Seine Relevanz ist zumindest theoretisch unumstritten: Der Internationale Frauentag wird weltweit gefeiert. Bei uns hat er es sogar in einigen Bundesländern in die Riege der Feiertage geschafft. Am 8. März 2026 feiern wir den 116. Weltfrauentag. Grund genug, sich die Geschichte des Frauentags einmal genauer anzuschauen und seine Bedeutung für unsere heutige Zeit auf den Prüfstand zu stellen. Denn was haben wir eigentlich konkret vom Internationalen Frauentag?
Motto des Weltfrauentags 2026
Für den Weltfrauentag am 8. März 2026 wurde ein global ausgerichtetes Motto der Vereinten Nationen gewählt: „Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls“. Es fordert, dass Frauen und Mädchen überall auf der Welt nicht nur gleiche Rechte erhalten, sondern diese auch tatsächlich durchsetzen können. Aktuell bestehen immer noch Ungleichheiten in Rechtssystem, Sicherheit und wirtschaftliche Chancen. Die Vereinten Nationen nutzen den Weltfrauentag deshalb bewusst als Plattform, um strukturelle Barrieren sichtbar zu machen und zu konkretem Handeln aufzurufen, etwa bei diskriminierenden Gesetzen, mangelnder Rechtsdurchsetzung oder der Ungleichheit im Zugang zu Ressourcen. So schreibt die UN zum Internationalen Frauentag 2026:
- In keinem einzigen Land der Welt verfügen Frauen und Mädchen über den gleichberechtigten Zugang zur Justiz.
- Weltweit verfügen Frauen nur über 64 % der gesetzlichen Rechte, die Männern zustehen.
- 54 % der Länder haben keine auf Einwilligung basierende gesetzliche Definition von Vergewaltigung.
Die Geschichte des Internationalen Frauentags
Seine Wurzeln hat der Weltfrauentag in der Arbeitnehmerinnenbewegung im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Unter menschenunwürdigen Umständen mussten Frauen am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Fabriken arbeiten. Der Weltfrauentag geht zurück auf den 8. März 1908. Damals starben bei einem schrecklichen Brand in einer amerikanischen Fabrik 129 Arbeiterinnen. Drei Jahre später wurde der erste Weltfrauentag begangen, um an das furchtbare Unglück zu erinnern und mehr Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen zu fordern.
- 1909 benannte man den ersten nationalen Frauentag in den Vereinigten Staaten.
- 1910 wurde anlässlich der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen beschlossen, einen jährlichen Internationalen Frauentag einzuführen. Die Forderung stammte von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin. Ziel sollte sein, Ausbeutung und Unterdrückung zu beenden, die Gleichberechtigung der Frauen voranzutreiben und das Wahl- und Stimmrecht zu erkämpfen.
- 1921 wurde der Internationale Frauentag erstmals am 8. März – zur Erinnerung an die Fabrikarbeiterinnen, die beim Brand ums Leben gekommen waren – begangen.
- In Deutschland wurde der Frauentag im Nationalsozialismus verboten und stattdessen der Muttertag eingeführt, um die Bestimmung der Frau als Hausfrau und Mutter in den Fokus zu stellen.
- In den Sechzigerjahren wurde der Internationale Frauentag wiederbelebt und gilt bis heute als Symbol für Gleichberechtigung und Frauenrechte.
- 1975 verkündeten die Vereinten Nationen den 8. März zum Weltfrauentag.
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Bedeutung des Weltfrauentags
Gerade weil wir gefühlt in Sachen Gleichberechtigung langsam vorankommen, fragen wir uns vielleicht manchmal, welche Bedeutung der Weltfrauentag wirklich (noch) hat. Besonders, wenn uns statistische Erhebungen wie der Gender Pay Gap und der Gender Pension Gap klar machen, wie weit wir in der Realität noch von der finanziellen Gleichstellung der Geschlechter entfernt sind. Schauen wir auf den Equal Pay Day, sind wir immerhin ein wenig positiver gestimmt: Von 2024 auf 2025 verringerte sich die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen um 16 Prozent, nachdem sie jahrelang bei 18 Prozent lag. In diesem Jahr ist der Equal Pay Day also schon am 27. Februar statt wie im letzten Jahr am 7. März 2025.
Es geht in Mini-Schritten voran. Erinnern wir uns an einige Errungenschaften, die durch großes Engagement in den letzten Jahrzehnten politisch erzielt werden konnten.
