Michael Köckritz lehnt an der Wand
Ralf Koch

Warum sind hochwertige Magazine gerade jetzt wieder relevant, Michael Köckritz?

Je schneller Inhalte werden, desto größer wird der Wunsch nach Beständigkeit. Michael Köckritz reagiert darauf mit einer klaren Entscheidung: Print statt Scrollen, Tiefe statt Reichweite, Haltung statt Beliebigkeit.

Wert, Luxus und die Kraft von Haltung

Was ist heute eigentlich noch wirklich wertvoll? In einer Welt, in der alles jederzeit verfügbar ist, wird genau das immer schwerer zu beantworten. Produkte werden schneller, Inhalte lauter, Entscheidungen kurzfristiger. Gleichzeitig wächst die Sehnsucht nach Dingen, die bleiben – nach Qualität, Haltung und Beständigkeit.

Viele Frauen wissen sehr genau, was sie leisten. Und trotzdem fällt es oft schwer, den eigenen Wert klar zu benennen – sei es im Job, bei finanziellen Entscheidungen oder wenn es um die eigene Positionierung geht. Vielleicht, weil wir gelernt haben, uns zu vergleichen. Vielleicht, weil Lautstärke häufig mit Bedeutung verwechselt wird.

Michael Köckritz hat sich als Medienunternehmer und Geschäftsführer von ramp.space früh bewusst gegen Masse und für Tiefe entschieden. Statt auf Reichweite setzt er auf kuratierte Inhalte, hochwertige Printmagazine und eine klare Haltung.

Mit uns spricht er über seinen Weg vom Medizinstudium in die Kreativwelt, über den Unterschied zwischen teuer und wertvoll, über Luxus jenseits von Statussymbolen und darüber, warum Beständigkeit für Marken, Medien und persönliche Entscheidungen heute wichtiger ist denn je.

Vor all den Fragen nach Wert, Haltung und Beständigkeit steht bei Michael Köckritz eine sehr persönliche Entscheidung: der bewusste Bruch mit einem sicheren, klassischen Karriereweg und der Schritt in eine kreative, unternehmerische Selbstständigkeit. Ein Weg, der alles andere als selbstverständlich war.

finanzielle: Michael, du hast Medizin studiert und dich dann sehr bewusst entschieden, diesen Weg nicht weiterzugehen. Stattdessen bist du in die Medienwelt gewechselt, hast Magazine gegründet, Geschichten erzählt, Marken aufgebaut. Wie kam es zu diesem Richtungswechsel und wie sicher oder unsicher hat sich diese Entscheidung damals für dich angefühlt?

Michael Köckritz: Eigentlich wollte ich schon mit 14 oder 15 Filmemacher werden. Ich wollte Regisseur sein. Ich komme aber aus einem sehr konservativen Elternhaus, und mit diesem Berufswunsch konnten meine Eltern wenig anfangen. Medizin erschien mir als sinnvoller, sicherer Weg – ich mochte Naturwissenschaften und fand den Arztberuf spannend. Nach dem Studium hatte ein Freund von mir eine Autozeitschrift, Autofocus. Das war ein früher Versuch, ein Premium-Automagazin zu machen. Er brauchte dringend jemanden, der schreiben konnte, weil ich früher Chefredakteur der Schülerzeitung der Tübinger Gymnasien war. Ich hatte drei Monate Zeit, bevor es in der Klinik losgehen sollte und habe zugesagt, Ich bin da sehr unbedarft reingegangen – heute schüttelt es mich, wie naiv ich damals war, aber ich hatte unglaublich viel Freude. Nach drei Monaten habe ich meinen Professor angerufen und gefragt, ob ich ein halbes Jahr später anfangen könne. Ich dachte damals noch: Ich habe ja eine sichere Zukunft, ich kann jederzeit zurück in die Klinik. Aus dem halben Jahr wurde mehr. Ich habe Anzeigen verkauft, PR gemacht, geschrieben, irgendwann war ich Anzeigenleiter. Ich bin hängen geblieben. Später wurde ich Gesellschafter, habe eine Agentur gegründet und irgendwann war klar, dass ich diesen Weg weitergehe. Rückblickend war das keine strategische Entscheidung, sondern eher ein mutiges Sich-Trauen.

