangebot ist eine optische Täuschung, denn auf dem Höhepunkt des Zyklus geht es nur noch in eine Richtung: abwärts. Wie das aussieht, zeigt dir der Chart von BMW. Rauf in den Boom, runter in die Krise, wieder rauf, wieder runter, und nie wird daraus ein klarer Aufwärtstrend. Bei Zyklikern ist ein niedriges KGV deshalb kein Kaufsignal, sondern eher ein Warnsignal.

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Sonnen: Sie leuchten von innen, auch wenn keiner hinschaut

Und da, eine Sternschnuppe! Schnell, wünsch dir etwas!
So schön eine Sternschnuppe im echten Leben ist, so vorsichtig solltest du an der Börse mit ihr sein. Denn Sternschnuppen stehen für Aktien, die plötzlich hell aufleuchten und alle Blicke auf sich ziehen.

Im Licht ihres Schweifs stecken Erwartungen. Künstliche Intelligenz, Raumfahrt, Quantencomputer oder andere Zukunftstechnologien beflügeln die Fantasie der Börse, und der Kurs schießt nach oben, obwohl das Unternehmen erst noch beweisen muss, dass aus der großen Vision ein profitables Geschäft wird. Ein Beispiel ist DroneShield, ein australischer Hersteller von Drohnenabwehr. Der Markt der Zukunft ist riesig, die Fantasie auch: Die Aktie stieg auf ein Rekordhoch von rund 6,50 australischen Dollar. Heute kostet sie rund 1,50, mehr als drei Viertel weniger.

Solange die Begeisterung anhält, strahlt die Aktie. Doch beim Eintritt in die Realität verglühen viele Sternschnuppen. Enttäuscht das Geschäft oder zieht die Aufmerksamkeit zum nächsten Trend weiter, stürzt der Kurs so schnell ab, wie er gestiegen ist.

Die Falle bei Sternschnuppen: Das Verglühen kündigt sich nicht an. Der Hype davor schon. Wenn der Busfahrer dir die Aktie empfiehlt, der Friseur davon schwärmt und die BILD darüber titelt, haben schon alle gekauft, die kaufen wollten. Dann steckt die Begeisterung längst im Kurs, und es darf nichts mehr schiefgehen.

Eine glänzende Idee ist noch kein glänzendes Geschäft. Sternschnuppen sind eine spannende, bewusst spekulative Beimischung, aber kein Fundament für dein Depot.

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Supernovae: Der Treibstoff entscheidet, wer nur glüht und wer jahrelang strahlt

Beim Aktienkauf zählt nicht der kurzfristige Hype, sondern ob ein Unternehmen ein tragfähiges Geschäftsmodell, langfristiges Wachstumspotenzial und eine angemessene Bewertung hat.

Und dann gibt es sie, die Supernovae: Aktien, die nicht nur kurz aufblitzen, sondern über Jahre außergewöhnliche Renditen ermöglichen. Manche werden zu Tenbaggern. Ihr Wert verzehnfacht sich. Das ist der Traum vieler Einzelaktienanlegerinnen. Was unterscheidet sie von der Sternschnuppe? Die Sternschnuppe glüht in unserem Börsenbild durch die Begeisterung der Börsenmeute. Bei der Supernova steht dagegen ein Unternehmen, das selbst Wert schafft. Und dafür braucht es Treibstoff. Starinvestor Peter Lynch empfahl, dort genauer hinzuschauen, wo andere gelangweilt weiterblättern: in unscheinbaren Branchen und bei Unternehmen mit langweiligen Namen. Denn hinter einer unspektakulären Fassade kann ein Geschäftsmodell stecken, das über viele Jahre wächst. Der Treibstoff dafür hat drei Bestandteile. Erstens: ein Produkt, das Menschen immer wieder kaufen, weil sie es brauchen oder nicht darauf verzichten wollen. Das sorgt für wiederkehrende Einnahmen und gibt dem Unternehmen eine solide Grundlage. Zweitens: Raum für weiteres Wachstum. Das Unternehmen kann neue Produkte entwickeln, zusätzliche Märkte erschließen oder weitere Absatzwege nutzen. Der Tank ist also noch nicht leer, nur weil das bestehende Geschäft bereits gut läuft. Drittens: ein Management, das aus Einnahmen und Gewinnen mehr macht. Es investiert sinnvoll in weiteres Wachstum und kann idealerweise Preise erhöhen, ohne dass die Kundschaft gleich zur Konkurrenz abwandert. Diese Fähigkeit nennt man Preissetzungsmacht. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Ist noch Treibstoff da? Kann das Unternehmen auch in Zukunft Gewinne erwirtschaften und diese so einsetzen, dass sein Wert weiter wächst? Denn selbst ein Unternehmen mit einem hervorragenden Geschäftsmodell kann an seine Grenzen stoßen. Und selbst ein echter Börsenstar kann eine schlechte Investition sein, wenn du für seine Aktie bereits einen Preis bezahlst, der unrealistisch hohe Erwartungen voraussetzt. Wo findest du solche Kandidaten? Du musst dafür nicht gleich ein Teleskop auf ferne Galaxien richten. Manchmal reicht ein aufmerksamer Blick in deinen Alltag: Was kaufen die Menschen um dich herum immer wieder? Welche Marke hat sich still und leise überall durchgesetzt? Welches Unternehmen wächst in einer kleinen Nische, ohne ständig Schlagzeilen zu machen?

Landung: Die eine Frage, die du dir vor jedem Aktienkauf stellen solltest

Unsere Reise durch den Börsenhimmel ist zu Ende. Zeit zur Landung. Über uns leuchten noch immer Monde, Planeten und Sterne. Setz dich auf, klopf dir das Gras von der Hose.

Und bevor du die nächste Aktie kaufst, stell dir drei Fragen: Leuchtet das Unternehmen aus eigener Kraft? Ist noch Treibstoff für weiteres Wachstum da? Und ist die Aktie ihren Preis wert?

Denn an der Börse geht es nicht darum, den hellsten Stern am Himmel zu erwischen. Sondern darum, Unternehmen zu finden, deren Licht auch dann noch leuchtet, wenn der Hype längst weitergezogen ist.

Über Karina

Karina Metzdorf ist Elektrotechnikingenieurin, Hundemama und seit über 14 Jahren begeisterte Investorin an der Börse. Der Wunsch nach langen Reisen – möglichst noch vor dem Renteneintrittsalter – brachte sie früh dazu, sich intensiv mit Geldanlage zu beschäftigen. Die Börse wurde schnell zu ihrer Leidenschaft: Karina investiert in Aktien, ETFs, Gold und Bitcoin und hat sich zur Börsenhändlerin sowie Finanzanlagenfachfrau zertifizieren lassen. Als sie merkte, dass sie mit keiner ihrer Freundinnen über das Investieren sprechen konnte, gründete sie Börse in Pink. Ihre Mission ist es, Frauen Börsenwissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. In ihren Online-Kursen, Vorträgen und Workshops steckt sie mit ihrer Begeisterung und Erfahrung an. Auf finanzielle.de schreibt Karina in Pinkvestiert, ihrer monatlichen Börsenkolumne, über kluge Anlagestrategien und aktuelle Marktentwicklungen – immer mit dem Ziel, Frauen zu ermutigen, selbstbestimmt finanzielle Entscheidungen zu treffen und langfristig Vermögen aufzubauen. Alle Kolumnen von Karina findest du hier.

Karina Metzdorf in einem pinken Hosenanzug vor hellem Hintergrund. Sie ballt die Fäuste.
Foto: Angelika Graf

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© Marcus Witte
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