Was sind Stablecoins?
Stablecoins sind digitale Währungen, deren Wert an stabile Vermögenswerte wie den US-Dollar oder Euro gekoppelt ist. Sie wurden erstmals 2014 eingeführt und sind seit etwa 2018 weit verbreitet. Heute werden Stablecoins weltweit für Transaktionen im Wert von mehreren Billionen US-Dollar pro Jahr genutzt. Besonders in Ländern mit instabilen Währungen dienen sie als digitaler Ersatz für den US-Dollar und ermöglichen schnelle, günstige Überweisungen – rund um die Uhr, ohne Bank oder Bürokratie. Das enorme Wachstum zieht Medienaufmerksamkeit auf sich. Finanzexpert:innen warnen vor der wachsenden Bedeutung der Stablecoins. Laut den wichtigsten Notenbanken der Welt droht schlimmstenfalls eine Zersplitterung des Geldes mit massiven Vermögensverlusten.
- Stablecoins wie USDT, USDC oder DAI sind an den Dollar gekoppelt (1 Coin ≈ 1 USD).
- Ihr Zweck ist nicht, im Wert zu steigen, sondern stabil zu bleiben.
- Man nutzt sie eher wie ein digitales Dollar-Konto: für Überweisungen, als Zwischenparker bei Handel, zur Absicherung gegen Volatilität.
Warum sind Stablecoins wichtig?
In vielen Ländern ist es schwierig, legal US-Dollar zu besitzen oder US-Dollar-Konten zu eröffnen. Stablecoins bieten hier eine einfache Lösung: Sie können per Smartphone gekauft, gespeichert und verschickt werden. Das macht sie besonders attraktiv für Menschen ohne Zugang zum traditionellen Bankensystem. Stablecoins sind 24/7 verfügbar, unabhängig von Banken. Man kann sie einfach über eine Wallet-App verschicken, ohne Zahlungsdienstleister, Bank, Freigaben oder Bürokratie. Das dauert nur wenige Sekunden. Wo Währungen stark an Wert verlieren (z. B. Venezuela, Argentinien), sinkt die Kaufkraft des Geldes.Wer Stablecoins hält, “parkt” seine Finanzen faktisch in US-Dollar. So bleiben Ersparnisse stabiler.
Man nutzt Stablecoins als Dollarersatz, weil sie:
- leicht zugänglich,
- global übertragbar,
- relativ stabil,
- inflationgeschützt,
- und programmierbar sind.
Deshalb nennt man sie auch „Internet-Dollar“. Ein Stablecoin sollte ungefähr einen US-amerikanischen Dollar abbilden. Tatsächlich schwanken die Preise leicht (um Bruchteile von Cents). Bei Krisen oder Zweifeln können sie aber auch stärker abweichen.
Nicht jeder Stablecoin deckt denselben Basiswert. So gibt es auch Euro-Stablecoin von Tether (EURT) oder einen Gold-gebundenen Tether (XAUT).
Lies auch:

Bitcoin für alle: Wird Krypto zum Mainstream?
Krypto ist immer noch der Megatrend der Investmentwelt – und stark umstritten. Sollten Anleger:innen wirklich auf den Hype aufspringen?
Welche Stablecoins gibt es?
Inzwischen gibt es Hunderte Stablecoins, aber nur einige sind wirklich groß oder relevant.
Diese sind am weitesten verbreitet:
Tether (USDT): Der größte Stablecoin nach Marktkapitalisierung. Gedeckt durch USD-ähnliche Reserven (Bargeld, Anleihen). Auf vielen Blockchains verfügbar (Ethereum, Tron, Solana usw.). Der Wert von Tether (USDT) schwankt, aber ungefähr handelt es sich dabei um 0,998–1,002 USD.
USD Coin (USDC): Herausgegeben von Circle & Coinbase (Centre Consortium). Vorteil: sehr transparent, regelmäßige Audit-Berichte. Besonders beliebt bei US-Institutionen.
TrueUSD (TUSD): Ebenfalls 1:1 durch USD-Konten gedeckt. Nachweis der Reserven durch Drittprüfer.
Pax Dollar (USDP, früher Paxos Standard): Reguliert im Staat New York. Voll besichert.
Binance USD (BUSD): Von Binance zusammen mit Paxos herausgegeben. Ausgabe inzwischen gestoppt (läuft aus), aber noch im Umlauf.
Diese Stablecoins basieren auf Banken oder speziellen Plattformen:
PayPal USD (PYUSD): Von PayPal herausgegeben. Gedeckt durch USD-Reserven.
JPM Coin: Interner Stablecoin der JPMorgan Bank (nur für institutionelle Kund:innen).
Warum sind Stablecoins gerade so heiß diskutiert?
Donald Trump stand Kryptowährungen lange skeptisch gegenüber („I am not a fan of Bitcoin and other Cryptocurrencies, which are not money“). Inzwischen hat sich das geändert. Der im US-Senat bereits verabschiedete GENIUS Act zielt darauf ab, Stablecoins rasch zu regulieren und sie in das bestehende Finanzsystem zu integrieren. Dahinter stecken offenbar auch eigene Interessen: Trumps Unternehmen World Liberty Financial hat mit USD1 einen eigenen Stablecoin lanciert. Innerhalb kürzester Zeit erreichte er eine Spitzenposition unter den Stablecoins. Kritiker:innen werfen ihm vor, seine Position zu seinem wirtschaftlichen Vorteil auszunutzen.
