Frau mit Locken starrt auf einen Geldschein
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Sind Geldmarkt-ETFs eine Alternative zum Tagesgeldkonto?

Geldmarkt-ETFs gelten als mögliche Lösung für alle, die ihr Geld flexibel parken möchten. Wir erklären Vor- und Nachteile der Anlage und ob sie tatsächlich so risikoarm ist.

Ein Tagesgeldkonto eröffnen wir meist dann, wenn wir über unsere Rücklagen kurzfristig verfügen wollen und uns zumindest eine kleine Verzinsung wünschen. Seit ein paar Jahren ist dieser Benefit allerdings  begrenzt. Noch vor zwei, drei Jahren lagen die Aktionszeiträume bei 6 Monaten, inzwischen haben die Banken sie meist auf 3-4 Monate reduziert. Die Zinssätze für Tagesgeldkonten liegen aktuell etwa bei 2,5-3 Prozent. Nach dem Aktionszeitraum sinken sie jedoch häufig auf einen Basiszins von nur rund 0,3 bis 1,5 Prozent. Will man die besten Konditionen abfischen, bleibt meist nur eine Option: Tagesgeldhopping. Man springt von einer Bank zur nächsten, um die Zinsoptionen zu nutzen. Wer das dreimal hinter sich hat, merkt allerdings gewisse Ermüdungserscheinungen. Natürlich ist ein Kontenwechsel – also die Eröffnung eines neuen Kontos, die Kündigung des alten, die Überweisung der Beträge – auch immer mit Aufwand verbunden. Außerdem muss man die Zeiträume immer im Blick behalten, an die einen die Banken nicht erinnern. Könnte da ein Geldmarkt-ETF eine Alternative sein?

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Wie funktioniert ein Geldmarkt-ETF überhaupt?

Anders als ein klassischer Aktien-ETF investiert er nicht in Unternehmensanteile, sondern bildet die Entwicklung sehr kurzfristiger Zinssätze ab. In der Eurozone orientieren sich viele dieser Produkte am sogenannten €STR-Satz, dem Euro Short-Term Rate. Dieser Zinssatz zeigt, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander über Nacht Geld leihen. Er liegt damit sehr nah am Leitzins der Europäischen Zentralbank und reagiert entsprechend schnell auf geldpolitische Veränderungen.

Ein Geldmarkt-ETF versucht, diese kurzfristigen Zinsen möglichst exakt nachzubilden. Das geschieht in der Praxis meist über sehr sichere, kurzfristige Anleihen oder über spezielle Finanzkontrakte, sogenannte Swaps. Für Anleger:innen bedeutet das: Die Wertentwicklung folgt im Kern dem aktuellen Geldmarktzins, abzüglich einer kleinen Kostenquote des Fonds.

Was ist der Unterschied zum Tagesgeldkonto?

Der entscheidende Unterschied zum Tagesgeldkonto liegt also weniger in der Höhe der Verzinsung als in der Mechanik. Beim Tagesgeld bestimmt die Bank den Zinssatz und kann ihn jederzeit verändern. Die aktuell attraktiven Angebote gelten häufig nur für Neukund:innen und nur für einen begrenzten Zeitraum. Danach sinkt der Zinssatz oft deutlich. Beim Geldmarkt-ETF hingegen orientiert sich die Rendite kontinuierlich am Marktzinssatz. Es gibt keine Aktionszeiträume und keinen Neukundenbonus, der nach wenigen Monaten ausläuft.

Vor- und Nachteile eines Geldmarkt-ETFs

In Phasen stabiler oder steigender Zinsen kann das ein Vorteil sein. Anlegerinnen müssen nicht ständig die Angebote verschiedener Banken vergleichen oder ihr Geld umschichten. Der Fonds passt sich automatisch an das aktuelle Zinsniveau an. Steigt der Leitzins der Europäischen Zentralbank, erhöht sich in der Regel auch der Geldmarktzins und damit die erwartbare Rendite des ETFs.

Ganz ohne Unterschiede zum Tagesgeld ist die Sache allerdings nicht. Ein Geldmarkt-ETF ist ein Wertpapier. Man kauft und verkauft ihn über ein Depot an der Börse. Damit verbunden sind kleine Schwankungen im Kurs. Sie fallen meist sehr gering aus, weil die zugrunde liegenden Anlagen extrem kurzfristig sind, ganz ausgeschlossen sind sie aber nicht. Ein Tagesgeldkonto dagegen kennt keine Kursschwankungen. Der Kontostand verändert sich nur durch Zinsgutschriften oder eigene Überweisungen.

