Die Idee überzeugt. Die Umsetzung dagegen nicht. Warum beim Vermögensaufbau von Kindern nicht die Höhe der Förderung entscheidet, sondern der Zeitpunkt. Da ist sie nun endlich: die Rentenreform.
33 Vorschläge liegen auf dem Tisch. Einer davon hat mich wirklich gefreut.
Deutschland wagt etwas, das jahrzehntelang politisch kaum vorstellbar war. Erst das geplante Altersvorsorgedepot und nun noch der Vorschlag für Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rente. Das macht mich glücklich. Denn endlich zieht die Börse in die Altersvorsorge ein.
Ausgerechnet Deutschland. Das Land der Volksaktie, der Wirecard-Pleite, der Riester-Renditebremse und eines Bundeskanzlers, der sein Vermögen lieber auf dem Sparbuch parkte. Hat Deutschland sein Börsentrauma jetzt also endlich überwunden?
Fast. Deutschland hat verstanden, wo Vermögen entsteht. Aber der größte Erfolgsfaktor an der Börse wird weiterhin nicht ausgenutzt. Wie sonst ist zu verstehen, dass ausgerechnet die Gruppe, die am meisten profitieren würde, am meisten vernachlässigt wird?
Denn während Erwachsene künftig staatlich gefördert Vermögen fürs Alter aufbauen können, kommt für unsere Kinder zu wenig für zu wenige in Bewegung. Zehn Euro im Monat werden diskutiert, und das vorerst nur für einen einzigen Jahrgang. Das ist enttäuschend. Denn beim Investieren entscheidet schließlich nicht nur das Geld. Viel wichtiger ist die Zeit.
Drüben fällt der Startschuss
Wir diskutieren seit Monaten über zehn Euro im Monat.
In den USA ist das Rennen längst gestartet. Während wir uns in Deutschland noch die Schuhe binden.
Unsere Frühstartrente wurde schon lange vor Altersvorsorgedepot und Rentenreform diskutiert, bisher nur leider nicht entschieden. Ursprünglich sollte es so einfach sein: zehn Euro im Monat für jedes Kind zwischen sechs und achtzehn Jahren. Automatisch. Vom Staat.
Nur leider ist von dieser Idee inzwischen nicht mehr viel übrig.
Gerade liegt der erste konkrete Gesetzentwurf vor: Die Frühstartrente soll eine Vorstufe des Altersvorsorgedepots werden, mit 10 Euro pro Monat staatlicher Förderung.
Zunächst soll nur ein einziger Jahrgang in die Frühstartrente starten: die heute Sechsjährigen, Jahrgang 2020. Alle weiteren Jahrgänge folgen Jahr für Jahr. Wer zum ersten Jahrgang gehört, soll sein Geld rückwirkend ab 2026 erhalten.
Aber der weite Weg durchs Gesetzgebungsverfahren kostet die Frühstartrente Glaubwürdigkeit.
Lies auch:

Altersvorsorgedepot: Was die Reform wirklich verändert
Die Bundesregierung plant einen Neustart der privaten Altersvorsorge: ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot. Anfang 2027 soll es losgehen.
Was das Warten wirklich kostet
Anspruch auf die zehn Euro haben Kinder des Jahrgangs 2020 also seit Januar 2026. Ausgezahlt wird das Geld aber erst, wenn das Gesetz beschlossen ist. Rückwirkend. Aber eben ohne Rendite für die verlorene Zeit. Das führt das gute Vorhaben ad absurdum.
Ja, ich weiß: die Rendite auf 10 Euro über einige Monate ist kaum der Rede wert.
Aber die Rückwirkung gaukelt eben doch allen vor, dass der Startzeitpunkt nicht so wichtig wäre. Dass sich Zeit beim Investieren nachholen ließe. Aber genau das lässt der Zinseszinseffekt eben nicht zu.
Ein Beispiel: Zahlst du ab der Geburt deines Kindes 25 Euro monatlich in einen ETF-Sparplan ein, werden daraus bei einer durchschnittlichen Rendite von sieben Prozent bis zum 18. Geburtstag mehr als 10.500 Euro. Obwohl du selbst nur 5.400 Euro eingezahlt hast. Startest du dagegen erst mit zehn Jahren und sparst bis zum 18. Geburtstag denselben Betrag, kommen nur knapp 3.200 Euro zusammen.
Zehn verlorene Jahre kosten also locker mal zwei Drittel des Vermögens. Der Unterschied liegt weder am Einkommen der Eltern noch an ihrem Talent beim Investieren. Sondern allein daran, wann der Startschuss fällt.
So früh wie möglich anfangen
Lies alle Kolumnen von Karina:

Pinkvestiert: Die Kolumne von Karina Metzdorf
Investieren wirkt kompliziert? Karina Metzdorf erklärt in ihrer Kolumne Pinkvestiert, wie Vermögensaufbau easy funktioniert.
Was die Frühstartrente wirklich ist
Was für dich zu tun bleibt: Eröffne jetzt ein Kinderdepot für dein Kind. Zünde die Vermögensrakete mit dem wichtigsten Rohstoff, den die Börse zu bieten hat: Zeit!
Karina Metzdorf Tweet
Lies auch:

Geldanlage für Kinder im Vergleich – was macht Sinn?
Wir machen den Check: Geldanlage für Kinder im Vergleich – Welche finanzielle Vorsorge macht Sinn? ETF-Sparplan, Kinderpolice, Bausparvertrag? Oder doch eine Ausbildungsversicherung?









