Sichtbarkeit ist kein Zufall – sie ist eine Entscheidung. Kathi Wörndl, Kommunikations-Beraterin & CMO bei StoryMachine New Classic, hilft vor allem auch weiblichen Führungskräften, diese Entscheidung bewusst zu treffen. Mit feinem Gespür für Wirkung und Persönlichkeit zeigt die gebürtige Salzburgerin, die seit 20 Jahren auch als Moderatorin auf der Bühne und vor der Kamera steht, wie Frauen im Business nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden. Ob im Meeting-Raum der Vorstands-Etage oder einem Podiums-Panel. Im Interview verrät Kathi, wie Frauen ihre eigene Stimme finden, Hindernisse überwinden und im Business authentisch strahlen können – ohne sich zu verbiegen.
Frauen werden immer schon dafür kritisiert, wenn sie „zu laut“ sind und schon als Kinder dazu erzogen bescheiden und ruhig zu sein. Wie hast du deine Stimme gefunden?
Sollten Frauen insgesamt ruhig mal lauter sein – laut reden, laut lachen, sich einmischen?
Aber ja. Laut sein heißt, sich Raum zu nehmen. Wenn wir immer nur leise sind, hören uns nur die, die ohnehin genau hinhören. Laut heißt hörbar – und: sichtbar. Und ja, manchmal gehört es dazu, sich Raum zu nehmen, auch wenn man dafür ein bisschen über die Komfortgrenze muss. Viele Frauen neigen dazu, sich in Meetings oder Gesprächen zu entschuldigen, ihre Aussagen abzuschwächen oder ihre Erfolge weniger stark zu betonen oder gar nicht zu erwähnen. Auch die Tonlage spielt eine Rolle – eine höhere, unsichere Stimme wird leider oft weniger mit Autorität verbunden. Zudem unterbrechen Frauen seltener andere Personen und vermeiden Konfrontation. Später zu Hause ärgern sie sich dann oft über sich selbst. Und daran arbeiten wird.
Wichtiger Punkt. Viele Frauen zweifeln ja trotz guter Leistungen an sich selbst – das sogenannte Imposter-Syndrom. Kennst du das Gefühl? Und wenn ja: Was hilft dir in solchen Momenten?
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Gab es in deiner Karriere Momente, in denen du dich innerlich total unsicher gefühlt hast – aber trotzdem souverän wirken musstest? Wie bist du damit umgegangen bzw. wie ist es dir gelungen?
Oh ja! Ich durfte einmal sehr spontan die internationale Red Carpet Show der Laureus World Sports Awards in Monaco moderieren – auf Englisch, und ehrlich gesagt: nicht so vorbereitet, wie ich es gerne gewesen wäre. Und dann stand da plötzlich zwischen all den Sport-Weltstars wohlgemerkt Fürst Albert vor mir. Da muss dir erstmal einfallen, wie man ihn korrekt nach Protokoll anspricht. Im Endeffekt war genau das Spontane und nicht Perfekte das, was die Zuschauer gefeiert haben. Mein Learning: Eine gute Vorbereitung ist das Fundament – aber die Kunst liegt im charmanten Reagieren. Ich empfehle immer: Kenne dein Thema, überlege dir, warum die Zuschauer dir zuhören sollten und spiele das einmal vor dem Spiegel durch ,damit du Sicherheit hast. Aber lerne niemals Sätze auswendig, sondern setze darauf, dass du dich auf dich verlassen kannst. Lache. Freue dich und versuche immer dabei mitzubekommen, was im Raum gerade passiert, damit du darauf eingehen kannst. Mein schlimmstes Lampenfieber habe ich übrigens beim Elternabend im Kindergarten – wenn ich im viel zu kleinen Sesselkreis meine Tochter vorstellen soll. Als 3-fache Mami habe ich da schon oft geschwitzt. True story.
"Eine gute Vorbereitung ist das Fundament – aber die Kunst liegt im charmanten Reagieren."
Kathi Wörndl Tweet
Ob bei der TV-Moderation oder auf großen Events – wie bereitest du dich mental auf Auftritte vor, bei denen du weißt: Jetzt darf ich mir keine Unsicherheit anmerken lassen?
Ich atme alles weg. Klingt total banal – ist aber mein stärkstes Tool. Drei bewusste Atemzüge: durch die Nase ein, durch den Mund aus. Dann gehe ich meine ersten drei Sätze im Kopf durch – die sind meine sichere Bank. Und ab da lasse ich los. Mein persönlicher Tipp: Immer den Anfang gut vorbereiten – danach übernimmt die Intuition. Der Start entscheidet über deine innere Sicherheit. Und: Ich schwöre auf „gut“ Schuhe. Die geben mir nicht nur Standfestigkeit, sondern auch Haltung – im doppelten Sinne.