Deine Eltern waren mit diesem Schritt damals erst einmal alles andere als glücklich. Gab es trotzdem einen Moment, in dem du selbst gespürt hast: Das ist die richtige Entscheidung – auch wenn sie nach außen unsicher wirkt?

Natürlich war das für meine Eltern erst einmal schwer. Vor allem für meine Mutter. Sie wollten Sicherheit für mich. Aber als sie gesehen haben, dass ich das ernsthaft, strukturiert und mit Verantwortung mache, hat sich das gelegt. Ich habe die Entscheidung nie bereut. Medizin hat mir viel mitgegeben – vor allem den Blick auf den Menschen. Das hilft mir bis heute, weil ich mich als Geschichtenerzähler eigentlich immer mit Menschen beschäftige und damit, wie sie sich fühlen.

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Du hast erwähnt, dass dich an der Medizin immer der Mensch fasziniert hat. Wenn man dir heute zuhört, klingt vieles davon in deiner Arbeit weiter. Siehst du da selbst eine Verbindung?

Ja, absolut. Ich wollte Orthopäde und Sportmediziner werden, das hat mich interessiert, weil es sehr nah am Menschen ist, die Fit und Gesund für eine gute Leistungsfähigkeit sein wollen. Eines meiner Lieblingsfächer war aber auch Psychiatrie und Psychologie. Diese Auseinandersetzung mit dem Menschen hat mich immer gereizt und das zieht sich bis heute durch das, was ich tue. Als Geschichtenerzähler beschäftige ich mich im Kern immer mit Menschen. Ich will Situationen schaffen, in denen man sich wohlfühlt, in denen ein gutes Gefühl entsteht. Das klingt vielleicht ein bisschen naiv, aber genau das treibt mich an.

Wir erleben gerade eine Zeit, in der immer mehr Inhalte über Video, Social Media und schnelle Formate konsumiert werden. Gleichzeitig scheinen hochwertige Printmagazine wieder an Bedeutung zu gewinnen. Warum kommen wir deiner Meinung nach von Print nicht los – gerade jetzt?

Gerade, weil diese digitale Welt so massiv, so gegenwärtig und zugleich so beliebig geworden ist. Wenn du ein Magazin oder ein Buch realisierst kuratierst du Themen. Das Medium selbst wird zu einer Persönlichkeit, zu einer Medienmarke mit Charakter, Haltung und Werten. Ein Magazin liegt vor dir, es gehört dir. Und wir nehmen Inhalte anders auf, wenn wir sie in der Hand halten, als wenn wir sie mit Distanz am Bildschirm konsumieren. Das weiß ich auch aus der Medizin: Es sind andere Hirnregionen beteiligt – gerade jene, die für Erinnerung und Nachhaltigkeit wichtig sind. Am Bildschirm bist du immer nur einen Klick vom nächsten Thema entfernt. Beim Magazin hast du Aufmerksamkeit, Tiefe, Konzentration. Es gehört Dir, ist plötzlich ein reales Ding in deinem Leben. Im Idealfall blätterst und liest du immer wieder einmal gerne darin, du lebst etwas mit ihm.
Michael Köckritz
Michael Köckritz: Medienunternehmer, Journalist und Marken- und Kommunikationsberater

Storytelling und Fotografie spielen in deinen Magazinen eine zentrale Rolle. Was macht für dich eine wirklich gute Geschichte aus?

Eine gute Geschichte muss erst einmal neugierig machen. Das beginnt bei der Headline, beim Bild, beim Kontext, in dem sie wahrgenommen wird. Der Leser muss hineingezogen werden und die Qualität der Geschichte spüren – über Sprache, über Perspektiven, über Zugänge. Im Kern folgt jede gute Geschichte einem klassischen Prinzip: Es gibt einen Helden, eine Aufgabe, eine Herausforderung und eine Lösung. Diese Heldengeschichte kann auf ganz unterschiedlichen Ebenen passieren, aber diese Dramaturgie ist immer da.

Du sprichst oft von einem positiven Blick auf das Leben. Auch das zieht sich durch deine Magazine. Welche Rolle spielt diese Haltung für dich?

