Ältere Frau um die 70, die eine blaugetönte Sonnenbrille trägt und leicht lächelt
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Ist die Rente eigentlich sicher? Ein Update

"Die Rente ist sicher", versprach Norbert Blüm in den 1980er-Jahren. Das Rentensystem besteht weiterhin, doch die Frage ist heute eine andere: Reicht es später auch zum Leben?

Die Rentenlücke verstehen und rechtzeitig handeln

Viele Menschen blicken mit gemischten Gefühlen auf ihre Rente. Die zentrale Frage: Wie viel bleibt mir im Alter wirklich zum Leben? Die Antwort darauf hängt maßgeblich vom sogenannten Rentenniveau ab – einer Kennzahl, die zeigt, wie viel Prozent des durchschnittlichen Einkommens die gesetzliche Rente abdeckt.

Das Rentenniveau: Was es bedeutet und warum es sinkt

Das Rentenniveau gibt an, wie hoch die Standardrente im Verhältnis zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten ausfällt. Vereinfacht gesagt: Wer heute in Rente geht, erhält im Schnitt etwa 48 Prozent seines letzten Einkommens als gesetzliche Rente. Individuell kann dieser Wert nach oben oder unten abweichen, je nach Erwerbsbiografie und eingezahlten Beiträgen.

Dass es heute bei 48 Prozent liegt, ist kein Zufall. Das Rentenniveau ist in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gesunken: Im Jahr 2000 lag es noch bei rund 53 Prozent. Der Grund für diesen Rückgang ist der demografische Wandel. Immer weniger Beitragszahler:innen müssen immer mehr Rentner:innen finanzieren  – eine Entwicklung, die das Umlagesystem der gesetzlichen Rentenversicherung unter Druck setzt.

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Die Haltelinie: Ein politisches Versprechen bis 2031

Damit die gesetzliche Rente auch in Zukunft ein verlässliches Fundament der Altersversorgung bleibt, hat die Bundesregierung im Rahmen des Rentenpakets II im Sommer 2025 eine wichtige Weichenstellung vorgenommen: Das Rentenniveau darf bis 2031 nicht unter 48 Prozent sinken. Diese sogenannte Haltelinie soll verhindern, dass die Renten weiter an Kaufkraft verlieren und Altersarmut zunimmt.

Doch was bedeutet das konkret? Die Haltelinie ist zunächst einmal eine politische Zusage, also keine Garantie für die Zeit danach. Was nach 2031 geschieht, ist offen. Expert:innen gehen davon aus, dass ohne weitere Reformen das Rentenniveau langfristig weiter sinken könnte, sofern nicht zusätzliche Finanzierungsquellen erschlossen oder das Renteneintrittsalter angepasst wird.

Die Rentenlücke: Wenn die Rente nicht zum Leben reicht

Hier kommt die sogenannte Rentenlücke ins Spiel. Sie beschreibt die Differenz zwischen dem letzten Nettogehalt und der tatsächlich ausgezahlten gesetzlichen Rente. Je größer diese Lücke, desto schwieriger wird es, den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Hier erklären wir, wie du deine eigene Rentenlücke berechnen kannst.

Ein Rechenbeispiel: Wer im letzten Berufsjahr 3.000 Euro netto verdient hat, erhält bei einem Rentenniveau von 48 Prozent etwa 1.440 Euro Rente – vorausgesetzt, es handelt sich um eine Standardrente nach 45 Beitragsjahren. Die Rentenlücke beträgt in diesem Fall 1.560 Euro monatlich. Wer weniger Jahre eingezahlt hat, Teilzeit gearbeitet oder Kindererziehungszeiten hatte, liegt oft deutlich darunter.

Wie du Kindererziehungszeiten beantragen kannst, erklären wir dir hier! Außerdem: So viel bringt eine betriebliche Altersvorsorge. Und: Riester oder Rürup: Ist das eine gute Idee?

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Besonders Frauen sind betroffen

Die Rentenlücke trifft nicht alle gleich. Besonders Frauen sind überproportional von drohender Altersarmut betroffen. Die Gründe sind vielfältig: unterbrochene Erwerbsbiografien durch Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen, Teilzeitarbeit, niedrigere Löhne in frauentypischen Berufen und das sogenannte Gender Pay Gap. All das führt dazu, dass Frauen im Durchschnitt deutlich weniger Rentenansprüche aufbauen als Männer.
Wer die Zahlen schwarz auf weiß vor sich hat, kann erstmals realistisch abschätzen, wie groß die eigene Rentenlücke wirklich ist und rechtzeitig anfangen, gegenzusteuern. Denn eines ist klar: Die gesetzliche Rente allein wird für viele nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Private Vorsorge ist heute wichtiger denn je.

Besonders, wenn wir bedenken, dass auch die Inflation und die Besteuerung der Rente eine Rolle spielen. Renten werden zwar regelmäßig angepasst, aber die Anpassung folgt vor allem der Lohnentwicklung, nicht direkt der aktuellen Inflation. In Deutschland lag die Inflationsrate 2022 bei rund 6,9 % – der höchste Wert seit Jahrzehnten. Steigen die Preise schneller als die Renten, sinkt die Kaufkraft spürbar.

Hinzu kommt die Besteuerung: Wer 2026 in Rente geht, muss 84 % seiner gesetzlichen Rente versteuern, nur 16 % bleiben dauerhaft steuerfrei. Bei einer Jahresrente von 18.000 Euro gelten somit 15.120 Euro als steuerpflichtig. Zwar wird darauf nicht automatisch die volle Steuer fällig, weil zunächst der Grundfreibetrag abgezogen wird. Dennoch können – je nach Gesamteinkommen – schnell mehrere hundert bis über tausend Euro pro Jahr an das Finanzamt gehen. Von der ohnehin oft knappen Rente bleibt damit real weniger übrig, als viele erwarten.

Tipp: Eine ganz einfache Form der Altersvorsorge ist ein ETF. Alles zum Thema, zum Beispiel Investieren in ETFs, den richtigen ETF finden, ein ETF-Portfolio aufbauen, findest du in unserem Special!

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