Karina Metzdorf schreibt in ihrer Kolumne für finanzielle zum Thema Frühstartrente. Auf der Grafik sieht man sie und einen Schriftzug: Frühstartrente: Zeit schlägt Förderung
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Frühstartrente: Zeit ist wichtiger als zehn Euro

Der Staat will Kinder mit zehn Euro im Monat an die Börse bringen. Karina Metzdorf erklärt, warum Eltern trotzdem nicht auf die Frühstartrente warten sollten und welcher Faktor beim Vermögensaufbau viel stärker wirkt als jede Förderung.

Die Idee überzeugt. Die Umsetzung dagegen nicht. Warum beim Vermögensaufbau von Kindern nicht die Höhe der Förderung entscheidet, sondern der Zeitpunkt. Da ist sie nun endlich: die Rentenreform.

33 Vorschläge liegen auf dem Tisch. Einer davon hat mich wirklich gefreut.

Deutschland wagt etwas, das jahrzehntelang politisch kaum vorstellbar war. Erst das geplante Altersvorsorgedepot und nun noch der Vorschlag für Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rente. Das macht mich glücklich. Denn endlich zieht die Börse in die Altersvorsorge ein.

Ausgerechnet Deutschland. Das Land der Volksaktie, der Wirecard-Pleite, der Riester-Renditebremse und eines Bundeskanzlers, der sein Vermögen lieber auf dem Sparbuch parkte. Hat Deutschland sein Börsentrauma jetzt also endlich überwunden?

Fast. Deutschland hat verstanden, wo Vermögen entsteht. Aber der größte Erfolgsfaktor an der Börse wird weiterhin nicht ausgenutzt. Wie sonst ist zu verstehen, dass ausgerechnet die Gruppe, die am meisten profitieren würde, am meisten vernachlässigt wird?
Denn während Erwachsene künftig staatlich gefördert Vermögen fürs Alter aufbauen können, kommt für unsere Kinder zu wenig für zu wenige in Bewegung. Zehn Euro im Monat werden diskutiert, und das vorerst nur für einen einzigen Jahrgang. Das ist enttäuschend. Denn beim Investieren entscheidet schließlich nicht nur das Geld. Viel wichtiger ist die Zeit.

Drüben fällt der Startschuss

In den USA wurde Anfang Juli ein staatlich gefördertes Investmentkonto für Neugeborene vorgestellt. Donald Trump eröffnete das Programm symbolisch an der New Yorker Börse. Jedes amerikanische Kind bekommt ein Investmentdepot mit 1.000 Dollar Startkapital vom Staat. Große Unternehmen und Unternehmer stocken freiwillig auf. Michael und Susan Dell, SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell und andere stellen zusätzlich Milliarden für die nächste Anlegergeneration bereit. Die Botschaft dahinter ist klar: Vermögensaufbau beginnt nicht erst mit dem ersten Gehalt, sondern mit der Geburt. Und bei uns?

Wir diskutieren seit Monaten über zehn Euro im Monat.

In den USA ist das Rennen längst gestartet. Während wir uns in Deutschland noch die Schuhe binden.

Unsere Frühstartrente wurde schon lange vor Altersvorsorgedepot und Rentenreform diskutiert, bisher nur leider nicht entschieden. Ursprünglich sollte es so einfach sein: zehn Euro im Monat für jedes Kind zwischen sechs und achtzehn Jahren. Automatisch. Vom Staat.

Nur leider ist von dieser Idee inzwischen nicht mehr viel übrig.
Gerade liegt der erste konkrete Gesetzentwurf vor: Die Frühstartrente soll eine Vorstufe des Altersvorsorgedepots werden, mit 10 Euro pro Monat staatlicher Förderung.


Zunächst soll nur ein einziger Jahrgang in die Frühstartrente starten: die heute Sechsjährigen, Jahrgang 2020. Alle weiteren Jahrgänge folgen Jahr für Jahr. Wer zum ersten Jahrgang gehört, soll sein Geld rückwirkend ab 2026 erhalten.
Aber der weite Weg durchs Gesetzgebungsverfahren kostet die Frühstartrente Glaubwürdigkeit.

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Was das Warten wirklich kostet

Anspruch auf die zehn Euro haben Kinder des Jahrgangs 2020 also seit Januar 2026. Ausgezahlt wird das Geld aber erst, wenn das Gesetz beschlossen ist. Rückwirkend. Aber eben ohne Rendite für die verlorene Zeit. Das führt das gute Vorhaben ad absurdum.

Ja, ich weiß: die Rendite auf 10 Euro über einige Monate ist kaum der Rede wert.

