Marlies Gebetsberger, Senior Vice President und Leiterin des Bereichs Personal Health für Philips in Westeuropa.
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Marlies Gebetsberger: Sichtbarkeit beginnt mit Eigenverantwortung

Sie ist Senior Vice President und Leiterin des Bereichs Personal Health für Philips in Westeuropa. Im Interview verrät Marlies Gebetsberger ihre wichtigsten Karriere-Learnings zum Thema Führung.

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Compassionate Candor prägt ihren Führungsstil: Die Philosophie verbindet persönliche Fürsorge mit klaren Erwartungen – immer mit dem Ziel, Menschen in ihrer Entwicklung zu stärken. Als Senior Vice President und Leiterin des Bereichs Personal Health für Philips in Westeuropa arbeitet Marlies Gebetsberger seit über einem Jahrzehnt bei Philips und hatte verschiedene Positionen inne, darunter Geschäftsführerin Personal Health DACH und Marketing Director Coffee DACH. Mit großer Leidenschaft treibt sie Innovationen im Bereich Personal Health voran. Im Fokus stehen menschenzentrierte Technologien und verantwortungsvoll eingesetzte KI-Lösungen, die Menschen dabei unterstützen sollen, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden im Alltag aktiv zu verbessern.

Wenn du auf deinen Karriereweg zurückblickst: Gab es einen Karrieretipp, der deine Richtung entscheidend verändert hat? Wenn ja, welcher war das?

Sehr früh habe ich erkannt, dass der Versuch, alles selbst zu kontrollieren, mich und das Team tatsächlich zurückgehalten hat. Wirkung entsteht nicht dadurch, dass man in jedes Detail involviert ist, sondern durch Fokus und den Mut, loszulassen und Entscheidungen zu treffen, die Klarheit schaffen. Irgendwann habe ich einen Schritt zurück gemacht und angefangen, Verantwortung wirklich zu delegieren – nicht nur Aufgaben, sondern auch die Eigenverantwortung für die Zielerreichung. Das war nicht immer angenehm, aber notwendig. Es hat meine Sicht auf Führung grundlegend verändert. Es ging viel weniger um Kontrolle und viel mehr um Vertrauen und damit einhergehend auch darum, ein Top-Team zusammenzustellen. Und dann zu lernen, sich aufeinander zu verlassen und gegenseitig zu unterstützen, war ein echter Wendepunkt. Heute stelle ich mir oft eine einfache Frage: Spielen wir wirklich, um zu gewinnen? Und genauso wichtig: Welche Verhaltensweisen muss ich ablegen, damit andere sich sicher fühlen, mutig zu sein, Risiken einzugehen und über das unmittelbar Erreichbare hinauszudenken?

Welche Stationen oder Erfahrungen waren rückblickend besonders wichtig für deinen beruflichen Erfolg – vielleicht auch Eigenschaften, die du dabei entwickeln konntest?

Einige Erfahrungen stechen besonders hervor. In internationalen, hochdynamischen Umfeldern zu führen, war eine davon. Ins Ausland zu gehen und herausfordernde Rollen zu übernehmen, hat meine Denk- und Führungsweise verändert.

Die Arbeit über verschiedene Kulturen hinweg hat mich flexibler und bewusster gemacht – sowohl im Umgang mit anderen als auch mit mir selbst. Sie hat meine Resilienz gestärkt und mir gezeigt, wie kraftvoll Zusammenarbeit sein kann, wenn man wirklich team-, funktions- und kulturübergreifend arbeitet.

Ein weiterer großer Lernmoment war das Führen durch die Covid-Zeit und das Vorantreiben großer organisatorischer Transformationen. Man hat oft nicht alle Antworten, muss aber dennoch Orientierung geben. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, ruhig zu bleiben, dem Druck standzuhalten und weiterzumachen.

Mit der Zeit habe ich auch den Wert von Pausen erkannt. Im Alltag verliert man leicht die Perspektive. Wenn man einen Schritt zurücktritt und einen „Balkonmoment“ nimmt, sieht man den Fortschritt, die Wirkung und wie weit man gekommen ist. Man muss sich nur die Zeit dafür nehmen.

Hattest du von Anfang an das Ziel, eine Führungsrolle zu übernehmen – oder hat sich das eher im Laufe der Zeit entwickelt?

Ich hatte nie einen klar definierten Karriereplan mit dem Ziel, das Top-Management zu erreichen. Das war nie mein Antrieb. Führung hat sich mit der Zeit entwickelt. Sie ist natürlich gewachsen, indem ich mehr Verantwortung übernommen und den Wunsch hatte, wirklich etwas zu bewirken. Mich hat immer motiviert, gemeinsam zu gewinnen und Fortschritte zu machen, nicht Titel. Mit wachsendem Verantwortungsbereich wuchs auch meine Verantwortung für Teams und Menschen. Da hat sich Führung für mich wirklich entwickelt.

Mein Karrieretipp wäre: Mach etwas, das dir wirklich Freude bereitet, das dir Energie gibt, dich aber auch aus deiner Komfortzone herausholt. Wenn du magst, was du tust, und gefordert wirst, bist du leistungsfähiger und erzielst Wirkung. Und daraus ergeben sich oft neue Chancen.

Welche Fähigkeiten haben dir am meisten geholfen, in Führungspositionen zu kommen und dich dort zu behaupten?

Klarheit und die Fähigkeit, Komplexität zu vereinfachen, sind entscheidend – besonders heute, wo die Unternehmenswelt immer schneller und vernetzter wird.

