Der Druck ist hoch: Wer kleine Kinder hat, fürchtet den Anruf aus der Kita manchmal mehr als jede harte Deadline oder die Präsentation schlechter Zahlen vorm Vorstand. Sobald das Kind hustet, beginnt das familiäre Krisenmanagement: Smartphone raus, Kalender-Check! „Was hast du auf der Agenda?“
Natürlich steht das Kind an erster Stelle. Aber die Frage, wer bleibt zu Hause, stresst trotzdem. Denn gerade Kita-Kinder sind regelmäßig krank, und Ausfälle im Job kommen bei vielen Arbeitgebern nicht besonders gut an.
Dabei ist die Lage eigentlich klar geregelt: Gesetzlich versicherte Eltern haben Anspruch auf jeweils 15 Kinderkrankentage pro Jahr – pro Elternteil. Alleinerziehende dürfen 30 Tage in Anspruch nehmen. Voraussetzung: Das Kind ist unter zwölf Jahre alt, und ein ärztliches Attest liegt vor. Das Kinderkrankengeld beträgt in der Regel 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Eltern können es bei ihrer Krankenkasse beantragen – auch Eltern im Homeoffice. Doch wer kümmert sich schließlich um das kranke Kind? Die Antwort erstaunt nicht unbedingt.
Neue Zahlen zum Kinderkrankengeld: Frauen betreuen fast dreimal häufiger
Keine Veränderung in der Geschlechterverteilung
Die ungleiche Verteilung zwischen Frauen und Männern zeigt die Barmer-Analyse nicht nur bei den Anträgen auf Kinderkrankengeld, sondern auch bei den Zahltagen. Da hat sich im Verhältnis allerdings nicht so viel verändert: Im Jahr 2021 wurden insgesamt 1,33 Millionen Tage Kinderkrankengeld ausgezahlt. 975.000 davon entfielen auf Frauen, 355.000 auf Männer. Im Jahr 2022 lag die Gesamtzahl der Zahltage für die Leistung bei 1,22 Millionen, davon 920.000 für Frauen und 302.000 für Männer. Im Jahr 2023 wurden 890.000 Zahltage registriert, wobei Frauen davon 663.000 und Männer 227.000 Tage in Anspruch nahmen. Für das vergangene Jahr verzeichnete die Barmer bei ihren Versicherten 877.000 Zahltage, von denen 648.000 auf Frauen und 229.000 auf Männer entfielen.

"Dass Frauen das Kinderkrankengeld deutlich häufiger in Anspruch nehmen als Männer, spiegelt augenscheinlich die fortbestehende ungleiche Verteilung der familiären Betreuungsverantwortung wider."
Prof. Dr. med Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer Tweet
Die Daten spiegeln nicht nur die geschlechtsspezifische Verteilung der Betreuungsarbeit, sondern auch tief verwurzelte Erwartungen: Frauen leisten den Löwenanteil unbezahlter Care-Arbeit, oft zusätzlich zum Job – der sogenannte Gender-Care-Gap. Mütter arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen im Schnitt weniger und müssen öfter berufliche Pläne kurzfristig anpassen. Child Penalties nennen Soziolog:innen das: Mütter bezahlen für Familiensorge einen hohen Lohnverlust, der sich in Karrierechancen und Einkommen niederschlägt.
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