Eine Grafik für die finanzielle-Kolumne "She goes Crypto". Darauf steht: Cool bleiben im Krypto-Sturm und man sieht ein Bild der Kolumnistin Svenja Zitzer.
finanzielle

Krypto-Krise? Warum Panik jetzt die schlechteste Strategie ist

Volatile Märkte sind kein Ausnahmezustand, sondern Teil des Systems. Die Frage ist nicht, ob sie kommen, sondern wie man ihnen begegnet. finanzielle-Kolumnistin Svenja ordnet ein, was gerade am Krypto-Markt passiert.

In diesen Tagen gibt es Momente, in denen man die Trading-App öffnet und sich wünscht, man hätte es nicht getan. Bitcoin ist zwischenzeitlich bis auf 60.000 Dollar gefallen, Ethereum rutschte auf rund 1.750 Dollar, Schlagzeilen überschlagen sich, und irgendwo im Hintergrund flackert wieder dieses altbekannte Wort auf: Crash.

Wer schon länger investiert, kennt dieses Gefühl. Die Kurse sind meilenweit entfernt von ihren Allzeithochs, die Euphorie ist verdampft, und aus „Wann Lambo?“ (Insider für “Wann bin ich durch meine Gewinne so reich, dass ich mir einen Lamborghini leisten kann?”) wird ganz schnell „War das ein Fehler?“.

Gerade für Investor:innen, die noch nicht mehrere Marktzyklen erlebt haben, fühlen sich solche Phasen existenziell an. Als würde gerade etwas kaputtgehen. Dabei passiert in Wahrheit etwas völlig Normales: Märkte bewegen sich.

Und genau hier entscheidet sich, wie professionell wir investieren. Denn die wichtigere Frage lautet nicht, warum der Markt fällt, sondern wie wir uns verhalten, wenn er es tut.

Wenn Emotionen investieren

Der erste Impuls ist fast immer Aktionismus. Verkaufen, sichern, retten, irgendetwas tun, damit das Minus verschwindet. Doch Vermögensaufbau ist kein Feueralarm, bei dem man panisch zum Ausgang rennt, sondern eher ein Langstreckenlauf, bei dem Zwischenzeiten wenig über das Endergebnis aussagen. Wer heute verkauft, weil es sich unangenehm anfühlt, trifft eine emotionale Entscheidung in einem Moment maximaler Unsicherheit. Und Emotionen sind selten gute Portfoliomanager.

Stattdessen lohnt sich ein nüchterner Blick auf die eigene Strategie. Hat sich an der ursprünglichen Investmentthese etwas Substanzielles verändert? Funktionieren die Netzwerke technisch noch? Entwickeln sich Nutzung, Infrastruktur und regulatorischer Rahmen weiter? Wenn die fundamentalen Annahmen weiterhin tragen, dann ist ein niedrigerer Kurs zunächst kein Drama, sondern eine Marktphase.

Lies auch:

Gerade in solchen Momenten zeigt sich die Stärke eines Sparplans. Wer regelmäßig einen festen Betrag investiert, muss nicht darüber rätseln, ob „jetzt der richtige Zeitpunkt“ ist, denn der richtige Zeitpunkt ist strukturell eingebaut. Fällt der Markt, kauft derselbe Betrag mehr Anteile. Steigt er, kauft er weniger. Dieser Mechanismus, bekannt als Cost-Average-Effekt, glättet nicht nur den Einstiegspreis über die Zeit, sondern vor allem die eigene Gefühlslage. Man wird von der Getriebenen zur Strategin.

Natürlich bedeutet das nicht, blind weiterzukaufen, egal was passiert. Ein Sparplan ersetzt keine Analyse, aber er ersetzt hektische Timing-Versuche, die erfahrungsgemäß mehr Nerven als Rendite kosten. Wer langfristig von der Technologie überzeugt ist, für den sind schwächere Kurse kein Weltuntergang, sondern Bestandteil des Zyklus. Märkte steigen nicht in gerader Linie, genauso wenig wie Karrieren oder Muskelaufbau. Alles, was wachsen soll, kennt Phasen der Konsolidierung.

Hilfreich ist es außerdem, die eigene Positionsgröße ehrlich zu prüfen. Wenn ein Kursrückgang schlaflose Nächte verursacht, ist nicht zwingend der Markt das Problem, sondern möglicherweise die Gewichtung im Portfolio. Risikomanagement ist keine Spielverderber-Disziplin, sondern das Fundament jeder Gelassenheit. Wer so investiert, dass auch ein deutlicher Rückgang verkraftbar bleibt, muss in turbulenten Phasen nicht reagieren, sondern darf beobachten.

Mach dich finanziell unabhängig - mit unserem Newsletter!

Foto Newsletter Daniela Meyer und Astrid Zehbe

Als DANKESCHÖN für deine NEWSLETTER-ANMELDUNG erhälst du

das finanzielle eMagazin mit Verona Pooth und unserem beliebten ETF-Entscheidungsbaum!

