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Frauen sind eine der größten wirtschaftlichen Kräfte unserer Zeit. Sie gründen Unternehmen, treffen einen Großteil der Konsumentscheidungen und tragen weltweit erheblich zum Wirtschaftswachstum bei. Gleichzeitig haben Millionen Frauen noch immer schlechteren Zugang zu Kapital, Finanzdienstleistungen und unternehmerischen Chancen als Männer.
Genau hier setzt ein Investmentansatz an, der in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: Gender Lens Investing.
Anders als viele klassische Nachhaltigkeitsstrategien betrachtet Gender Lens Investing die Rolle von Frauen nicht nur unter sozialen Gesichtspunkten. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, welche wirtschaftlichen Chancen entstehen, wenn Frauen stärker in die Wirtschaft eingebunden werden.
Die Idee dahinter ist einfach: Wenn die Hälfte der Weltbevölkerung ihr Potenzial nicht vollständig entfalten kann, bleibt Wachstumspotenzial aus.
Gleichberechtigung gibt es doch schon? Von wegen!
Die Weltbank kommt zu dem Ergebnis, dass der Abbau wirtschaftlicher und rechtlicher Barrieren für Frauen potenziell das globale Bruttoinlandsprodukt um 20 % steigern könnte. Dennoch verfügen Frauen weltweit noch immer über weniger wirtschaftliche Möglichkeiten als Männer – sei es beim Zugang zum Arbeitsmarkt, bei Unternehmensgründungen oder bei Finanzdienstleistungen.
Die wirtschaftlichen Folgen ungleicher Chancen reichen weit über die Situation einzelner Frauen hinaus. Die Ökonomin Linda Scott beschreibt in ihrem Buch The Cost of Sexism, dass die Benachteiligung von Frauen nicht nur soziale Ungleichheit verfestigt, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten verursacht. Bleibt Frauen der Zugang zu Bildung, Eigentum, Kapital oder Unternehmertum verwehrt, gehen Produktivität, Innovation und Wachstum verloren.
Die Kosten ungenutzten Potenzials
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Gezielt in Frauen investieren
Aus dieser Perspektive ist Gender Lens Investing weit mehr als ein Instrument zur Förderung von Chancengleichheit. Kapital wird gezielt in Unternehmen und Finanzinstitutionen gelenkt, die Frauen bessere wirtschaftliche Perspektiven eröffnen und damit Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum schaffen. Dazu zeigen zahlreiche Studien, dass finanzielle Mittel in den Händen von Frauen eine besondere Wirkung entfalten können.
Denn Frauen verwenden zusätzliches Einkommen häufig anders als Männer. Frauen investieren einen größeren Anteil ihres Einkommens in Ernährung, Bildung und Gesundheit ihrer Kinder sowie in die Lebensbedingungen ihrer Haushalte. Die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen wirkt sich deshalb häufig weit über die einzelne Unternehmerin aus. Wenn Frauen wirtschaftliche Chancen erhalten, profitieren regelmäßig ganze Gemeinschaften.
Für Investor:innen eröffnet sich daraus eine spannende Perspektive. Denn Geschlechtergerechtigkeit wird nicht nur als gesellschaftliches Ziel verstanden, sondern auch als langfristiger Wachstumstreiber.
Gender Lens Investing kann dabei unterschiedliche Formen annehmen. Investiert wird beispielsweise in Unternehmen mit hoher Frauenrepräsentanz in Führungspositionen, in Geschäftsmodelle, die gezielt die Bedürfnisse von Frauen adressieren, oder in Finanzinstitutionen, die Frauen wirtschaftlich stärken.
Kapital mit Wirkung: Wie Mikrofinanz den Unternehmergeist von Frauen weckt
Ein besonders anschauliches Beispiel für Gender Lens Investing sind Mikrofinanzfonds. Sie ermöglichen Anleger:innen, durch die Vergabe von Krediten an Mikrofinanzinstitute eine Rendite zu erwirtschaften und gleichzeitig die wirtschaftliche Stärkung von Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu fördern. Dieses Modell vereint finanzielle Gewinne mit sozialer Wirkung und fördert gezielt finanzielle Inklusion.
Wie überall auf der Welt verfügen auch Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern über Unternehmergeist, Geschäftsideen und lokale Marktkenntnisse.
Doch bleibt der Zugang zu Finanzdienstleistungen für Frauen in diesen Regionen eine der größten Hürden auf dem Weg in die wirtschaftliche Selbstständigkeit. Wer im informellen Sektor arbeitet, über kein regelmäßiges Einkommen verfügt oder keine banküblichen Sicherheiten nachweisen kann, hat bei klassischen Banken häufig kaum Chancen auf eine Finanzierung.
Mikrofinanzinstitutionen können diese Lücke teilweise schließen. Sie ermöglichen Frauen Zugang zu Krediten, Sparprodukten und weiteren Finanzdienstleistungen und schaffen damit die Grundlage für finanzielle Selbstbestimmung.
Wie groß dieser Hebel sein kann, zeigt Indonesien. Das Land gehört zu den bedeutendsten Mikrofinanzmärkten weltweit. Frauen sind dort wirtschaftlich aktiv, arbeiten jedoch häufig im informellen Sektor und haben erschwerten Zugang zu klassischen Finanzierungen. Institutionen wie z.B. das Mikrofinanzinstitut MBK Ventura erreichen Millionen selbstständige Frauen und ermöglichen ihnen den Zugang zu Kapital, Weiterbildung und finanzieller Teilhabe.









