Grafik für die Kolumne von Karina Metzdorf zum Thema Altersvorsorgedepot. Man sieht Karina und die Schrift: "7. Ist das Altersvorsorgedepot der Gamechanger?"
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Deutschland springt über seinen Schatten: Wie gut ist das Altersvorsorgedepot?

Börsenexpertin Karina Metzdorf analysiert in ihrer neuen Kolumne das Altersvorsorgedepot der Bundesregierung.

Deutschland springt über seinen Schatten. Nun endlich auch bei der Börse.

Das neue Altersvorsorgedepot macht aus einer Entscheidung plötzlich zwei.

Vom „Casino“ zur Altersvorsorge

Weißt du noch?

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde die Börse von Gesellschaft, Politik und den meisten Medien wahlweise als „Casino“, „Glücksspiel“ oder als Ort für „Heuschrecken“ bezeichnet. Also etwas, das man als rechtschaffener Mensch besser meidet.

Und bei vielen ist dieses Bild bis heute tief im Kopf verankert. Nicht zuletzt durch die Telekom-Volksaktie. Oder später durch den Skandal um Wirecard. Beide haben tiefe Wunden in unserer kollektiven Anlegerseele hinterlassen.

Aber jetzt passiert etwas, das mich vollkommen aus dem Häuschen bringt.

Jetzt auf einmal springen wir Deutschen ziemlich weit über unseren Schatten.
Wir akzeptieren erstmals ganz offiziell, dass langfristiger Vermögensaufbau an der Börse funktioniert, obwohl die Kurse zwischendurch schwanken.

Und wir gehen sogar noch einen Schritt weiter: Wir trauen der Börse inzwischen sogar so weit, dass wir auf Versicherungsmantel und Garantien verzichten. Nicht nur geduldet, sondern staatlich gefördert.

Wovon ich spreche?
Vom neuen Altersvorsorgedepot.

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Was wir uns beim Investieren schon lange wünschen

Träumst du, so wie ich, schon lange davon, Umschichtungen in deinem Depot steuerfrei machen zu können? Investierst du vielleicht sowieso nur, um dein Alter abzusichern? Und ärgerst du dich über die mickrige Rendite in deinem bestehenden Riester?

Wenn du innerlich gerade genickt hast, dann geht es dir wie vielen. Und genau dafür wird es ab 2027 das Altersvorsorgedepot geben:
Du kannst steuerfrei umschichten, staatliche Förderung mitnehmen und bekommst endlich eine echte Renditechance statt Garantie-Bremse.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Keineswegs. Aber es bringt gleichzeitig etwas Neues mit, das bisher kaum angesprochen wird.

Und plötzlich verändert sich alles
Es verändert die Reihenfolge deiner Entscheidungen.

Bisher war Investieren ziemlich einfach:
Du hattest Geld übrig, hast dir einen ETF ausgesucht und fertig.

Mit dem neuen Altersvorsorgedepot kommt eine weitere Frage dazu: Wo soll dieses Investment überhaupt liegen?

Aus einer Entscheidung werden plötzlich zwei: erst das System, dann das Investment.

Aus einer Entscheidung werden zwei

Denn das Altersvorsorgedepot ist eine Einbahnstraße.
Für steuerfreie Umschichtungen, staatliche Zulagen und eine günstigere Besteuerung im Alter verpflichtest du dich, das Geld bis zum Ruhestand nicht mehr anzutasten.

Demnächst wird deine Entscheidungskette beim Investieren also komplexer werden, verbindlicher.
Du hast Geld übrig? Wann brauchst du es wieder? Bist du fein damit, es für Jahrzehnte fest einzuplanen, ohne jederzeit darauf zugreifen zu können?

Denn genau das ist die eigentliche Frage hinter dem Altersvorsorgedepot.
Nicht, ob es besser ist. Sondern ob es zu diesem Geld passt.

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Welches Geld gehört wohin?

Geld, das du flexibel halten willst, hat dort nichts verloren. Aber Geld, das du wirklich für später zurücklegst, könnte dort genau richtig sein.

Es wird nicht mehr ausreichen, einfach nur „zu investieren“.
Demnächst musst du dein Geld gedanklich aufteilen: In einen Teil, der in deinem normalen Depot verfügbar bleibt. Und in einen Teil, den du ganz bewusst langfristig bindest.

Das eine gibt dir Freiheit.
Das andere hat bessere Bedingungen.

Beides hat seine Berechtigung. Aber eben nicht für denselben Zweck.

Eine Einschränkung, die keine ist

Wenn der Zweck das System bestimmt, dann ist es nur konsequent, dass im Altersvorsorgedepot auch nicht jedes Wertpapier erlaubt ist.