Aber die Rückwirkung gaukelt eben doch allen vor, dass der Startzeitpunkt nicht so wichtig wäre. Dass sich Zeit beim Investieren nachholen ließe. Aber genau das lässt der Zinseszinseffekt eben nicht zu.

Ein Beispiel: Zahlst du ab der Geburt deines Kindes 25 Euro monatlich in einen ETF-Sparplan ein, werden daraus bei einer durchschnittlichen Rendite von sieben Prozent bis zum 18. Geburtstag mehr als 10.500 Euro. Obwohl du selbst nur 5.400 Euro eingezahlt hast. Startest du dagegen erst mit zehn Jahren und sparst bis zum 18. Geburtstag denselben Betrag, kommen nur knapp 3.200 Euro zusammen.

Zehn verlorene Jahre kosten also locker mal zwei Drittel des Vermögens. Der Unterschied liegt weder am Einkommen der Eltern noch an ihrem Talent beim Investieren. Sondern allein daran, wann der Startschuss fällt.

So früh wie möglich anfangen

Und nun die gute Nachricht: Du musst nicht auf ein Gesetz warten, um deinem Kind einen Vorsprung zu verschaffen. Du kannst direkt heute starten, und dir sogar noch Vorteile gegenüber der Frühstartrente sichern. Denn statt Frühstartrente eröffnest du lieber ein Kinderdepot. Das ist ein ganz normales Depot, das auf den Namen deines Kindes läuft. Es bietet zwar keine staatliche Zulage, aber dafür die volle Wertpapierauswahl eines normalen Depots. Du solltest nur wissen, dass das Vermögen rechtlich deinem Kind gehört. Einzahlungen sind deshalb eine Einbahnstraße: Was einmal im Kinderdepot liegt, können die Eltern später nicht einfach für den Unterhalt des Kindes entnehmen. Ein ETF-Sparplan im Kinderdepot läuft schon ab zehn Euro im Monat, unabhängig davon, wann die Frühstartrente tatsächlich kommt. Ein genauer Blick auf das Wertpapier im Kinderdepot lohnt. Worauf es dabei ankommt, lässt sich an wenigen Kriterien festmachen: Für ein Kinderdepot würde ich einen weltweit investierenden Aktien-ETF wählen. Damit investiert dein Kind automatisch in Tausende Unternehmen weltweit. Einzelne Verlierer fallen kaum ins Gewicht, neue Marktführer rücken von selbst nach. Wichtig sind außerdem niedrige Kosten und ein thesaurierender ETF, der Erträge automatisch wieder anlegt. Denn jeder Euro Gebühren schmälert über viele Jahre die Rendite. Gute Beispiele für Weltindizes sind der MSCI All Country World (MSCI ACWI) oder der FTSE All-World. Sie bilden mehrere Tausend Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab und sorgen so für eine breite Streuung über Branchen, Regionen und Währungen.

Lies alle Kolumnen von Karina:

Was die Frühstartrente wirklich ist

Der Gesetzentwurf für die Frühstartrente überrascht in weiteren Details: Im Kern ist sie schlicht die Standarddepot-Variante des Altersvorsorgedepots, nur eben für Kinder unter 18. Also nicht einfach eine Zulage zum Kinderdepot, sondern ein separates Depot. Deshalb gibt es keine freie Wertpapierauswahl wie in einem klassischen Kinderdepot. Vorgeschrieben ist ein Standardprodukt mit gesetzlich gedeckeltem Kostensatz von 1 Prozent. Die zehn Euro im Monat sind natürlich nett, keine Frage, geschenktes Geld ist geschenktes Geld. Und trotzdem musst du dir keinen Stress machen, extra ein Frühstartrente-Depot zu eröffnen. Denn tust du nichts, geht trotzdem nichts verloren: Wenn die Eltern den Förderbetrag nicht abrufen, wird er kollektiv für den Jahrgang angelegt, und das Kind kann sich seinen Anteil bis zum 25. Geburtstag in ein eigenes Altersvorsorgedepot übertragen lassen.

Was für dich zu tun bleibt: Eröffne jetzt ein Kinderdepot für dein Kind. Zünde die Vermögensrakete mit dem wichtigsten Rohstoff, den die Börse zu bieten hat: Zeit!

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Der Zeitpunkt macht den Unterschied

Ob die Frühstartrente am Ende genau so kommt wie angekündigt, weiß heute niemand ganz sicher. Dass Kinder möglichst früh am Kapitalmarkt teilhaben sollten, und zwar mit freier Produktwahl statt Standarddepot, daran habe ich dagegen keinen Zweifel. Deutschland mag sich mit der Frühstartrente noch die Schuhe binden. Den Startschuss für dein Kind kannst du schon heute geben. Denn Zeit lässt sich an der Börse niemals nachkaufen.

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© Marcus Witte
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