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Der Krypto-Trader, der nie schläft: Übernehmen KI-Agenten bald unser Portfolio?

KI-Agenten handeln Kryptowährungen rund um die Uhr. Wie sie Portfolios steuern, welche Chancen sie bieten und wo die größten Risiken liegen, analysiert unsere Kolumnistin Svenja Zitzer.

Es gibt Entscheidungen, die wir erstaunlich bereitwillig an Maschinen abgeben. Google sucht für uns den schnellsten Weg nach Hause, Netflix entscheidet, welche Serie wir als nächstes schauen, und der Saugroboter kennt den Grundriss unserer Wohnung inzwischen vermutlich besser als wir selbst.

Doch wie sieht es mit unserem Geld aus? Würdest du einer künstlichen Intelligenz erlauben, deine Kryptowährungen zu verwalten? Nicht nur, um den Markt zu beobachten oder Kursalarme zu verschicken. Sondern um selbstständig Charts auszuwerten, Coins zu kaufen, Gewinne mitzunehmen oder ein Portfolio umzuschichten.

Viele würden vermutlich spontan den Kopf schütteln – tatsächlich experimentiert die Kryptobranche aber bereits heute genau damit.
Während wir noch darüber diskutieren, ob ChatGPT unsere E-Mails schreiben sollte, arbeiten Kryptobörsen bereits an einer ganz anderen Zukunft. Kraken integriert KI immer stärker in seine Plattform, Robinhood entwickelt sogenannte KI-Agenten für den Kryptohandel und bei OKX entstehen Lösungen, mit denen autonome Agenten künftig eigenständig Aufgaben übernehmen sollen. Sogar Mechanismen zur Streitbeilegung zwischen KI-Agenten werden bereits entwickelt. Was vor wenigen Monaten noch nach Science-Fiction klang, wird Schritt für Schritt Realität.

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Die Idee hinter einem KI-Agenten geht nämlich deutlich weiter als ein intelligenter Chatbot. Ein KI-Agent beantwortet nicht nur Fragen, sondern erledigt eigenständig Aufgaben – er kann Informationen sammeln, Entscheidungen innerhalb vorher festgelegter Regeln treffen und anschließend handeln. Genau deshalb gelten KI-Agenten derzeit als einer der spannendsten Trends der Kryptobranche. Die ersten Anwendungsfälle entstehen bereits: Ein Agent könnte dein Portfolio rund um die Uhr überwachen und nicht nur auf starke Kursbewegungen hinweisen, sondern automatisch reagieren. Er könnte Gewinne sichern, wenn ein vorher festgelegtes Kursziel erreicht wurde, Verluste begrenzen oder das Portfolio regelmäßig wieder ins Gleichgewicht bringen. Andere Agenten durchsuchen Nachrichten, Social-Media-Kanäle oder Blockchain-Daten in Echtzeit und erkennen Entwicklungen, die menschlichen Anlegern oft erst Stunden später auffallen. Besonders spannend wird es im Bereich der sogenannten DeFi-Anwendungen. Dort können KI-Agenten künftig selbstständig nach den attraktivsten Renditen suchen, Vermögenswerte zwischen verschiedenen Protokollen verschieben oder Kredite umschichten, sobald sich bessere Konditionen ergeben. Was heute noch viele einzelne Klicks und einiges an Fachwissen erfordert, könnte künftig weitgehend automatisiert im Hintergrund ablaufen. Natürlich klingt das verlockend. Schließlich schläft der Kryptomarkt nie. Während wir arbeiten oder nachts im Bett liegen, wird rund um die Uhr gehandelt. Ein KI-Agent kennt weder Feierabend noch Wochenende und kann theoretisch jede Marktbewegung sofort bewerten.