Auch bei der Sicherheit gibt es einen strukturellen Unterschied. Tagesgeld unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person und Bank. Bei einem ETF greift diese Sicherung nicht. Stattdessen handelt es sich um sogenanntes Sondervermögen. Das bedeutet, dass das Fondsvermögen getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt wird. Selbst im Fall einer Insolvenz der Gesellschaft gehört das Geld weiterhin den Anlegerinnen.

Ein weiterer praktischer Punkt betrifft die Verfügbarkeit. Tagesgeld lässt sich jederzeit auf das Referenzkonto überweisen, meist innerhalb eines Bankarbeitstags. Bei einem ETF erfolgt der Verkauf über die Börse während der Handelszeiten. Danach dauert es in der Regel zwei Banktage, bis der Erlös endgültig auf dem Verrechnungskonto verfügbar ist. Für die meisten Rücklagen ist dieser Unterschied gering, für sehr kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse kann er dennoch relevant sein.

Vorteile Nachteile
Direkt vom aktuellen Zinsumfeld profitieren
Die Rendite orientiert sich am Geldmarktzins und passt sich automatisch an steigende oder fallende Leitzinsen an.
Gebühren mindern die Rendite
Auch wenn sie niedrig sind, fallen bei ETFs laufende Kosten an.
Potenziell höhere Rendite als viele Tagesgeldkonten
Vor allem dann, wenn Aktionszinsen beim Tagesgeld auslaufen.
Rendite kann zeitweise negativ sein
Bei stark sinkenden Zinsen oder nach Kosten sind kleine Rückgänge möglich.
Kein Tagesgeld-Hopping nötig
Das Geld bleibt investiert, ohne dass regelmäßig neue Konten eröffnet werden müssen.
Leichte Kursschwankungen möglich
Der ETF wird an der Börse gehandelt, der Preis kann minimal schwanken.
Täglich handelbar
Verkauf ist jederzeit während der Börsenzeiten möglich.
Depot erforderlich
Ohne Wertpapierdepot lässt sich ein Geldmarkt-ETF nicht nutzen.

Und die Rendite?

Geldmarkt-ETFs erzielen typischerweise eine Verzinsung in der Nähe des aktuellen Geldmarktsatzes, abzüglich der jährlichen Fondskosten, die häufig zwischen etwa 0,05 und 0,15 Prozent liegen. Der Vorteil liegt weniger in spektakulär höheren Zinsen, sondern in der Kontinuität. Während viele Tagesgeldangebote nach wenigen Monaten auf deutlich niedrigere Standardzinsen zurückfallen, folgt der ETF dauerhaft dem allgemeinen Zinsniveau.

Wer ohnehin ein Depot nutzt und mit minimalen Kursschwankungen leben kann, findet im Geldmarkt-ETF eine vergleichsweise unkomplizierte Möglichkeit, das aktuelle Zinsniveau mitzunehmen. Das Geld arbeitet dort kontinuierlich zum Geldmarktsatz, ohne dass man alle paar Monate nach einem neuen Tagesgeldangebot suchen oder wieder ein Konto eröffnen muss.

Und natürlich unterliegen auch Gewinne aus Geldmarkt-ETFs der Abgeltungsteuer, sofern der Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft ist.

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Foto Newsletter Daniela Meyer und Astrid Zehbe

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Ein Rechenbeispiel

Angenommen, eine Anlegerin hätte vor sechs Monaten 50.000 Euro in einen Geldmarkt-ETF investiert, der den €STR-Zinssatz abbildet. Der Geldmarktzins in der Eurozone bewegt sich typischerweise in der Nähe des aktuellen Leitzinsniveaus der Europäischen Zentralbank. Nach Abzug der sehr niedrigen Fondskosten bleiben für Anleger:innen meist nur wenige Hundertstel Prozent weniger übrig als beim reinen Geldmarktzins. Auf ein halbes Jahr gerechnet entspricht das ungefähr rund einem Prozent Rendite, je nach Zinsniveau auch etwas mehr.

Aus 50.000 Euro wären in sechs Monaten also grob etwa 500 Euro geworden. Der Depotwert läge dann bei ungefähr 50.500 Euro. Auffällig ist dabei, dass der Zuwachs sehr gleichmäßig entsteht. Der Kurs steigt nicht sprunghaft wie bei Aktien-ETFs, sondern bewegt sich meist langsam und stetig nach oben, weil der aktuelle Geldmarktzins Schritt für Schritt in die Wertentwicklung einfließt.

Wenn man nach Geldmarkt-ETFs recherchiert, landet man fast immer bei denselben wenigen Produkten. Am verbreitetsten sind:

  • Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap ETF (XEON)
  • Lyxor / Amundi Euro Overnight Return ETF
  • Amundi Smart Overnight Return ETF

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© Marcus Witte
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