Karina Metzdorf ist finanzielle-Kolumnistin und Börsenexpertin. Man sieht sie auf der pinken Grafik eingeblendet.
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Zu viele ETFs im Depot?

Mehrere ETFs bedeuten eine gute Diversifikation des Portfolios. Karina Metzdorf begegnet dieser Überzeugung immer wieder. Aber stimmt das wirklich?

Hängen in deinem Depot nur weiße Blusen?

Der Kleiderschrank ist voll. Brechend voll.
Und trotzdem stehst du morgens davor und denkst: Ich habe nichts zum Anziehen.

Blusen, Hosen, Kleider und Jacken: über die Jahre hat sich einiges angesammelt. Ein Teil war ein spontaner Kauf im Sale. Ein anderes eine Empfehlung von einer Freundin. Und manches sah im Laden einfach zu gut aus, um es hängen zu lassen.

Das Ergebnis: Der Schrank platzt aus allen Nähten. Und trotzdem fehlt oft genau das Richtige für den aktuellen Moment.

Viele Depots entstehen ganz ähnlich. Am Anfang hängt dort ein ganz solides Basic: ein ETF auf den MSCI World. Dann kommt ein zweites Teil dazu. Empfehlung hier, Podcast-Tipp dort, und schon wächst das Portfolio Stück für Stück weiter.

Irgendwann ist dann das Depot so voll wie der Kleiderschrank. Und trotzdem ist das Portfolio nicht gegen jede Börsenlage gewappnet. Denn viele dieser ETFs unterscheiden sich weniger, als ihre Namen vermuten lassen.

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Dein Depot: voll wie ein Kleiderschrank und trotzdem nichts zum Anziehen

Genau wie der Kleiderschrank wächst auch das Depot selten mit einem klaren Plan.

Stattdessen sammeln sich die ETF nach Laune an: Ein Themen-ETF hier, ein neuer Welt-Index dort. Schließlich gibt es davon genug. MSCI World, MSCI ACWI, Emerging Markets, Europa, Small Caps. Die Auswahl wirkt endlos. Und überall wird etwas anderes empfohlen.

Irgendwann stellt sich deshalb automatisch die Frage:

Wie viele ETFs braucht ein gutes Depot eigentlich wirklich?

Viele, höre ich oft. Schließlich soll das Portfolio gut diversifiziert sein. Und je mehr Geld investiert ist, desto mehr ETFs müssten doch auch dazugehören. Oder?

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Guter Stil beim Investieren

Die Realität ist überraschend anders.

Denn die Anzahl deiner ETFs hat erstaunlich wenig mit der Höhe deiner Investments zu tun. Sie hängt vor allem von einer ganz anderen Frage ab:

Wie einfach möchtest du investieren?

Die wichtigste Stilfrage fürs Depot
Diese Frage erinnert ein wenig an den Kleiderschrank selbst.

Vielleicht bist du eine von den Frauen, die mit erstaunlich wenigen Kleidungsstücken auskommen. Ein paar gut kombinierbare Basics reichen, und du findest für fast jede Gelegenheit ein passendes Outfit.

Oder bist du eine von jenen, die ihre Garderobe bewusster zusammenstellen? Ein paar zusätzliche Teile für besondere Anlässe, vielleicht ein auffälliges Kleid oder eine elegante Jacke. Oder liebst du es, deinen eigenen Stil zu gestalten und viele verschiedene Stücke miteinander zu kombinieren?

Minimalistischer Stil: ein ETF kann reichen

Beim Investieren funktioniert es ganz ähnlich. Auch hier gibt es unterschiedliche Wege, ein Depot aufzubauen.

Der einfachste Weg ist ein Depot mit nur einem einzigen ETF.

Ein ETF auf einen sehr breiten Weltindex, zum Beispiel den MSCI ACWI (MSCI All Country World Index) oder den MSCI ACWI IMI (MSCI All Country World Investable Markets Index), deckt bereits einen großen Teil des globalen Aktienmarkts ab. In einem einzigen Produkt stecken tausende Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Viele Anbieter bieten ETF auf diesen Aktienindex sehr kostengünstig an.

Diese Strategie ist nicht nur für Einsteiger:innen gedacht. Viele langfristige Anleger:innen entscheiden sich ganz bewusst dafür, ihr Depot so einfach wie möglich zu halten. Von kleinen Sparplänen bis zu großen Vermögen kann ein einzelner globaler ETF ausreichen, denn er bietet bereits eine breite Streuung zu geringen Kosten.

Wenn du selbst etwas mehr Einfluss auf die Zusammensetzung deines Depots nehmen möchtest, könntest du den Weltmarkt in zwei Bausteine aufteilen: in Industrieländer und Schwellenländer.

Dafür wird häufig ein ETF auf den MSCI World mit einem ETF auf den MSCI Emerging Markets kombiniert. In deinem Depot hängen dann zwei zentrale Basics, die zusammen ein Outfit ergeben, das zu allen Anlässen passt.