Warum sich gute Zeitpunkte selten gut anfühlen

Und dann ist da noch die unbequeme Wahrheit: Die attraktivsten Einstiegszeitpunkte fühlen sich selten gut an. Wenn die Stimmung kippt, Liquidität abnimmt und Skepsis überwiegt, ist das mediale Echo düster. Genau deshalb sind solche Phasen strategisch interessant. Wer ausschließlich investiert, wenn alles grün blinkt und Experten sich vor Euphorie überschlagen, kauft oft Bequemlichkeit statt Überzeugung.

Das bedeutet nicht, mutig ins fallende Messer zu greifen oder jede Korrektur als Geschenk zu romantisieren. Es bedeutet lediglich, zwischen Preis und Wert zu unterscheiden und den eigenen Zeithorizont ernst zu nehmen. Langfristiger Vermögensaufbau misst sich nicht an Wochen oder einzelnen Quartalen, sondern an Jahren.

Vielleicht ist jetzt also nicht der Moment, hektisch zu verkaufen oder nervös nach der nächsten Prognose zu suchen, sondern der Moment, den eigenen Plan noch einmal bewusst zu analysieren. Investiere ich strategisch oder reagiere ich auf Schlagzeilen? Habe ich eine Struktur oder nur Hoffnung?
Märkte werden sich auch künftig bewegen, manchmal elegant, manchmal schmerzhaft. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Bitcoin oder Ethereum heute unter ihrem Allzeithoch notieren. Die entscheidende Frage ist, ob wir unsere Strategie unter Druck beibehalten können und wollen.
Denn Vermögensaufbau entsteht nicht in Phasen maximaler Euphorie, sondern in der Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn andere unruhig werden. Und Gelassenheit ist am Ende eine der profitabelsten Eigenschaften, die eine Investorin besitzen kann.

"She goes Crypto": Die finanzielle-Kolumne 

Unsere Autorin Svenja Zitzer

Svenja hat internationale Fachjournalistik studiert und begeistert sich schon seit 2015 für Bitcoin & Co., immer auf der Spur von Zukunftstrends mit echtem Impact. Für finanzielle schreibt sie in Kooperation mit Bitcoin2Go die neue Kolumne „She goes Crypto“. Dabei erklärt sie die wichtigsten Coins und langfristige Strategien, wie man mit Kryptowährungen ein Vermögen aufbauen kann.  

Svenja Zitzer schreibt eine Krypto-Kolumne für finanzielle

Jetzt teilen:

Weiße Gitarre und eine weibliche Hand, die an einer Seite zupft

Was Erlebnisse wirklich wert sind

Konzerte, Stadionmomente, Reisen: Echte Highlights im Kalender gewinnen für viele an Bedeutung. Fabiana Mingrone erklärt, warum Service, Zeitersparnis und privilegierte Kontingente dabei zum eigentlichen Mehrwert werden.

Weiterlesen »
Karina Metzdorf auf einer pinken Grafik für ihre Kolumne "Pinkvestiert" auf finanzielle.de

Braucht dein Portfolio Gold?

Gold performt in Krisenzeiten. Doch wer es als Renditeturbo versteht, liegt falsch. Warum Gold im Portfolio vor allem Stabilität bringt, wie hoch du es gewichten solltest und welche Form steuerlich und strategisch Sinn ergibt.

Weiterlesen »
Ein junges Paar: Er nimmt ihren Kopf in seine Hände, beide sehen sich an und stehen vor einem grünen Blätterwerk

Gemeinschaftskonto oder Einzelkonto?

Immer mehr Paare entscheiden sich wieder für ein Gemeinschaftskonto. Was nach Pragmatismus klingt, ist eine weitreichende finanzielle Weichenstellung. Wir zeigen die Vor- und Nachteile – und worauf ihr unbedingt achten solltet.

Weiterlesen »
Junge Frau mit raspelkurzen blinden Haaren stützt die Stirn auf die Hand und hält die Augen geschlossen.

Zwischen Therapie und Alltag: Die finanziellen Folgen einer Krebserkrankung

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erhält im Laufe seines Lebens etwa jeder zweite Mensch in Deutschland eine Krebsdiagnose. Für die Betroffenen bedeutet das eine enorme körperliche und seelische Belastung. Weniger sichtbar, aber ebenfalls relevant sind die finanziellen Folgen: Zuzahlungen und private Ausgaben können sich im Verlauf der Behandlung spürbar summieren.

Weiterlesen »
Newsletter finanzielle
© Marcus Witte
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Vielen Dank für deine Anmeldung zu unserem finanzielle Newsletter. Deine Anmeldung war erfolgreich.

Mach dich finanziell unabhängig

 – mit unserem Newsletter! 

Als DANKESCHÖN für deine 

NEWSLETTER-ANMELDUNG erhältst du 

das finanzielle eMagazin mit Verona Pooth und unserem beliebten ETF-Entscheidungsbaum!