Wie sicher sind Stablecoins?
Guthaben auf einem Tages- oder Festgeldkonto sind durch die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert. Bei Stablecoins hingegen fehlt bislang eine umfassende Regulierung, die einen vergleichbaren Schutz bieten würde. Auch wenn Stablecoins den Anspruch erheben, wertstabil zu sein, gelten sie nicht als sicher.
Diese Risiken können zumindest teilweise verringert werden, indem Stablecoins nur über seriöse Anbieter erworben und sie in einer sicheren Wallet verwahrt werden. Ein vertrauenswürdiger Herausgeber und eine sorgfältig gewählte Verwahrungslösung tragen dazu bei, mögliche Verluste zu vermeiden.
Keine echte Stabilität
Die Befürchtungen, dass Stablecoins eine Gefahr für die Finanzstablilität sein könnten, teilen viele Analyst:innen. Die Zentralbanken sehen Stablecoins als potenzielles Risiko fürs Finanzsystem. So sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde 2024 bei einer Pressekonferenz:
„Stablecoins sind keine stabilen Gelder. Sie können jederzeit ihre Bindung verlieren und damit eine Kettenreaktion auslösen.“
Wenn viele Anleger:innen gleichzeitig “aussteigen”, droht ein Bank-Run-ähnlicher Kollaps, der Märkte ansteckt. Das passierte schon 2022 bei TerraUSD – innerhalb von Tagen fiel der Kurs von ~1 USD auf wenige Cents.
Lies auch:

Die wichtigsten Begriffe für Kryptoinvestments
Keine Ahnung von Krypto? Jetzt schon! Wir erklären die wichtigsten Begriffe für Kryptoinvestments und erklären dir was Coins, Kyprofonds und Kryptoaktien sind!
Angst vor Verlust der Währungssouveränität
Stablecoins sind längst mehr als ein Nischenprodukt für Kryptohändler. Sie entwickeln sich in vielen Schwellenländern zu einer faktischen Parallelwährung – mit tiefgreifenden Folgen für die Stabilität ganzer Volkswirtschaften.
Zentralbanken kritisieren, dass Stablecoins die nationale Währungspolitik schwächen können. Beispiel: In der Türkei oder Argentinien nutzen Menschen Tether als Dollarersatz, um der Inflation zu entkommen. Die Menschen trauen ihrer eigenen Währung nicht mehr und suchen eine Möglichkeit, Kaufkraft zu retten. So sinkt die Nachfrage nach der Landeswährung, was den Abwertungsdruck verschärft.
Die Zentralbank muss mehr Reserven aufwenden, um den Wechselkurs zu stabilisieren. Außerdem wächst die Angst vor einer Kapitalflucht: In Argentinien gibt es strikte Kapitalverkehrskontrollen (man darf nur begrenzt Dollar kaufen). Mit Tether kann man diese Regel leicht umgehen. Zudem stehen Stablecoins in der Kritik, weil sie Geldwäsche erleichtern können.
Die digitale Flucht in den US-Dollar entzieht Zentralbanken systematisch den Boden ihrer Geldpolitik. Zinsen, Mindestreserven, regulatorische Vorgaben – all das verliert an Wirkung, wenn sich große Teile der Zahlungsströme in eine Schattenwelt verlagern, die in Echtzeit und weitgehend unreguliert operiert.
Wenn USDT alltägliches Zahlungsmittel wird, verlieren nationale Währungen mit weniger Kaufkraft faktisch ihre Rolle als Tausch- und Recheneinheit.
Die Regierung kann weniger Steuereinnahmen kontrollieren (weil Transaktionen anonym oder schwer nachverfolgbar sind). Auch das Vertrauen in staatliche Institutionen sinkt weiter.
Lies mehr zum Thema Kryptowährungen:
Was ist Bitcoin?
Bitcoin-Halving: Was passiert da und wann ist das nächste?
Die Zukunft der Stablecoins
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zieht aus der rasant wachsenden Bedeutung von Stablecoins eine unmissverständliche Konsequenz: Digitale Privatwährungen sind keine tragfähige Grundlage für ein stabiles Finanzsystem. Stattdessen sprechen sich die Ökonomen klar für digitales Zentralbankgeld aus – als verlässliche, staatlich kontrollierte Alternative.
Basis dieses Ansatzes ist der sogenannte „Unified Ledger“, eine zentrale, programmierbare Plattform, auf der Zentralbankgeld, Geschäftsbankengeld und Staatsanleihen in einem einheitlichen System gebucht und abgewickelt werden können. Die BIZ sieht darin nicht weniger als die technologische Blaupause für die nächste Evolutionsstufe des Finanzwesens. Digitale Zentralbankwährungen sollen Effizienz und Innovation fördern, ohne die Risiken eines zersplitterten Stablecoin-Marktes einzugehen, der sich jeder staatlichen Steuerung weitgehend entzieht.
Stablecoins hingegen sollen nach Vorstellung der BIZ künftig allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen – etwa als Brückenwährung im Krypto-Ökosystem, aber nicht als tragende Säule der Geldordnung. Selbst mit umfassender Regulierung bleiben zu viele Unwägbarkeiten: Intransparenz der Reserven, mögliche Liquiditätsengpässe, ein permanentes Vertrauensrisiko und die potenzielle Fragmentierung von Zahlungsströmen.