- Reform des Familienrechts
- Recht auf Arbeit ohne Zustimmung des Ehemanns
- Reform des Namensrechts
- Reform des Scheidungsrechts
- Gesetz zur Sicherung des Unterhalts von Kindern alleinstehender Mütter
- Gleichbehandlungsgesetz
- Die Fristenregelung (straffreier Schwangerschaftsabbruch während der ersten 12 Wochen)
- Verbesserte Mutterschutzbestimmungen
- Elterngeld
- Elternzeit, auch für Väter
- Vergewaltigung in der Ehe wird unter Strafe gestellt
- Verfassungsmäßige Gleichstellung der Geschlechter
- Benachteiligungsverbot bei Klage wegen sexueller Belästigung und Schadenersatz, wenn Unternehmen Belästigungen nicht verhindern
- Einführung der Frauenquote: Bis Ende 2025 muss in den Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mindestens eine Frau sitzen, wenn dieser Vorstand mehr als drei Mitglieder hat.
Weltfrauentag 2026– wo ist er offizieller Feiertag?
In dutzenden Staaten ist der 8. März sogar gesetzlicher Feiertag, unter anderem in Angola, Uganda und der Ukraine. In Deutschland haben Arbeitnehmer:innen nur in zwei Bundesländern frei: in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Was passiert an diesem Tag? In Kundgebungen und Demos machen Tausende auf die Rechte der Frauen aufmerksam, Missstände werden thematisiert, wir ziehen Bilanz, welche Erfolge bezüglich der Geschlechtergleichstellung im vergangenen Jahr erzielt wurden. An diesem Tag ergreifen aber auch viele Menschen und Organisationen die Gelegenheit, Frauen zu würdigen und Danke zu sagen. Ob Kampagnen auf Social Media oder die berühmte Rose im Supermarkt – am 8. März wird die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt gerückt.
Welche Blume symbolisiert den Weltfrauentag?
Du möchtest einer Frau, die du bewunderst, eine Blume schenken? Wie wäre es mit einer Nelke als Zeichen deiner Unterstützung und Dankbarkeit? Bei den Demonstrationen in den 1910er-Jahren gingen Frauen mit einer Nelke im Revers auf die Straße, um für ihr Wahlrecht zu demonstrieren. Heute ist die Nelke am 8. März ein Symbol für Dankbarkeit und Wertschätzung.
Pink Marketing? Warum der Internationale Frauentag von der Werbung genutzt wird
Wie immer gibt es zwei Seiten: Einerseits ist es wichtig, dass weltweit agierende Konzerne in Kampagnen auf die Rechte der Frauen und den Weltfrauentag aufmerksam machen wollen, andererseits wird der Weltfrauentag zur Marketing-Maschine: „20 % Rabatt mit dem Code Weltfrauentag“ – das lesen wir jetzt überall. Schön, dass man uns was Gutes tun will, aber profitieren am Ende nicht die Firmen vom Frauentags-Rabatt-Spektakel? Dennoch: Nutzen die Konzerne einen Teil ihres Gewinns, um internationale Frauenrechtsorganisationen zu unterstützen, ist das auch ein Schritt, der helfen kann.
Bedrückend: Die Situation weltweit
Gerade die politische Lage hat die Situation der Frauen in der Ukraine, im Iran und in Afghanistan noch einmal verschärft. Gewalt und Verbrechen gegen Frauen sind an der Tagesordnung, die Diskriminierung ist in einigen Ländern tief verwurzelt. Eine Hoffnung auf Freiheit und Verbesserungen in naher Zukunft gibt es kaum. Kriege und Konflikte, aber auch der Klimawandel verschlechtern die Situation zunehmend. Organisationen wie Amnesty International und die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte machen deshalb besonders am Weltfrauentag darauf aufmerksam. UNICEF betonte im vergangenen Jahr zum Weltfrauentag aber auch die Mangelernährung von Frauen in Entwicklungsländern, die sich seit 2020 dramatisch verschlechtert hat. Die Folgen der Unterernährung von heranwachsenden Mädchen und Frauen sind fatal und wirken sich über Jahrzehnte aus.
Finanzielle Gewalt gegen Frauen
Auf dieses Thema, das uns besonders am Herzen liegt, wollen wir zum Weltfrauentag aufmerksam machen: Finanzielle Gewalt gegen Frauen ist auch in Deutschland ein Machtinstrument, gegen das wir uns wehren müssen. Frauen sind häufig davon betroffen, denn durch ein geringeres Einkommen und Teilzeitarbeit verdienen sie meist weniger als Männer. Das kann dazu führen, dass in Beziehungen Geld zum Druckmittel wird. Finanzielle Gewalt meint, dass ein unterdrückender Partner seiner Partnerin den eigenständigen Zugang zu den Finanzen verwehrt. Konkret heißt das „Geld entziehen“, „Ausgaben kontrollieren“ und „Ausgaben kommentieren“. Betroffene haben keinen umfassenden Zugang zu Bankkonten, stehen beim Erwerb von Immobilien nicht mit im Grundbuch, können keine Altersvorsorge betreiben und häufig werden im Falle einer Trennung auch keine Unterhaltszahlungen geleistet. Opfer finanzieller Gewalt können sich zum Beispiel an den Weißen Ring wenden.

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