Während dein normales Depot dir alle Möglichkeiten offenlässt – von ETFs über Einzelaktien bis hin zu deutlich spekulativeren Anlagen – setzt das Altersvorsorgedepot bewusst engere Leitplanken.

Der Staat fördert hier nicht einfach irgendein Investment. Er fördert langfristigen Vermögensaufbau. Deshalb sind vor allem breit gestreute, regulierte ETFs und Fonds zugelassen, ergänzt um solide Anleihen.

Nicht erlaubt ist alles, was kurzfristig hohe Chancen verspricht, aber eben auch hohe Risiken mitbringt: Einzelaktien, Kryptowährungen oder hochspekulative Produkte.

Alle Kolumnen von karina findest du hier:

Das könnte sich jetzt wie eine Einschränkung anfühlen. Ist aber eine, die mich persönlich überhaupt nicht stört.

Denn wenn es um langfristigen Vermögensaufbau geht, lande ich am Ende sowieso immer wieder bei breit gestreuten ETFs. Nicht, weil sie spektakulär sind, sondern weil sie über viele Jahre solide Rendite bei überschaubarem Risiko bieten.

Vor allem als Sparplan verbinden sie etwas sehr Bodenständiges mit echter Renditechance: regelmäßiges Investieren, wie man es vielleicht noch vom klassischen Sparen kennt, nur eben mit den hohen Renditen an der Börse.

Das Altersvorsorgedepot ist deshalb auch nicht auf die eine große Wette ausgelegt. Sondern auf einen planbaren, langfristigen Vermögensaufbau.
Die eigentliche Einschränkung liegt also weniger bei den Produkten, sondern in der Bindung des Geldes.

Die blinden Flecken unter lauter Vorteilen

Heißt das jetzt, das Altersvorsorgedepot hätte nur Vorteile? Nein, natürlich gibt es auch blinde Flecken.

Der größte liegt in der Unplanbarkeit des Lebens. Denn in der Theorie klingt es einfach, Geld langfristig wegzulegen. Aber in der Praxis verändert sich das Leben nunmal. Pläne verschieben sich, Prioritäten auch. Während dein Geld feststeckt.

Dazu kommt: Du gibst einen Teil deiner Kontrolle ab. Im normalen Depot entscheidest du selbst, wann du verkaufst und wann du Steuern auslöst. Im Altersvorsorgedepot passiert das in der Zukunft nach festen Regeln. Aber die könnten sich ändern.

Denn das Altersvorsorgedepot ist politisch gemacht. Und was politisch gemacht ist, kann sich auch wieder verändern. Bis zu deinem Ruhestand sind es vielleicht noch 20 Jahre. Oder 30. Bis dahin kann die Welt und die Steuergesetzgebung ganz anders aussehen.
Nicht zwingend schlechter, aber vielleicht auch nicht genau so, wie es heute geplant ist.

Denn das Altersvorsorgedepot ist besser gebaut als vieles, was wir bisher hatten. Es eröffnet echte Renditechancen.

Strategisch investieren statt einfach nur investieren

Jetzt weißt du, warum ich so aus dem Häuschen bin. Denn das Altersvorsorgedepot ist besser gebaut als vieles, was wir bisher hatten. Es eröffnet echte Renditechancen. Es kann die Börse für viele zugänglicher machen, die bisher nicht investiert haben.
Und es hat das Potenzial, unsere Investmentkultur in Deutschland nachhaltig zu verändern.

Aber für dich wird es kein Selbstläufer. Denn es zwingt dich, bewusster über dein Geld zu entscheiden als je zuvor. Aus einer Entscheidung werden plötzlich zwei: erst das System, dann das Investment.

Und genau hier trennt sich künftig der Unterschied zwischen einfach investieren und strategisch investieren.

Karina Metzdorf
Foto: Angelika Graf

Über Karina

Karina Metzdorf ist Elektrotechnikingenieurin, Hundemama und seit über 14 Jahren begeisterte Investorin an der Börse. Der Wunsch nach langen Reisen – möglichst noch vor dem Renteneintrittsalter – brachte sie früh dazu, sich intensiv mit Geldanlage zu beschäftigen. Die Börse wurde schnell zu ihrer Leidenschaft: Karina investiert in Aktien, ETFs, Gold und Bitcoin und hat sich zur Börsenhändlerin sowie Finanzanlagenfachfrau zertifizieren lassen. Als sie merkte, dass sie mit keiner ihrer Freundinnen über das Investieren sprechen konnte, gründete sie Börse in Pink. Ihre Mission ist es, Frauen Börsenwissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. In ihren Online-Kursen, Vorträgen und Workshops steckt sie mit ihrer Begeisterung und Erfahrung an.

 

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