ETF auf dem MSCI World verkaufen: Wie reagiere ich auf den Börsencrash?
Steve Johnson / Pexels

Soll ich meinen ETF auf dem MSCI World verkaufen?

Der MSCI World hat massiv unter dem Börsencrash gelitten. Wer einen (oder mehrere) ETF(s) auf dem Index bespart, fragt sich aktuell: Verkaufen oder aussitzen? Das ist jetzt die cleverste Strategie.

Das Beben hat den Klassiker erschüttert

Ein ETF auf dem MSCI World war in der Vergangenheit fast immer eine gute Idee. Für Börsen-Newbies sogar der ultimative erste Schritt. Und da der Index die Performance von Aktien von rund 1400 Unternehmen aus 23 entwickelten Ländern weltweit abbildet, darunter die USA, Kanada, das Vereinigte Königreich, Japan, Deutschland, Frankreich und Australien, schien er doch einige Kriterien der Diversifikation zu erfüllen.

Doch schon länger wurde Kritik laut: Aktien von US-Unternehmen – insbesondere aus der Technologieszene – sind mit einem Anteil von rund 70 Prozent im MSCI World stark übergewichtet, sodass ein Klumpenrisiko besteht. Doch da die Magnificent 7, Alphabet (ehemals Google), Amazon, Apple, Meta (ehemals Facebook), Microsoft, Nvidia und Tesla, der Börse in den letzten Jahren Höhenflüge bescherten, war ein Ausstieg bisher gar nicht so verlockend, obwohl Expert:innen warnten, dass der Markt überverkauft sei.

Doch jetzt hat es den MSCI World übel erwischt. Die Trump-Zölle haben die US-Tech-Giganten extrem gebeutelt, der Index ist abgestürzt: Minus acht Prozent auf Wochensicht verlor er am Montag (7. April 2025).

Aber: Es kam schon schlimmer. Erinnern wir uns an die Pandemie. Als Corona im März 2020 offiziell zur Pandemie erklärt wurde, ist der Kurs des MSCI World innerhalb kürzester Zeit um fast 30 Prozent gefallen. Innerhalb eines Jahres war der Verlust aber wieder aufgeholt.

Lies auch: MSCI World versus FTSE All-World: Welcher ist besser?

Börsencrash dank Trumps Zollpolitik

Der Abverkauf an der Börse in den letzten Tagen ist fast schon legendär. Seit dem „Liberation Day“ am 3. April machen Anleger:innen weltweit einen Rückzug. Wer ins Depot geschaut hat, musste schon sehr gechillt sein, um keine Panik zu spüren. Doch mit Verlusten zu verkaufen, ist keine gute Idee. Wer die Gewinne der letzten Jahre noch mitnehmen wollte, geriet in Versuchung. Doch es spricht einiges gegen den Verkauf eines (thesaurierenden) ETFs.

Bevor du in Panik verkaufst, denk daran!

Benefit von thesaurierenden ETFs verlieren: Diese ETFs reinvestieren die Erträge (z. B. Dividenden), was über die Zeit zu einem Zinseszinseffekt führt. Wenn du also einen thesaurierenden ETF verkaufst, verlierst du nicht nur die aktuellen Kursgewinne, sondern auch die zukünftigen Erträge, die du durch Reinvestition hättest erzielen können.

Transaktionskosten fallen an: Der Verkauf und anschließende Kauf eines ETFs kann mit Transaktionskosten verbunden sein, die deine Rendite weiter schmälern.

Steuern werden abgezogen: In Deutschland müssen auf Gewinne aus Aktienverkäufen Steuern gezahlt werden. Wenn du bei einem Kursabsturz verkaufst, wird die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent fällig. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent, der auf die Abgeltungssteuer erhoben wird, und evtl. die Kirchensteuer.

Das richtige Timing ist riskant: Es ist äußerst schwierig, den perfekten Zeitpunkt für den Kauf und Verkauf von Anlagen zu bestimmen. Oft erholen sich die Märkte schneller als erwartet, und Anleger:innen, die versuchen, den Markt zu timen, verpassen möglicherweise die besten Erholungstage, was zu verpassten Gewinnen führt.

Deine ETF-Strategie ist langfristig angelegt! Von der Entwicklung eines thesaurierenden ETFs profitierst du ohnehin über eine lange Zeitspanne. Hier ist Geduld gefragt (mindestens 10 Jahre). So kannst du auch stärkere Kursschwankungen einfach aussitzen, wenn du nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt an dein Geld ran musst. Hast du einen ETF-Sparplan, bekommst du für deine monatlich investierte Summe jetzt sogar mehr Anteile und wirst langfristig belohnt.

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Besser: Ruhe bewahren und neu sortieren

Bereits am Montagmittag stellten sich schon leichte Erholungen an der Börse ein. Die ersten Finanzprofis nutzten offenbar die Strategie „Buy the Dip“ und prophezeiten sogar einen Turnaround Tuesday. Aktuell sieht es zumindest beim Blick ins Depot so aus, als würde es leicht bergauf gehen. Wie es mit Trumps Zollpolitik weitergeht, weiß wohl niemand – und er selbst wahrscheinlich auch nicht. Den Vorschlag von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Trump schon mal abgeschmettert. China will weiter an seinen Gegenzöllen für die USA festhalten und nennt die Verhängung der US-Zölle „eine typische einseitige Mobbingpraxis“.

Die Märkte bleiben also unsicher. Ein Präsident der USA, der launisch agiert und unter dessen Politik eine Rezession mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent vorhergesagt wird, schlägt sich auch auf die Börsenkurse. Wie also zukünftig anlegen? Diversifizieren ist ohnehin eine kluge Anlagestrategie, das gilt in Zukunft wohl noch mehr. Eine Mischung aus ETFs, die unterschiedliche Schwerpunkte aufweisen, Gold, Staatsanleihen erstklassiger Bonität und mit langer Laufzeit bringen Stabilität. Dazu gehört auch ein ETF auf dem MSCI World. Auch Immobilien sind natürlich eine Option. Vielleicht kann das – hoffentlich bald vorübergehende – Tief im Depot dazu anregen, die eigene Finanzstrategie nochmal sinnvoll anzupassen. Überstürzt sollte das aber sowieso nie passieren. Diese fünf Learnings aus Börseneinbrüchen solltest du berücksichtigen!

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