Heute bist du nicht nur Moderatorin, sondern auch CMO bei StoryMachine New Classic. Ist Souveränität in einer Führungsrolle nochmal anders gefordert als vor der Kamera?
Auf der Bühne und im TV zählt der Moment. Im Office ist dagegen Souveränität eher ein Langstreckenlauf. Da geht es um Beziehungen – zum Team, zu Kunden, zum Chef. Du bist nicht nur Kommunikatorin, sondern auch Möglichmacherin, manchmal auch Übersetzerin zwischen Ziel, Anspruch & Realität. Souveränität heißt hier: Entscheidungen treffen – auch in Unsicherheit. Zuhören – besonders zwischen den Zeilen. Klarheit – um dem Kunden ein guter Wegweiser zu sein. Vertrauen – um jeden Einzelnen im Team jeden Tag aufs Neue zu empowern. Führung verlangt weniger den perfekten Auftritt – sondern eher das ehrliche Gespräch, die klare Haltung und die Fähigkeit, auch in stressigen Momenten Orientierung zu geben. Oder anders: Auf der Bühne führst du durch Präsenz und Leidenschaft – im Unternehmen durch Präsenz, Leidenschaft, Wertschätzung und Perspektive.
Du musstest als Beraterin in kritischen Situationen ruhig bleiben. Wie hast du gelernt, in solchen Momenten bei dir zu bleiben und Haltung zu zeigen?
Ich liebe diesen Job, weil wir großartige Persönlichkeiten und tolle Unternehmen kommunikativ begleiten dürfen, aber hin und wieder sind es eben auch Momente, die für sie emotional herausfordernd sind. Dann ist es unsere Aufgabe, den klaren Blick von außen zu behalten. Und dieser Fokus und die Verantwortung gibt mir Stabilität. Haltung entsteht nicht spontan – sie ist das Resultat vieler Erfahrungen, Bege
Hast du bestimmte Rituale, Routinen oder Tools, die dir helfen, in stressigen Momenten Ruhe und Präsenz auszustrahlen – zum Beispiel vor einem Live-Auftritt oder wichtigen Gespräch?
Drei Dinge: das richtige Setting, die Kraft von positiven Gedanken – und auf dem Weg zum Termin Lieblingsmusik voll aufgedreht. Wenn dich ein Auftritt, eine Situation stresst, dann versuche sie schon im Vorfeld vom Setting her so zu gestalten, dass sie so angenehm wie möglich ist : Ziehe das an, was dich gut fühlen lässt, mach vorher das, was dich entspannt, vielleicht ist eine befreundete Kollegin dabei, die dir ein gutes Gefühl gibt oder telefoniere vorher mit deinen Liebsten. Versuche den ganzen Tag daran zu glauben, dass das gleich richtig Spaß machen wird: Gedanken sind wie ein GPS: Wenn du dich innerlich auf Erfolg einstellst, wird dein Fokus automatisch dorthin gelenkt.
Wie wichtig ist es, sich ab und an mit Gleichgesinnten zu treffen? Wie wichtig sind solche Circles für dich?
Extrem wichtig. Du bist der Durchschnitt der fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst. Und das merkt man. Gute Netzwerke inspirieren, reflektieren, empowern. Und dazu kommt der Austausch mit Menschen, die ähnliche Fragen stellen, ähnliche Zweifel haben, ähnliche Wege gehen – das ist wie emotionaler Espresso.
Gab es in deinem Leben einen Moment, in dem du gemerkt hast: Ich muss nicht perfekt sein, um stark zu wirken?
Oh ja. Als ich auf der Bühne den Namen einer Speakerin verwechselt habe – und danach einfach sagte: „Sehen Sie, wir machen Fehler. Aber wenigstens live.“ Das Lachen war befreiender als jeder perfekt gesprochene Satz. Seitdem weiß ich: Perfektion ist glatt, aber auch kalt. Authentizität berührt. Und genau da liegt wahre Stärke.
Was würdest du jungen Frauen raten, die viel zu sagen haben – aber sich oft nicht trauen, ihre Stimme zu erheben?
Sprich trotzdem. Gerade dann. Deine Stimme ist ein Muskel – und du trainierst ihn durchs Benutzen. Fang im Kleinen an – im Teammeeting, in einer Präsentation, in einer Story auf Social Media. Und dann erweitere deinen Kreis. Du musst nicht gleich brüllen – ein klarer Satz reicht. Aber sag ihn. Und denk dran: Mut ist nicht, keine Angst zu haben. Mut ist, zu sprechen, obwohl die Stimme zittert. Und wer weiß – vielleicht zittert sie irgendwann nur noch vor Begeisterung.