Grafik für die Kolumne "She goes Crypto" mit dem Monatsthema "Unsichere Welt, neue Regeln", im Kreis sieht man ein Bild der Kolumnistin Svenja Zitzer
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Was geopolitische Krisen wirklich mit Krypto machen

Krise = Krypto-Rallye? Warum diese These nicht funktioniert und wie sich die Kryptowährungen in der aktuellen Situation verhalten, erklärt Svenja Zitzer in ihrer neuen Kolumne.

Krypto war lange ein Thema, das man sich leisten konnte, interessant zu finden, oder eben nicht. Ein bisschen Zukunft, ein bisschen Spekulation, für viele irgendwo zwischen „spannend“ und „ich lese mich da mal richtig ein“ – irgendwo in der Lesezeichenleiste.
Nur verschiebt sich gerade der Kontext, in dem wir darüber sprechen.

Die geopolitische Lage ist nicht mehr nur Hintergrundrauschen. Konflikte im Nahen Osten, die Eskalation rund um den Iran, die Rolle der USA, neue Sanktionen, wirtschaftliche Machtspiele – all das wirkt auf den ersten Blick wie Nachrichtenstoff für Polit-Talkshows. Doch Geld reagiert schneller als jede Talkrunde. Und plötzlich merkt man, dass das Thema nicht so weit weg ist, wie es scheint.

Denn wenn Sanktionen greifen, Zahlungswege eingeschränkt werden und Vermögenswerte eingefroren werden können, wird sichtbar, wie stark unser Finanzsystem von politischer Stabilität abhängt. Geld fließt eben nicht einfach neutral durch die Welt, es bewegt sich innerhalb von Regeln, Abkommen und Machtstrukturen.

Und genau hier wird Krypto interessant.

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Wenn das System ins Wanken gerät

Die ursprüngliche Idee hinter Kryptowährungen war nie, dass wir alle in drei Monaten reich werden. Sie bestand darin, ein System zu schaffen, das unabhängig funktioniert – von Banken, von Grenzen, von politischen Entscheidungen. In stabilen Zeiten wirkt das wie ein technisches Detail. In instabilen Zeiten bekommt es plötzlich Substanz.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Bitcoin bei jeder Eskalation automatisch steigt. Ganz im Gegenteil, kurzfristig reagieren Märkte erstaunlich unheroisch. Wenn Unsicherheit zunimmt, sinkt meist die Risikobereitschaft. Kapital wird vorsichtiger, Liquidität gewinnt an Bedeutung, und auch Kryptowährungen geraten unter Druck. Sie benehmen sich dann weniger wie ein sicherer Hafen und mehr wie das, was sie faktisch sind: eine junge, volatile Anlageklasse mit Charakter.
Genau deshalb gehört Krypto – bei aller strukturellen Relevanz – nicht als Solistin ins Depot, sondern als Teil eines Orchesters. Diversifikation ist kein Ausdruck von Misstrauen, sondern von Professionalität. Ein Portfolio, das geopolitische Wellen aushalten soll, besteht aus mehreren Anlageklassen, nicht aus einer Überzeugung allein.

Wer also auf den simplen Mechanismus „Krise gleich Krypto-Rallye“ setzt, wird regelmäßig enttäuscht.

Märkte sind komplexer. Und geopolitische Unsicherheit sorgt zunächst für Nervosität, nicht für Euphorie.
Parallel dazu passiert jedoch etwas, das man im Chart kaum erkennt, langfristig aber deutlich relevanter ist: Dort, wo klassische Finanzwege eingeschränkt sind, entstehen pragmatische Alternativen. Digitale, an den Dollar gekoppelte Stablecoins werden genutzt, um Kaufkraft zu sichern, wenn lokale Währungen schwanken. Grenzüberschreitende Zahlungen laufen über Blockchain-Infrastruktur, wenn traditionelle Kanäle langsamer oder komplizierter werden. Unternehmen testen Lösungen, die weniger abhängig von einzelnen Banken oder Staaten sind.

Das ist nicht spektakulär. Aber spektakulär ist an der Börse selten ein Qualitätsmerkmal.

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Was bleibt, wenn die Schlagzeilen verschwinden? 

Konzentration auf Langfristigkeit

Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Grenze der Romantik, denn Krypto ersetzt das bestehende System nicht über Nacht. Je stärker digitale Vermögenswerte genutzt werden, desto stärker rücken sie in den Fokus von Regulierungsbehörden. Staaten beobachten sehr genau, wie Sanktionen umgangen werden könnten und wie Kapital fließt. Mehr Relevanz bedeutet automatisch mehr Aufsicht.

Krypto bewegt sich also in einem Spannungsfeld: wachsender praktischer Nutzen einerseits, steigende politische Einbindung andererseits. Es ist weder der große Krisengewinner noch das erste Opfer, sondern Teil eines Systems im Umbau.

Für uns als Anlegerinnen liegt die eigentliche Kunst darin, diese Ebenen auseinanderzuhalten.

Die täglichen Kursbewegungen sagen viel über Stimmung und Risikoappetit aus, aber erstaunlich wenig darüber, ob sich die Rolle von Krypto im globalen Finanzsystem wirklich verändert. Wer geopolitische Entwicklungen aus einzelnen Kerzen im Chart ableiten will, betreibt am Ende eher Kaffeesatzlesen als Strategie.

Geopolitische Spannungen sind weder Kauf- noch Verkaufssignal.

 

Strukturelle Veränderungen verlaufen subtiler, sie zeigen sich im Ausbau von Infrastruktur, in klareren regulatorischen Rahmen und darin, dass institutionelle Investoren digitale Assets zunehmend selbstverständlich einordnen. Solche Verschiebungen entstehen über Jahre, nicht über Tage.

Und genau hier kommt wieder das Thema Struktur ins Spiel. Ein Sparplan wirkt in geopolitisch angespannten Zeiten fast unspektakulär – keine dramatische Reaktion auf jede Eskalation, kein hektisches Umschichten im Takt der Schlagzeilen. Stattdessen eine ruhige, wiederkehrende Entscheidung, die darauf setzt, dass sich relevante Entwicklungen über Zeit entfalten.

Die eigentliche Herausforderung in einer unsicheren Welt besteht darin, nicht jede Krise reflexhaft in eine Handlung zu übersetzen, sondern zwischen lautem Rauschen und echtem Wandel zu unterscheiden. Krypto gewinnt in solchen Phasen nicht zwingend an Preis, aber an Kontur – und genau das ist langfristig relevanter als die nächste grüne Tageskerze.

Geopolitische Spannungen sind weder Kauf- noch Verkaufssignal. Sie erinnern lediglich daran, dass Geld nie unpolitisch war und dass Alternativen deshalb an Bedeutung gewinnen. Wer das versteht, lässt sich nicht treiben, sondern führt sein Portfolio.

"She goes Crypto": Die finanzielle-Kolumne ​

Unsere Autorin Svenja Zitzer

Svenja hat internationale Fachjournalistik studiert und begeistert sich schon seit 2015 für Bitcoin & Co., immer auf der Spur von Zukunftstrends mit echtem Impact. Für finanzielle schreibt sie in Kooperation mit Bitcoin2Go die neue Kolumne „She goes Crypto“. Dabei erklärt sie die wichtigsten Coins und langfristige Strategien, wie man mit Kryptowährungen ein Vermögen aufbauen kann.  

Svenja Zitzer schreibt eine Krypto-Kolumne für finanzielle

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