Ich möchte ein positives Bild auf das Leben vermitteln. Nicht naiv, sondern mit einer offenen, lebensbejahenden Grundhaltung. Die Welt ist wunderbar – trotz aller Herausforderungen. Deshalb ist zum Beispiel unser Automagazin ramp auch weniger ein klassisches Technikmagazin. Das Auto ist dort eher eine Metapher für Autonomie und Freiheit. Du bist unterwegs, entdeckst Kultur, Menschen, Orte. Das Auto ist Teil dieser Idee von Freiheit und nicht der Selbstzweck.

Deine Magazine werden oft als Luxusobjekte wahrgenommen. Wenn wir den Begriff einmal von Statussymbolen lösen: Was bedeutet Luxus für dich persönlich?

Luxus ist etwas sehr Persönliches. Wenn man es anthropologisch betrachtet, bewerten wir jedes Objekt, jede Situation, ob wir wollen oder nicht. Wir ordnen instinktiv ein, ob etwas für und gut ist oder nicht. Und Luxus ist etwas, was uns einfach guttut. Dabei ist Luxus keine Eigenschaft von Dingen oder Handlungen, sondern eine sehr persönliche, ästhetische Erfahrung. Luxus als Phänomen im spezifisch phänomenologischen Sinne des Wortes wird Etwas, das für jemanden ist. Zweckrationalismus und Effizienzdiktat sind dabei ganz weit außen vor. Außerdem spielen drei Dinge eine Rolle: Ich bin es wert. Ich kann es mir leisten. Ich gehöre dazu. Das kann eine Rolex sein, wenn jemand damit etwas verbindet. Es kann aber genauso gut ein Kaffee sein, wenn du entscheidest: Ich nehme mir jetzt diese Zeit, ich bin selbstbestimmt. Für mich ist dieses Gefühl von Autonomie extrem wichtig. Dass man selbst entscheidet, was man tut. Das kann materiell sein, muss es aber nicht.

Wie würdest du den Unterschied zwischen „teuer“ und „wertvoll“ beschreiben?

Teuer ist erst einmal nur der Preis, meist im Vergleich zu etwas anderem. Wert hingegen entsteht durch Eigenschaften und durch das, was du persönlich damit verbindest. Nehmen wir wieder das Beispiel Rolex: Für viele ist sie teuer, obwohl es deutlich teurere Uhren gibt. Aber sie steht für Qualität, für Wertstabilität und für eine klare Idee – nämlich funktionale, hochwertige Uhren zu bauen. Dieser Sinn, diese Haltung, das macht den Wert aus. Bei meinen Magazinen ist es ähnlich. Es geht um Ernsthaftigkeit. Du spürst das Gewicht, die Papierqualität, die Veredelung. Du siehst die Qualität der Bilder, liest Texte von Autoren, die sich Mühe geben. Diese handwerkliche und inhaltliche Qualität macht das Produkt wertvoll und im besten Fall inspirierend.
The Ramp Space im Dorotheen Quartier in Stuttgart: Man sieht einen gelben Tisch mit rosafarbigen Panton-Chairs von Vitra
The Ramp Space im Dorotheen Quartier in Stuttgart

Im Dorotheen-Quartier in Stuttgart hat Michael mit „the ramp space“ einen ganz besonderen Ort geschaffen: Hier gibt es ramp Mags & Coffee mit hochwertigen Printtiteln, Fine Arts und Book Editions, ramp Fashion & Capsule Collections sowie sorgfältig ausgewählte Produkte, eine neuartige Eventreihe, ramp Talks und Live-Redaktionskonferenzen.

Du hast mit deinen Magazinen genau das Gegenteil von dem gemacht, was viele Medienhäuser versuchen: keine Masse, keine maximale Reichweite, sondern eine sehr klare Nische. War dir dieses Risiko von Anfang an bewusst?

Eigentlich war die Idee ganz simpel: Ich wollte Magazine machen, die mir und meinen Freunden fehlen. Ich habe mir gesagt: Ich mache einfach mal vier Hefte so, wie ich glaube, dass man sie machen sollte. Ich habe dabei überhaupt nicht an Luxus gedacht. Es ging mir darum, Themen zu kuratieren, die uns interessieren, und sie in einer wertigen, ansprechenden Form zu erzählen – wie eine Art Freundeskreis-Zeitung.
Wir hätten gar nicht das Geld gehabt, in die Breite zu gehen. Also war diese Überlegung auch gar nicht da. Erst später habe ich realisiert, dass es eine kleine Nische ist, in der das funktionieren kann. Und erstaunlicherweise wurden wir von Anfang an als sehr eigenständig wahrgenommen. Zum Beispiel, weil die FAZ früh über jede Ausgabe geschrieben hat. Da wurde klar: Der Anspruch wird erkannt.

