Frau mit weißen halblangen Haaren um die 50 Jahre alt sieht zur Seite. Auf dem Kopf trägt sie eine grau-weiß gestreifte Strickmütze.
Maria Kovalets / Unsplash

Rente mit 55: Diese Summe brauchst du wirklich

Du träumst davon, mit Mitte 50 nicht mehr arbeiten zu müssen und dein Leben zu genießen? Klingt verlockend, aber: Wie realistisch ist das? Wir rechnen durch!

Nicht mehr arbeiten müssen? Für viele ein Traum

Während in der Politik aktuell diskutiert wird, dass wir immer mehr und immer länger arbeiten müssen, um den Wohlstand des Landes zu sichern, träumen immer mehr Menschen davon, vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Job auszusteigen. Keine Meetings mehr, keine Hierarchien, kein Stress am Montagmorgen. 

Wenn der Begriff Rente mit Mitte 50 noch befremdlich klingt, trifft es finanzielle Unabhängigkeit oft besser. Es geht nicht zwingend darum, nie wieder zu arbeiten. Es geht darum, nicht mehr arbeiten zu müssen.

Töpfern in der Toskana, ehrenamtlich im Tierheim helfen, Schulkindern vorlesen, einen Obstgarten anlegen: Es geht um die Freiheit, die eigene Lebenszeit selbst zu gestalten.

Warum sollte das so utopisch sein?  Schließlich klettern die Arbeitslosenzahlen aktuell auf Höchststände und wie sich die KI auf unsere Jobs auswirkt, ist unklar. Haben wir denn in den nächsten Jahren tatsächlich noch so viele Arbeitsplätze, um alle bis zum Alter von 70 Jahren zu beschäftigen?

Wer früher aufhören will zu arbeiten, muss länger von seinem eigenen Vermögen leben. Genau hier beginnt die eigentliche Rechnung. Es geht nicht nur darum, ein paar Jahre zu überbrücken. Es geht darum, Einkommen zu ersetzen, Risiken abzufedern und Kaufkraft über Jahrzehnte zu sichern.

Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob eine Rente mit 55 möglich ist. Sondern: Wie hoch muss dein Kapital sein, damit es realistisch funktioniert?

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Wer mit 55 aufhört zu arbeiten, muss bis zum regulären Rentenbeginn mehrere Jahre vollständig aus eigenem Vermögen bestreiten. In Deutschland liegt die Regelaltersgrenze derzeit bei 67 Jahren. Das sind zwölf Jahre ohne gesetzliche Rente.

Hinzu kommt: Die gesetzliche Rente fällt geringer aus, wenn du früher aufhörst zu arbeiten. Es fehlen Beitragsjahre. Gleichzeitig beginnt die Rentenzahlung später. Du brauchst also nicht nur Kapital für die Übergangszeit, sondern auch zusätzliches Vermögen, um die lebenslange Rentenlücke zu schließen.

Ein weiterer Faktor ist die Krankenversicherung. Wer vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheidet, zahlt Beiträge selbst. Diese orientieren sich am Einkommen beziehungsweise an den Kapitalerträgen. Das reduziert die verfügbare Nettoauszahlung aus deinem Vermögen.

Auch Steuern spielen eine Rolle. Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungsteuer. Bei Entnahmen aus Depots oder Immobilien können weitere steuerliche Effekte entstehen. Das Netto ist entscheidend, nicht die Bruttoerwartung.

Die Inflation darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. Eine monatliche Zielsumme von heute verliert über 20 oder 30 Jahre deutlich an Kaufkraft. Dein Kapital muss also nicht nur Erträge liefern, sondern reale Wertsteigerung ermöglichen.

Schließlich ist die Lebenserwartung zu berücksichtigen. Wer mit 55 aussteigt, plant möglicherweise 30 oder 35 Jahre Ruhestand. Dein Vermögen muss diese Zeit tragen, ohne dass du es zu schnell aufbrauchst.

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Rechenbeispiel

 
Angenommen, du möchtest ab 55 monatlich 2.500 Euro netto zur Verfügung haben. Das entspricht 30.000 Euro im Jahr.

Bis zum gesetzlichen Rentenbeginn mit 67 musst du zwölf Jahre vollständig selbst finanzieren. Für diese Phase benötigst du rund 360.000 Euro, ohne Inflation und ohne Renditeannahmen.

Ab 67 erhältst du beispielsweise eine gesetzliche Rente von 1.300 Euro im Monat. Deine verbleibende Lücke beträgt 1.200 Euro monatlich oder 14.400 Euro im Jahr.