Mein Führungsstil – Compassionate Candor – bedeutet, direkt zu challengen und gleichzeitig aufrichtig an der Entwicklung der Kolleg:innen interessiert zu sein. Und eine wichtige Erkenntnis, die ich gerne teile: Fortschritt ist wichtiger als Perfektion!

Gab es auch Phasen von Zweifel oder Rückschlägen – und wie bist du damit umgegangen?

Zweifel gehören zu jedem Werdegang, besonders wenn man in sich schnell verändernden Märkten arbeitet. Ich habe gelernt, Rückschläge als Lernmomente und nicht als Hindernisse zu sehen.

Eine meiner größten persönlichen Veränderungen war, Perfektionismus loszulassen. Anstatt auf Sicherheit zu warten, konzentriere ich mich viel mehr darauf, schnell zu testen, zu lernen und zu iterieren. Das sieht man auch daran, wie wir Bereiche wie TikTok Shop angehen. Wir setzen auf Social Commerce, indem wir mit Inhalten experimentieren und uns in Echtzeit anpassen.

Ich glaube, die Marken, die im nächsten Jahrzehnt gewinnen, sind diejenigen, die echte Communities aufbauen, zum Beispiel auf Social Media, wo Inhalte Engagement, Mehrwert und Vertrauen schaffen. Für uns bedeutet das, Menschen dort abzuholen, wo sie sind, mit Lösungen, die individuell und zugänglich wirken, und Ökosysteme zu schaffen, in denen Commerce, Inhalte und Community zusammenkommen.

Und bei all dem waren starke Netzwerke entscheidend – sowohl innerhalb als auch außerhalb meiner Organisation bei Philips. Vertrauenswürdige Menschen zum Austausch geben mir Perspektive und Selbstvertrauen.

Hattest du als Frau manchmal das Gefühl, an gläserne Decken zu stoßen? Und wie hast du gelernt, dich in entscheidenden Momenten durchzusetzen, zum Beispiel in Verhandlungen?

Es gab definitiv Momente, in denen ich mich sehr klar positionieren musste. Was mir geholfen hat, war zu wissen, welchen Wert ich einbringe, und darin selbstbewusst zu sein. Ich habe gelernt, dass Durchsetzungsvermögen nicht bedeutet, lauter zu sein, sondern klarer. Vorbereitung, eine starke Meinung und konsequentes Handeln – das ist es, was über die Zeit Glaubwürdigkeit aufbaut. Wenn ich meinem jüngeren Ich etwas raten könnte, dann: Unterschätze nie deine Stärken. Baue sie gezielt aus und nutze sie, um Wirkung für das Unternehmen zu erzielen.

Gerade Frauen haben oft das Problem, nicht gesehen zu werden. Wie bringst du dich selbst in Position und wirst sichtbar?

Sichtbarkeit beginnt mit Eigenverantwortung. Sich zu Wort melden, die eigene Perspektive teilen und aktiv Verantwortung übernehmen, anstatt darauf zu warten, eingeladen zu werden.

Für mich war Wirkung immer wichtiger als bloße Präsenz. Starke Umfelder verstärken Sichtbarkeit ganz natürlich, besonders wenn man etwas Sinnvolles beiträgt.

Dabei sollten wir uns einen Platz am Tisch nehmen und nicht in der letzten Reihe. Aber nicht um der Sichtbarkeit wegen, sondern um etwas zu bewirken, um das Business und das Team zu entwickeln und die eigenen Ideen einzubringen. Relevanz zu schaffen ist entscheidend, und für mich geschieht das durch sinnvolle Innovation, die das Leben der Menschen wirklich verbessert und durch Ideen, die gestalten und uns voranbringen, aber auch durch Beiträge, die Vertrauen aufbauen.

Wie wichtig ist aus deiner Sicht strategisches Netzwerken – und wie hast du es persönlich genutzt?

Für mich bedeutet strategisches Netzwerken vor allem Lernen und Austausch. Es erweitert den Horizont, beschleunigt die Entwicklung und hilft, durch das Lernen von anderen zu wachsen. Das erlebe ich oft bei Veranstaltungen, wie der K5, dem TCG Retail Summit, OMR, bei den Cannes Lions oder in Gesprächen, wie beispielsweise mit dem FMCG Guys Podcast.

Aber starke Netzwerke sind nie einseitig. Ich frage mich immer, was ich beitragen kann – sei es durch Mentoring, zum Beispiel im TCG Women’s Circle, durch die Unterstützung von Kolleg:innen bei Philips, in der Branche oder durch meine Arbeit im Aufsichtsrat der Husqvarna Group. Und immer auf Basis von Vertrauen.

Die richtigen Communities machen mutig. Sie bieten psychologische Sicherheit, ehrliche Perspektiven und Unterstützung, wenn man Neues ausprobiert.

Wenn du heute einer ambitionierten Frau einen konkreten Karrieretipp geben müsstest – welcher wäre das und warum?

  1. Denke früher größer und vertraue dir selbst. Warte nicht auf perfekte Bedingungen, denn die gibt es selten.
  2. Bleib neugierig und lerne ständig dazu, besonders auch außerhalb deines eigenen Umfelds. Die Fähigkeit, sich anzupassen, schnell zu lernen und Komplexität zu meistern, wird wichtiger denn je.
  3. Nutze Technologie wie KI mit einem menschlichen Blick. Echte Innovation ist nie Selbstzweck. Sie beginnt damit, echte Menschen und echte Momente zu verstehen und Tools wie KI zu nutzen, um Lösungen relevanter, zugänglicher und im Alltag wirklich hilfreich zu machen.

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