Junge Frau liegt und schaut in die Kamera. Sie hat dunkle Haare und unter den Augen blaue Glitzersteine.
Yaroslav Shuraev

Neue Studie: So steht es 2026 um die Gleichberechtigung

Rolle rückwärts im Wertesystem: Eine globale Studie offenbart eine traditionelle Tendenz bei Männern der Gen Z.

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März hat das Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos eine neue Studie veröffentlicht, die einen globalen Blick auf das Thema Gleichberechtigung in 29 Ländern wagt. Besonders auffällig sind die Ergebnisse der Gen Z: Hier offenbaren sich die traditionellsten Auffassungen zur Rollenverteilung.

Reicht es jetzt mit der Gleichberechtigung? Der Großteil der Gen Z ist davon offenbar überzeugt

  • 61 Prozent der Gen-Z-Männer finden, dass in Sachen Gleichstellung im eigenen Land schon genug getan wurde. Bei den männlichen Babyboomern sind es 49 Prozent.
  • Die Gleichstellung von Frauen wurde so weit gefördert, dass nun Männer diskriminiert werden – dieser Ansicht stimmen 57 Prozent der Gen-Z-Männer zu, aber nur 42 Prozent der männlichen Boomer zu.
  • Dass Männern zu viel abverlangt wird, um die Gleichstellung von Frauen zu unterstützen, meinen 59 Prozent der Gen-Z- und 45 Prozent der Boomer-Männer.
  • Fast jeder dritte Gen-Z-Mann (31 %) ist der Meinung, eine Ehefrau sollte ihrem Ehemann immer gehorchen (Gen-Z-Frauen: 18 %). Bei den männlichen Babyboomern sind es nur 13 Prozent (Boomer-Frauen: 6 %).
  • Sorgt es für Probleme, wenn eine Ehefrau mehr verdient als ihr Mann? 29 Prozent der Gen-Z-Männer sagen Ja – bei den Boomer-Männern sind es 18 Prozent.
  • Ein Viertel der Gen-Z-Männer (24 %) lehnt zu unabhängig oder selbstständig auftretende Frauen ab – zugleich finden 41 Prozent Frauen mit erfolgreicher Karriere attraktiver. Bei Boomer-Männern liegen beide Werte deutlich niedriger (12 % bzw. 27 %).
  • Jeder fünfte Gen-Z-Mann (21 %) glaubt, dass Männer, die sich an der Kinderbetreuung beteiligen, als weniger maskulin gelten – unter Boomer-Männern teilen diese Ansicht nur 8 Prozent. Gleichzeitig finden 58 Prozent der Gen-Z-Frauen Männer attraktiver, die Betreuungsaufgaben übernehmen.

Zur Methode:

Dies sind die Ergebnisse der Studie International Women’s Day 2026, die von Ipsos auf der Online-Plattform Global Advisor in 29 Ländern durchgeführt wurde. Für die Online-Umfrage wurden zwischen dem 24. Dezember 2025 und dem 9. Januar 2026 insgesamt 23.268 Personen befragt. In Deutschland waren die Befragten zwischen 16 und 74 Jahre alt, die Stichprobe umfasste rund 1.000 Personen.

Zu den 29 befragten Ländern gehören neben Deutschland: Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Peru, Polen, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Südkorea, Thailand, Türkei, Ungarn, USA.

In 16 der 29 befragten Länder ist die Internetdurchdringung ausreichend hoch, um die Stichproben als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung der untersuchten Altersgruppen anzusehen – darunter auch Deutschland. Die Daten wurden so gewichtet, dass die Stichprobenzusammensetzung jedes Landes das demografische Profil der erwachsenen Bevölkerung gemäß den jüngsten Volkszählungsdaten bestmöglich widerspiegelt.

Lies auch:

Wie sieht es konkret in Deutschland aus?

Fast die Hälfte der Deutschen (46 %) ist der Ansicht, dass für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland schon genug getan wurde. Das ist ein Zuwachs um elf Prozentpunkte gegenüber 2019. Allerdings sind nahezu ebenso viele Menschen im Land (45 %) gegenteiliger Ansicht. Unter den männlichen Befragten hält sogar eine Mehrheit von 55 Prozent den bisherigen Einsatz für die Gleichstellung für ausreichend, bei den Frauen sind es lediglich 36 Prozent.