Um diese Differenz langfristig aus Kapitalerträgen zu decken, kannst du mit einer vorsichtigen Entnahmeregel von rund vier Prozent rechnen. Das bedeutet, du benötigst zusätzlich etwa 360.000 Euro Vermögen, um diese Lücke dauerhaft zu finanzieren.

Insgesamt läge dein Kapitalbedarf damit bei rund 720.000 Euro. Je nach Rendite, Inflation, Steuerbelastung und Sicherheitsmarge kann die erforderliche Summe auch deutlich höher ausfallen.

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Die spätere Alternative


Klingt unrealistisch? Tatsächlich ist das nur für die wenigsten machbar. Hältst du hingegen weitere fünf Jahre durch, würde das Rechenbeispiel so aussehen: Wer nicht mit 55, sondern mit 60 aussteigen möchte, verkürzt die eigenständig zu finanzierende Phase deutlich. Bis zum regulären Rentenbeginn mit 67 sind es in diesem Fall sieben Jahre.

Angenommen, du benötigst 2.500 Euro netto im Monat, also 30.000 Euro im Jahr. Für die sieben Überbrückungsjahre wären rund 210.000 Euro erforderlich, sofern man konservativ ohne Rendite rechnet.

Erhältst du ab 67 eine gesetzliche Rente von beispielsweise 1.300 Euro im Monat, bleibt eine monatliche Lücke von 1.200 Euro. Um diese dauerhaft aus Kapitalerträgen zu finanzieren, benötigst du bei einer vorsichtigen Entnahmeregel von etwa vier Prozent rund 360.000 Euro zusätzliches Vermögen.

In Summe läge der Kapitalbedarf damit bei etwa 570.000 Euro. Je nach Inflation, Steuern, Sicherheitsreserve und tatsächlicher Rendite kann diese Summe höher ausfallen.

Im Vergleich zur finanziellen Unabhängigkeit ab 55 reduziert sich das erforderliche Kapital spürbar.Jedes zusätzliche Erwerbsjahr ab 60 reduziert den notwendigen Kapitalbedarf spürbar. In unserem Beispiel senkt ein weiteres Arbeitsjahr die erforderliche Summe rechnerisch um rund 30.000 Euro, weil sich die Phase ohne gesetzliche Rente verkürzt. Tatsächlich fällt der Effekt meist noch größer aus, da weiterhin Rentenansprüche aufgebaut werden und das vorhandene Vermögen länger investiert bleibt.

Ein Trost ist der gesundheitliche Benefit eines längeren Arbeitslebens: Studien legen nahe, dass anspruchsvolle berufliche Tätigkeiten und ein längerer Verbleib im Arbeitsmarkt mit einem geringeren Risiko für kognitiven Abbau und Demenz verbunden sind, weil sie helfen, die sogenannte kognitive Reserve zu stärken.

Die aktuelle Diskussion


Expertenkommissionen befassen sich gerade mit Reformoptionen, weil das umlagefinanzierte Rentensystem durch den demografischen Wandel unter Druck gerät. Wenn immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner:innen aufkommen müssen, gerät das Gleichgewicht aus Beiträgen und Auszahlungen ins Wanken. Ohne Anpassungen drohen entweder höhere Beiträge, steigende Steuerzuschüsse oder ein sinkendes Rentenniveau.

Diskutiert wird unter anderem, wie hoch Abschläge künftig ausfallen sollen, wenn der Renteneintritt deutlich vor einem späteren Referenzalter liegt. In diesem Zusammenhang wird auch über ein mögliches Renteneintrittsalter von 70 Jahren als langfristige Bezugsgröße gesprochen.

Parallel dazu sollen längere Erwerbsbiografien attraktiver werden. Wer über das reguläre Rentenalter hinaus arbeitet, soll finanziell stärker profitieren. In der politischen Debatte ist von „sehr großzügigen“ Anreizen die Rede, um freiwilliges Weiterarbeiten über 70 hinaus zu fördern.

Für unsere Rechnung „Rente ab 55“ bedeutet das: Ein früher Ausstieg aus dem Erwerbsleben wird tendenziell kostspieliger, wenn Abschläge steigen oder Bezugszeiten sich verändern. Zweitens gewinnt jedes zusätzliche Erwerbsjahr finanziell an Gewicht. Wer länger arbeitet, stärkt nicht nur sein eigenes Vermögen, sondern verbessert auch seine gesetzlichen Rentenansprüche.

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