Der Weg zum Erfolg: Von 50 Mark zum Weltstar
finanzielle: Anna Maria, lass uns ganz am Anfang starten. Was du machst und wie du so dahin gekommen bist, erzähl uns von deinem Weg.
Anna Maria Kaufmann: Ich bin in Kanada geboren und aufgewachsen. Meinen Weg nach Deutschland habe ich durch meine Vorfahren gefunden, mein Vater kam ursprünglich von hier. Ich wollte unbedingt die Sprache lernen. Eigentlich war es ein bisschen wie bei Cinderella: Ich hatte das Gefühl, ich müsse mich in Deutschland erst finden. Auf dieser Suche habe ich mich in diesem wunderschönen Land tatsächlich selbst entdeckt. Ich bin so dankbar, dass ich als junger Mensch diese Chance hatte und hier so liebevoll aufgenommen wurde. Nicht, dass man in Kanada keine Träume erfüllen könnte, aber in mir drin brannte dieser tiefe Wunsch, für den ich schwer gekämpft habe.
Am Anfang hatte ich fast gar kein Geld. Meine Eltern haben mir zwar immer eine kleine Summe geschickt, damit ich überleben konnte, aber mein erster Weg führte mich als Au pair hierher. Ich kam aus Montreal, habe den Job aber nur etwa einen Monat gemacht, weil ich sofort an die Universität wollte, um Deutsch zu lernen. Dort fand ich einen Berater, der mir sehr geholfen hat, meinen Weg zu finden. Ich habe schon immer gesungen, aber manchmal verläuft ein Weg eben nicht geradeaus. Ich wurde von zu Hause aus nicht direkt in dieses Studium geleitet, es wurde mir nicht alles bezahlt. In Alberta, wo ich ursprünglich herkam, gab es damals einfach nicht so viele Möglichkeiten. Erst in Deutschland hatte ich das Gefühl, wirklich aufgehoben zu sein. Mein Glaube hat mich dabei immer gestützt, auch in Momenten, in denen ich sehr einsam war.
Wie ging es dann weiter, als du dich für den künstlerischen Weg entschieden hast?
Ich bin von dort an den Tegernsee gezogen, in eine der schönsten Gegenden Deutschlands. Dort habe ich eine Hotelfachschule besucht. Das war ein wichtiger Ort für mich, an dem ich tiefe Freundschaften geschlossen habe, die bis heute halten. Ich habe dort viel gelernt, von der Küche über den Haushalt bis hin zu BWL. Aber das Entscheidende passierte direkt bei meiner Ankunft: Ich fragte sofort, wo ich singen könne. Ich stellte mich einem Lehrer vor, der eine Band leitete, und er engagierte mich vom Fleck weg. Plötzlich stand ich auf der Bühne und habe Leute unterhalten, und zwar gegen Bezahlung! In diesem Moment wusste ich: Das bin ich.
Von da an konnte mich nichts mehr aufhalten. Ich habe Musik studiert, Tanz, Ballett und Schauspiel belegt. In Deutschland gibt es für Künstler so viel mehr Möglichkeiten als woanders, so viele Opernhäuser und Theater. Ich habe sogar BAföG bekommen, was eine riesige Unterstützung war. Als ich meine Eltern anrief und sagte: „Ich bin Sängerin und ich gehe diesen Weg“, waren sie erst geschockt, weil beide Akademiker sind. Aber mein Vater sagte schließlich: „Okay, wir helfen, soweit es geht.“
Es gab Zeiten, da hatte ich nur 50 Mark im Monat zum Essen zur Verfügung. Ich konnte nicht viel sparen, aber ich kam irgendwie immer zurecht. Später bin ich nach München gegangen, habe bei der großen Kammersängerin Claire Watson studiert und in der Oper gejobbt, in der Statisterie oder im Extrachor. Und dann kam der große Durchbruch mit dem „Phantom der Oper“.
Das „Phantom der Oper“ hat alles verändert. Wie hast du diesen Moment erlebt?
