In diesen Tagen gibt es Momente, in denen man die Trading-App öffnet und sich wünscht, man hätte es nicht getan. Bitcoin ist zwischenzeitlich bis auf 60.000 Dollar gefallen, Ethereum rutschte auf rund 1.750 Dollar, Schlagzeilen überschlagen sich, und irgendwo im Hintergrund flackert wieder dieses altbekannte Wort auf: Crash.
Wer schon länger investiert, kennt dieses Gefühl. Die Kurse sind meilenweit entfernt von ihren Allzeithochs, die Euphorie ist verdampft, und aus „Wann Lambo?“ (Insider für “Wann bin ich durch meine Gewinne so reich, dass ich mir einen Lamborghini leisten kann?”) wird ganz schnell „War das ein Fehler?“.
Gerade für Investor:innen, die noch nicht mehrere Marktzyklen erlebt haben, fühlen sich solche Phasen existenziell an. Als würde gerade etwas kaputtgehen. Dabei passiert in Wahrheit etwas völlig Normales: Märkte bewegen sich.
Und genau hier entscheidet sich, wie professionell wir investieren. Denn die wichtigere Frage lautet nicht, warum der Markt fällt, sondern wie wir uns verhalten, wenn er es tut.
Wenn Emotionen investieren
Der erste Impuls ist fast immer Aktionismus. Verkaufen, sichern, retten, irgendetwas tun, damit das Minus verschwindet. Doch Vermögensaufbau ist kein Feueralarm, bei dem man panisch zum Ausgang rennt, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem Zwischenzeiten wenig über das Endergebnis aussagen. Wer heute verkauft, weil es sich unangenehm anfühlt, trifft eine emotionale Entscheidung in einem Moment maximaler Unsicherheit. Und Emotionen sind selten gute Portfoliomanager.
Stattdessen lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Strategie. Hat sich an der ursprünglichen Investmentthese etwas Substanzielles verändert? Funktionieren die Netzwerke technisch noch? Entwickeln sich Nutzung, Infrastruktur und regulatorischer Rahmen weiter? Wenn die fundamentalen Annahmen weiterhin tragen, dann ist ein niedrigerer Kurs zunächst kein Drama, sondern eine Marktphase.
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Gerade in solchen Momenten zeigt sich die Stärke eines Sparplans. Wer regelmäßig einen festen Betrag investiert, muss nicht darüber rätseln, ob „jetzt der richtige Zeitpunkt“ ist, denn der richtige Zeitpunkt ist strukturell eingebaut. Fällt der Markt, kauft derselbe Betrag mehr Anteile. Steigt er, kauft er weniger. Dieser Mechanismus, bekannt als Cost-Average-Effekt, glättet nicht nur den Einstiegspreis über die Zeit, sondern vor allem die eigene Gefühlslage. Man wird von der Getriebenen zur Strategin.
Natürlich bedeutet das nicht, blind weiterzukaufen, egal was passiert. Ein Sparplan ersetzt keine Analyse, aber er ersetzt hektische Timing-Versuche, die erfahrungsgemäß mehr Nerven als Rendite kosten. Wer langfristig von der Technologie überzeugt ist, für den sind schwächere Kurse kein Weltuntergang, sondern Bestandteil des Zyklus. Märkte steigen nicht in gerader Linie, genauso wenig wie Karrieren oder Muskelaufbau. Alles, was wachsen soll, kennt Phasen der Konsolidierung.
Hilfreich ist es außerdem, die eigene Positionsgröße ehrlich zu prüfen. Wenn ein Kursrückgang schlaflose Nächte verursacht, ist nicht zwingend der Markt das Problem, sondern möglicherweise die Gewichtung im Portfolio. Risikomanagement ist keine Spielverderber-Disziplin, sondern das Fundament jeder Gelassenheit. Wer so investiert, dass auch ein deutlicher Rückgang verkraftbar bleibt, muss in turbulenten Phasen nicht reagieren, sondern darf beobachten.
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Warum sich gute Zeitpunkte selten gut anfühlen
Und dann ist da noch die unbequeme Wahrheit: Die attraktivsten Einstiegszeitpunkte fühlen sich selten gut an. Wenn die Stimmung kippt, Liquidität abnimmt und Skepsis überwiegt, ist das mediale Echo düster. Genau deshalb sind solche Phasen strategisch interessant. Wer ausschließlich investiert, wenn alles grün blinkt und Experten sich vor Euphorie überschlagen, kauft oft Bequemlichkeit statt Überzeugung.
Das bedeutet nicht, mutig ins fallende Messer zu greifen oder jede Korrektur als Geschenk zu romantisieren. Es bedeutet lediglich, zwischen Preis und Wert zu unterscheiden und den eigenen Zeithorizont ernst zu nehmen. Langfristiger Vermögensaufbau misst sich nicht an Wochen oder einzelnen Quartalen, sondern an Jahren.
Vielleicht ist jetzt also nicht der Moment, hektisch zu verkaufen oder nervös nach der nächsten Prognose zu suchen, sondern der Moment, den eigenen Plan noch einmal bewusst zu analysieren. Investiere ich strategisch oder reagiere ich auf Schlagzeilen? Habe ich eine Struktur oder nur Hoffnung?
Märkte werden sich auch künftig bewegen, manchmal elegant, manchmal schmerzhaft. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Bitcoin oder Ethereum heute unter ihrem Allzeithoch notieren. Die entscheidende Frage ist, ob wir unsere Strategie unter Druck beibehalten können und wollen.
Denn Vermögensaufbau entsteht nicht in Phasen maximaler Euphorie, sondern in der Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn andere unruhig werden. Und Gelassenheit ist am Ende eine der profitabelsten Eigenschaften, die eine Investorin besitzen kann.
"She goes Crypto": Die finanzielle-Kolumne
Unsere Autorin Svenja Zitzer
Svenja hat internationale Fachjournalistik studiert und begeistert sich schon seit 2015 für Bitcoin & Co., immer auf der Spur von Zukunftstrends mit echtem Impact. Für finanzielle schreibt sie in Kooperation mit Bitcoin2Go die neue Kolumne „She goes Crypto“. Dabei erklärt sie die wichtigsten Coins und langfristige Strategien, wie man mit Kryptowährungen ein Vermögen aufbauen kann.