Jede zweite Person in Deutschland (52 %) ist überzeugt, dass es besser wäre, wenn mehr Frauen verantwortungsvolle Positionen in Regierung und Unternehmen innehätten. Dem stimmen 58 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer zu. Ähnlich fällt das Urteil bei der Frage nach weiblicher Führung in Politik und Wirtschaft aus: 51 Prozent der Deutschen sind der Meinung, es könne keine echte Gleichstellung geben, solange hier nicht mehr Frauen vertreten sind – eine Ansicht, die 60 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer vertreten. Zugleich glaubt knapp ein Drittel der Bevölkerung (30 %), die Förderung von Frauen sei inzwischen so weit fortgeschritten, dass Männer nun diskriminiert würden. Unter den Männern äußern dies 37 Prozent, unter den Frauen 22 Prozent.

Für 62 Prozent der Bundesbürger:innen ist die Gleichstellung von Frauen und Männern persönlich wichtig. Das sagen 70 Prozent der Frauen und 54 Prozent der Männer. Nur 13 Prozent halten sie bereits für erreicht.

44 % der Deutschen meinen, dass Erziehung hauptsächlich Frauensache ist.

Wie ist die Rollenverteilung im Privaten?

In Deutschland findet die Vorstellung einer fairen Arbeitsteilung breite Zustimmung. Rund drei Viertel sehen beide Geschlechter in der Pflicht, wenn es um Aufgaben wie die Kindererziehung (73 %), das Geldverdienen (75 %) oder Haushaltsarbeiten wie Kochen oder Putzen (77 %) geht.

Diese Überzeugung für das eigene Leben weicht jedoch deutlich von der Einschätzung der gesellschaftlichen Realität ab. So sind nur 15 Prozent der Bundesbürger der persönlichen Überzeugung, dass Frauen vorwiegend für die Kindererziehung verantwortlich sein sollten. Zugleich meinen 44 Prozent, dass diese in Deutschland tatsächlich überwiegend Frauensache ist. Ähnlich groß ist die Lücke bei der Hausarbeit (persönliche Überzeugung: 10 %, gesellschaftliche Erwartung: 44 %).

Beim Einkommen sehen 75 Prozent der Deutschen die Verantwortung bei beiden Geschlechtern. Mit Blick auf die Gesellschaft fällt das Urteil jedoch anders aus: Nur 42 Prozent glauben, dass in diesem Bereich von Frauen und Männern gleich viel erwartet wird. Fast die Hälfte (46 %) vermutet, dass in Deutschland eher die Männer für das Geldverdienen verantwortlich gemacht werden.

Was bedeuten die Umfrageergebnisse?

Die Ipsos-Studie offenbart die widersprüchlichen Erwartungen der Generationen und Geschlechter. Fast ebenso viele Deutsche halten den Einsatz für Gleichstellung für ausreichend wie für unzureichend, wobei Männer deutlich häufiger meinen, es sei schon genug getan. Gleichzeitig wünschen sich viele mehr Frauen in Führungspositionen, während ein großer Teil der Bevölkerung glaubt, Männer würden inzwischen benachteiligt.

Besonders deutlich wird der Spagat zwischen Ideal und Wirklichkeit im Privaten: Die Mehrheit befürwortet eine partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Haushalt, nimmt aber wahr, dass traditionelle Muster weiterhin den Alltag prägen. Offenbar liegt noch Aufklärungsarbeit vor uns. 

Jetzt teilen:

Newsletter finanzielle
© Marcus Witte
Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Vielen Dank für deine Anmeldung zu unserem finanzielle Newsletter. Deine Anmeldung war erfolgreich.

Mach dich finanziell unabhängig

 – mit unserem Newsletter! 

Als DANKESCHÖN für deine 

NEWSLETTER-ANMELDUNG erhältst du 

das finanzielle eMagazin mit Verona Pooth und unserem beliebten ETF-Entscheidungsbaum!