Im Unterschied zur Ein-ETF-Alternative mit dem MSCI ACWI kannst du bei dieser Zusammensetzung selbst entscheiden, wie stark die Schwellenländer im Depot vertreten sein sollen. Die am häufigsten vertretene Aufteilung ist 70 Prozent Industrieländer und 30 Prozent Schwellenländer, aber feste Regeln gibt es hier nicht.

Wenn dein Depot seinen eigenen Stil bekommt

Natürlich kannst du dein Depot auch noch weiter auf deine ganz speziellen Wünsche anpassen und zusätzliche Accessoires hinzufügen:
Dann ergänzt du dein Depot um zusätzliche ETFs, um einzelne Regionen oder Themen bewusst überzugewichten: vielleicht einen Europa-ETF, um den Anteil europäischer Unternehmen zu erhöhen. Oder einen Index ohne die USA, um die starke Gewichtung amerikanischer Konzerne im Weltmarkt bewusst zu reduzieren. Oder ein spezielles Thema, weil du darin ein großes Marktpotential siehst.

Solche Ergänzungen sind keine Pflicht. Sie sind deine persönliche Entscheidung; eine Wette darauf, welche Regionen, Themen oder Marktsegmente sich künftig besonders gut entwickeln könnten.

Diversifikation – oder nur fünf weiße Blusen?
Mehr Auswahl bedeutet allerdings nicht automatisch mehr Vielfalt.
Ein Kleiderschrank wird schließlich auch nicht vielseitiger, nur weil dort fünf weiße Blusen hängen.

Genau das passiert aber in vielen Depots. Mehrere Welt-ETFs oder verschiedene Varianten desselben Index sehen nach Diversifikation aus, bilden aber oft fast die gleichen Unternehmen ab.

Wie beim eigenen Stil gilt auch hier: Mehr Auswahl bedeutet mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Aber auch mehr Entscheidungen.

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Foto Newsletter Daniela Meyer und Astrid Zehbe

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Der Stil-Check für dein Depot

Wenn du jetzt in dein eigenes Depot schaust und feststellst, dass sich dort im Laufe der Zeit einige ETFs angesammelt haben, dann lohnt sich ein kurzer Blick in die Factsheets deiner ETFs. Dort findest du die jeweils zehn größten Unternehmen im ETF und erkennst schnell, ob sich dieselben Namen in mehreren deiner ETFs wiederholen.

Wenn du in deinem Portfolio solche Überschneidungen findest, dann ergeben sich drei mögliche Wege.

Weg 1: Behalten und vereinfachen

Vielleicht stellst du fest, dass mehrere deiner ETFs dieselben Unternehmen enthalten. Dann kann es sinnvoll sein, dein Depot im Laufe der Zeit anders zu gewichten.

Dabei musst du nicht zwangsläufig verkaufen, denn das würde dich Gebühren und Steuern kosten. Lieber könntest du neue Sparraten in einen einzigen breiten Welt-ETF fließen lassen und die bestehenden Positionen einfach liegen lassen.

Weg 2: Struktur schaffen

Oder du entscheidest dich bewusst für eine klassische Aufteilung statt der Ein-ETF-Variante: etwa mit einem ETF auf den MSCI World für Industrieländer und einem ETF auf den MSCI Emerging Markets für Schwellenländer. Dann weißt du künftig genau, welche Rolle jeder Baustein in deinem Depot spielt. Auch hier gilt: du musst nichts verkaufen, ein Umschichten der neuen Sparpläne reicht aus.

Weg 3: bewusst so lassen

Und vielleicht passt dein Depot auch schon genau zu deiner Strategie. Dann gibt es gar nichts zu ändern.

Denn ein Portfolio muss nicht minimalistisch sein. Wichtig ist nur, dass dein Depot wie eine durchdachte Garderobe funktioniert, nicht wie ein Sammelsurium aus spontanen Käufen.

Guter Stil braucht keine 20 Teile

Ein gutes Depot funktioniert am Ende wie eine gut zusammengestellte Garderobe.

Es braucht keine zwanzig Teile, um für viele Gelegenheiten vorbereitet zu sein. Ein paar gut gewählte Basics reichen oft völlig aus.

Entscheidend ist nicht, wie viele ETFs in deinem Depot hängen.

Sondern ob sie zusammen eine Strategie ergeben – und nicht einfach mehrere Varianten derselben weißen Bluse.

Über Karina

Karina Metzdorf ist Elektrotechnikingenieurin, Hundemama und seit über 14 Jahren begeisterte Investorin an der Börse. Der Wunsch nach langen Reisen – möglichst noch vor dem Renteneintrittsalter – brachte sie früh dazu, sich intensiv mit Geldanlage zu beschäftigen. Die Börse wurde schnell zu ihrer Leidenschaft: Karina investiert in Aktien, ETFs, Gold und Bitcoin und hat sich zur Börsenhändlerin sowie Finanzanlagenfachfrau zertifizieren lassen. Als sie merkte, dass sie mit keiner ihrer Freundinnen über das Investieren sprechen konnte, gründete sie Börse in Pink. Ihre Mission ist es, Frauen Börsenwissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. In ihren Online-Kursen, Vorträgen und Workshops steckt sie mit ihrer Begeisterung und Erfahrung an. 

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