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Ganz ohne Risiken ist diese Entwicklung allerdings nicht, denn auch eine künstliche Intelligenz trifft Entscheidungen auf Basis der Informationen, die ihr zur Verfügung stehen. Sind diese Daten fehlerhaft, veraltet oder werden sie gezielt manipuliert, kann auch der Agent falsche Schlüsse ziehen. Hinzu kommt ein weiteres Problem: KI kann Wahrscheinlichkeiten berechnen, aber keine Zukunft vorhersagen. Unerwartete politische Entscheidungen, Hackerangriffe oder plötzliche Marktpanik lassen sich auch mit der besten KI nicht zuverlässig prognostizieren.

Gerade im Kryptobereich kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu. Gibt man einem KI-Agenten Zugriff auf die eigene Wallet, erhält er unter Umständen die Berechtigung, Vermögenswerte tatsächlich zu bewegen. An diesem Punkt wird Sicherheit zum entscheidenden Thema: Wer kontrolliert den Agenten? Welche Befugnisse erhält er? Und was passiert, wenn ein Fehler im Programm steckt oder der Dienst selbst gehackt wird? Je mehr Verantwortung wir einer Software übertragen, desto wichtiger werden transparente Regeln und Sicherheitsmechanismen.

Dass diese Fragen längst keine Zukunftsmusik mehr sind, zeigt ein aktuelles Projekt von OKX, MetaMask und Matter Labs. Gemeinsam arbeiten sie an einem Schiedsgericht für KI-Agenten. Die Idee dahinter: Wenn autonome Agenten künftig Transaktionen durchführen oder im Namen ihrer Nutzer handeln, braucht es auch Verfahren, um Fehlentscheidungen oder Streitfälle zu klären. Allein die Tatsache, dass bereits über solche Mechanismen nachgedacht wird, zeigt, wie ernst die Branche das Thema inzwischen nimmt.

Also bedeutet das jetzt, dass KI-Agenten uns künftig reich machen? Wahrscheinlich nicht. Zumindest nicht automatisch.

Denn auch der beste KI-Agent kann keine Kursentwicklungen vorhersagen. Er kennt keine geheimen Informationen und besitzt keine magischen Fähigkeiten. Was er aber kann: riesige Datenmengen in Sekunden analysieren, emotionslos handeln und rund um die Uhr den Markt beobachten. Eigenschaften, bei denen Menschen naturgemäß an ihre Grenzen stoßen.

Vielleicht werden KI-Agenten deshalb nicht den klassischen Anleger ersetzen, sondern zu einer Art Co-Piloten werden. Sie übernehmen die zeitaufwendige Analyse, beobachten Märkte ohne Pause und schlagen konkrete Handlungen vor. Die endgültige Entscheidung trifft aber weiterhin der Mensch.
Und darin könnte ihre größte Stärke liegen – nicht darin, uns das Denken abzunehmen, sondern dabei zu helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Denn der größte Gegner vieler Anleger sind oft nicht mangelndes Wissen, sondern Emotionen. Angst, Gier oder Panik haben schon mehr Vermögen vernichtet als jeder Algorithmus.

Ob KI-Agenten irgendwann bessere Investoren sind als wir, wird die Zeit zeigen. Eines können sie uns aber schon heute voraushaben: Sie geraten weder in Panik noch bekommen sie FOMO, also die Angst, etwas zu verpassen. Allein das ist an der Börse manchmal Gold wert.

"She goes Crypto": Die finanzielle-Kolumne ​

Unsere Autorin Svenja Zitzer

Svenja hat internationale Fachjournalistik studiert und begeistert sich schon seit 2015 für Bitcoin & Co., immer auf der Spur von Zukunftstrends mit echtem Impact. Für finanzielle schreibt sie in Kooperation mit Bitcoin2Go die neue Kolumne „She goes Crypto“. Dabei erklärt sie die wichtigsten Coins und langfristige Strategien, wie man mit Kryptowährungen ein Vermögen aufbauen kann.

Svenja Zitzer schreibt eine Krypto-Kolumne für finanzielle
Bitcoin2go

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© Marcus Witte
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