Ich bin mit dem Zug nach Hamburg gefahren, um vorzusingen. Ich dachte mir: „Ja, es ist ein Musical, aber es ist stimmlich sehr klassisch.“ Ich habe die Arie der Adele aus der „Fledermaus“ gesungen. Nach mehreren Runden stand ich schließlich vor Hal Prince, einem der berühmtesten Regisseure aus New York. Er sagte zu mir: „Gib alles, was in dir ist, übertreibe, gib einfach alles!“ Einen Tag später kam der Anruf: „Du bist unsere Christine.“ Dieser Moment hat mein Leben verändert. Mein Phantom war Peter Hofmann, der damals größte Star überhaupt. Wir hatten einen unglaublichen Erfolg, die CD wurde 2,5 Millionen Mal verkauft. Von da an ging es steil bergauf, aber ich habe trotzdem bis heute immer weiter an mir gearbeitet.
Der Erfolg wurde dir also nicht geschenkt, du hast hart dafür gekämpft. Als die großen Gagen kamen: Hattest du da das Bedürfnis, dich erst mal zu belohnen, oder hast du sofort an die Zukunft gedacht und Geld angelegt?
Zuerst habe ich so viel gearbeitet, dass ich kaum Zeit hatte, darüber nachzudenken. Aber ich hatte eine sehr gute Managerin, die mich beraten hat, Geld anzulegen, was ich dann auch getan habe. Da meine Wurzeln in Kanada liegen, habe ich dort ebenfalls investiert und mir etwas aufgebaut, das ist für mich eine wichtige Sicherheit. Ich habe zwar gut verdient, aber vielleicht nicht so astronomisch viel wie manch andere Stars. Es gibt Menschen, die verdienen wenig und schaffen es trotzdem, immer etwas zur Seite zu legen. Diese Disziplin bewundere ich sehr, denn das ist ehrlich gesagt nicht unbedingt meine größte Stärke. Aber ich habe dennoch immer konsequent gespart und mir eine solide Basis geschaffen. Ich lerne in diesem Bereich auch heute noch ständig dazu.
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Viele denken, dass Stars im Geld schwimmen. Aber nach Steuern, Provisionen, Reisekosten und dem Druck, immer perfekt aussehen zu müssen, bleibt oft viel weniger übrig. Hattest du da am Anfang andere Erwartungen?
In der künstlerischen Branche gibt es oft Highs, aber auch Durststrecken. Wie planst du für Zeiten, in denen es weniger Aufträge gibt? Hast du ein zweites Standbein?
Mein Ziel ist es, solange ich lebe, immer weiter zu singen und zu üben. Ich mache sogar weiterhin Ballett. Manchmal habe ich monatelang keinen Job, und dann kommen plötzlich drei Anfragen auf einmal oder eine Tournee mit 30 Konzerten. Darauf muss ich vorbereitet sein. Diese Disziplin gibt mir psychisch sehr viel Kraft. Ich habe gemerkt, dass ich mit Stresssituationen extrem gut umgehen kann, in denen andere vielleicht aufgeben würden. Was das Finanzielle angeht: Dadurch, dass ich klug investiert habe, reicht es aus, um die Zeiten zwischen den Engagements gut zu überbrücken. Es geht sich aus.
Wie sieht es mit deiner Absicherung aus? Bist du in der Künstlersozialkasse versichert?
Ja, ich habe immer konsequent in die Rente eingezahlt. Ich bin in der Künstlersozialkasse und in der Bayerischen Versorgungskammer. Irgendwann werde ich dort eine gute Summe erhalten. Ich bin extrem dankbar für das soziale System in Deutschland. Wenn ich höre, dass Kollegen in Amerika 250.000 Dollar Schulden für ihr Studium aufnehmen müssen, die sie jahrelang mühsam zurückzahlen, da kann man hier wirklich nur dankbar sein.
Was würdest du jungen Künstler:innen heute in Bezug auf ihren Wert und ihr Geld raten?
Man muss seinen eigenen Wert kennen und darf sich niemals unter Wert verkaufen. Aber man muss auch bereit sein, hart an sich zu arbeiten und diszipliniert zu bleiben. Und ganz wichtig: Sei dankbar für das, was du hast, und geh vernünftig mit deinem Geld um. Man braucht keinen Luxus, um glücklich zu sein, denn die wahre Erfüllung liegt in der Kunst und in der eigenen inneren Stärke.









