Die Niederländerin Anneloes van der Heijden war 36, Working Mom und Mutter von zwei kleinen Kindern, als sie 2006 kurzerhand ein Fashionlabel gründete. Nicht, weil sie schon immer als Designerin arbeiten wollte, sondern weil ihr im Alltag etwas fehlte: Kleidung, die gut aussah und jede Bewegung mitmachte. Eine Bluse, die nicht knittert, wenn man ein Kleinkind auf den Arm nimmt, eine Hose, die keine Falten an falschen Stellen wirft.
Rückblickend ist es fast erstaunlich, wie stark ihre Firma gewachsen ist. Laut Gründerin Anneloes habe es über viele Jahre praktisch kein Marketingbudget gegeben. Einfache Mundpropaganda war der Wachstumsmotor für das Label. Inzwischen kann man die Kollektionen von Studio Anneloes in über 300 Shops in den Niederlanden, Belgien und Deutschland kaufen.
Dennoch gab einen Moment, den Anneloes selbst als Gamechanger beschreibt. 2010 führte Studio Anneloes ein besonderes Material ein: den Travelstoff. Das Material ist knitterarm, schnelltrocknend, pillingresistent, pflegeleicht und atmungsaktiv. Für Gründerinnen ist das ein entscheidendes Learning: Wenn ein Produkt das Leben der Kundin spürbar besser macht, wird es Erfolg haben. Aber Anneloes hat noch weitere Lektionen für uns.
1. Löse ein Problem
Die beste Gründungsidee liegt manchmal direkt vor deiner Nase. Dich beschäftigt schon ewig ein Problem? Das ist dein Business Case! Geht es auch anderen so und steckt dahinter ein wiederkehrendes Bedürfnis vieler Menschen? Dann hast du nicht nur ein persönliches Anliegen gelöst, sondern den Kern eines echten Geschäftsmodells gefunden.
2. Lass andere für dich sprechen
Du musst nicht mit einem riesigen Marketingbudget oder einer ausgeklügelten Kampagne starten. Wenn du Menschen wirklich überzeugst, werden sie weitertragen, was funktioniert. Genau so wuchs Studio Anneloes über viele Jahre: über Frauen, die die Mode nicht nur hübsch, sondern auch bequem fanden und anderen davon erzählten.
3. Perfektioniere dein Produkt
„Unsere Passform ist so stark, dass mehr als 90 Prozent der Frauen, die eine unserer Hosen anprobieren, sie am Ende auch kaufen“, verrät Vera Schroo, Chief Creative Officer von Studio Anneloes. Wenn du startest, ist deine Idee vielleicht noch nicht perfekt. Lass sie andere testen, hol dir Feedback ein und arbeite an der Verbesserung. Am besten nicht nur im eigenen Freundeskreis, denn hier fallen die Reaktionen meist diplomatisch-positiv aus. Hast du ein digitales Produkt oder einen eigenen Shop entwickelt, kannst du zum Beispiel über Plattformen wie Testbirds oder UserTesting die User Experience deiner Site prüfen lassen und kannst so Hürden oder Fehler aufspüren.
4. Mach deine Kund:innen zu Fans
CEO Jurriaan van’t Hoff beschreibt seine Kundinnen nicht als Käuferinnen, sondern als Fans der Marke. Aber wie kommt man dahin?
Eine Idee für deine ersten Verkäufe: Schreib deinen Kund:innen nach dem Kauf persönlich: Wie trägt sich das Stück im Alltag? Gab es ein Kompliment dazu? Würde sie/er es einer Freundin empfehlen? Bitte zufriedene Käufer:innen aktiv um eine Bewertung, gib ihnen einen Empfehlungslink oder einen kleinen Code für Freund:innen. Zeig’ echte Fotos auf deinen Kanälen, nicht nur durchgestylte Kampagnenbilder.
5. Produziere, was wirklich gebraucht wird
Studio Anneloes war von Anfang an darauf ausgelegt, keine Ressourcen zu verschwenden. Das Prinzip kannst du ebenfalls für dich nutzen: Angebot und Nachfrage müssen möglichst genau zusammenpassen. Für Gründerinnen liegt die eigentliche Nachhaltigkeitsfrage also schon vor der ersten Produktionsentscheidung: Wieviel stelle ich her, bevor ich wirklich weiß, was gebraucht wird? Wer klein anfängt, kann das simpel umsetzen – etwa mit reduzierten Stückzahlen, Vorbestellungen oder Sample-Sales, statt direkt auf große Mengen zu setzen, nur weil das pro Einheit günstiger ist.