Du beschreibst Markenentwicklung sehr stark über Sinn und Haltung. Wie entsteht aus einer Idee eine Marke, die wirkt, ohne laut oder beliebig zu sein?

Man kann alles über Marktforschung planen oder man geht es mit einer gewissen Naivität an. Ich habe einfach das gemacht, was mir wichtig ist, und geschaut, ob es bei den Menschen funktioniert, die ich erreichen will.
So entsteht eine Persönlichkeit. In meinem Fall auch eine Art Autorenschaft, weil ich als Kreativer die Dinge präge – von den Inhalten über das Design bis hin zur Kommunikation. Irgendwann merkst du: Ich bin selbst eine Marke und muss mit mir genauso achtsam umgehen wie mit meinen Kunden. Wichtig ist, dass dir die Sache wirklich wichtig ist und dass du nicht von Anfang an daran denkst, damit möglichst viel Geld zu verdienen. Viele Dinge, die ich gemacht habe, haben übrigens auch nicht funktioniert. Das gehört dazu.

Glaubst du, dass sich hochwertige Printmagazine in den kommenden Jahren noch stärker zu Luxusgütern entwickeln werden?

Ich glaube, dass hochwertige Printmagazine als Luxusmagazine durchaus eine Berechtigung haben. Entscheidend ist aber immer das Konzept, die Persönlichkeit des Heftes und die Art der Positionierung. Es gibt viele teuer gemachte Magazine, die inhaltlich eher flach sind. Das funktioniert nicht nachhaltig. Es muss stimmig sein – inhaltlich, ästhetisch und in der Haltung. Wenn das gegeben ist, sehe ich auf jeden Fall Chancen.

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Wir leben in einer Zeit, in der vieles schnelllebig und unsicher wirkt. Welche Rolle spielt Beständigkeit für dich – im Konsum, in Medien, aber auch in unternehmerischen Entscheidungen?

Beständigkeit beginnt für mich bei der eigenen Persönlichkeit: zu wissen, wer man ist, was einen antreibt und welche Ziele man verfolgt. Diese innere Klarheit überträgt sich dann auf das, was man tut. Für meine Magazine bedeutet das, dass ich an Wirksamkeit, an Inspiration und an ästhetischen Qualitäten festhalte – auch wenn sich der Markt verändert. Ich versuche nicht, jedem Trend hinterherzulaufen. Im Idealfall setzt man selbst Akzente. Gerade in der Markenstrategie sehe ich oft die Gefahr, dass Unternehmen sich effekthascherisch anbiedern. Dann geht der Markenkern verloren und damit das Vertrauen. Familienunternehmen oder inhabergeführte Marken haben hier oft einen Vorteil, weil sie dieses innere Zielbild stärker verinnerlicht haben.

Wenn du nach vorne blickst: Welche Visionen oder Projekte möchtest du weiter ausbauen?

Mir ist wichtig, dass die Idee von ramp langfristig funktioniert, auch über meine eigene Person hinaus. Ich versuche, das Unternehmen so aufzustellen, dass es für die nächste Generation tragfähig ist. Die werden vieles anders machen, und das ist auch richtig. Aber die Idee soll bleiben.
Wir merken gerade auch, wie groß das Interesse an realen Erlebnissen ist. Unsere Pop-ups und die Table Talks zeigen, wie sehr Menschen echten Austausch suchen, gerade weil digitale Inhalte und KI immer beliebiger werden.

Zum Schluss: Wenn du all das zusammenfasst: Wert, Haltung, Beständigkeit – was würdest du Menschen raten, die heute etwas Eigenes aufbauen wollen?

Dass ihnen die Sache wirklich wichtig sein muss. Und dass sie nicht von Anfang an darauf schielen sollten, möglichst viel Geld zu verdienen. Man muss sich trauen, Dinge auszuprobieren und auch auf die Gefahr hin, dass sie nicht funktionieren. Wenn etwas Sinn ergibt, wenn es verinnerlicht ist und eine echte Bedeutung hat, dann kann daraus etwas Tragfähiges entstehen. Und wenn nicht, dann macht man etwas anderes. Das gehört dazu.

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