Preisfrage: Was ist die wertvollste Marke der Welt?
Apple?
Coca-Cola?
Der US-Dollar?
Nein.
Die stärkste Marke der Menschheit braucht keine Marketingabteilung, keinen CEO und keine Quartalszahlen. Sie ist älter als jedes Land. Älter als unsere Kultur. Und sogar älter als die Erde.
Es ist Gold.
Alles Gold, das jemals gefördert wurde, rund 200.000 Tonnen, passt in einen Würfel mit gerade einmal 22 Metern Kantenlänge. So groß wie ein Mehrfamilienhaus. Mehr nicht. Und doch ist dieser Würfel, bewertet zum aktuellen Goldpreis, deutlich mehr wert als jedes einzelne börsennotierte Unternehmen der Welt.
Gold war Zahlungsmittel im alten Rom, Machtsymbol der Pharaonen, Status und Schutz zugleich. Über lange Phasen waren sogar unsere Währungen mit Gold gedeckt, bis wir uns entschieden haben, Vertrauen auf Papier zu drucken. Seitdem lebt unser Geldsystem davon, dass wir daran glauben, dass es morgen noch gilt.
Gold wird immer wieder neu entdeckt. Jedes Mal, wenn unsere Welt unsicherer wird. Und genau deshalb kehrt Gold in Krisenzeiten immer wieder auf die Bühne zurück. Denn Gold ist weder das Versprechen eines Staates, noch eine Forderung gegen eine Bank. Es ist kein digitales Guthaben, das eingefroren werden kann.
Gold ist Besitz.
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Warum ausgerechnet dieses Metall so viel Ur-Vertrauen sammelt? Gold ist eines der wenigen Metalle, das in der Natur in reiner Form vorkommt. Menschen mussten es nie erfinden oder herstellen. Sie fanden es einfach. Es rostet nicht und es reagiert kaum mit anderen Elementen. Es bleibt glänzend, selbst nach Jahrhunderten.
Doch bevor du dich vom Glanz blenden lässt, kommt nun die entscheidende Frage:
Ist Gold ein Renditemotor für dein Depot, oder nur ein sehr teurer Vertrauensspeicher?
Und welche Art von Gold passt überhaupt zu deiner Strategie?
Glanz ist keine Rendite
So beeindruckend die Geschichte von Gold auch ist, ersetzt sie doch keine Rendite.
Gold zahlt keine Zinsen, keine Dividenden und liefert dir auch keine Mieteinnahmen oder sonstige laufende Erträge. Es erwirtschaftet nichts.
Während du mit Aktien von Unternehmensgewinnen profitierst und mit Anleihen Zinsen einsammelst, liegt Gold einfach nur da. Sein Wert entsteht ausschließlich durch Angebot und Nachfrage. Und die Nachfrage wird vor allem durch Vertrauen getrieben, genauer gesagt durch das Misstrauen in andere Assets.
Langfristig betrachtet gleicht Gold die Inflation aus. Es bewahrt Kaufkraft über sehr lange Zeiträume. Doch es vermehrt Vermögen nicht wie produktive Anlagen. Wenn du ausschließlich auf Gold setzt, dann setzt du nicht auf Wachstum, sondern auf Stabilität. Und darauf, dass Unsicherheit ein dauerhafter Begleiter bleibt. Denn genau dann spielt Gold seine Stärke aus.
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Der Anstieg, über den wir uns nicht freuen
Nun wirst du einwenden:
„Aber Gold war doch zuletzt eines der stärksten Investments überhaupt.“
Stimmt. In den vergangenen zwei Jahren hat Gold viele Anlageklassen hinter sich gelassen. Dies aber nicht, weil Gold plötzlich produktiv geworden wäre. Sondern weil geopolitische Spannungen zugenommen haben. Weil Notenbanken US-Staatsanleihen gegen Gold austauschen. Weil das Vertrauen in Papiergeld und Staatsfinanzen gesunken ist.
Gold steigt nicht aus Euphorie, sondern aus Unsicherheit. Und genau das bestätigt seine Rolle im Depot.
Denn Gold entwickelt sich oft anders als Aktien und Anleihen. Die Korrelation ist langfristig niedrig. Wenn Aktienmärkte unter Druck geraten oder das Vertrauen in Staatsanleihen sinkt, reagiert Gold häufig unabhängig, manchmal sogar gegenläufig.
Genau dieses „Anderssein“ ist sein Wert.
Ein kleiner Anteil Gold im Portfolio kann helfen, extreme Ausschläge abzufedern und dein Depot robuster zu machen. Doch je höher du Gold gewichtest, desto geringer wird dein Anteil an produktiven Anlagen, also an Unternehmen, die Wert schaffen.
Ein moderater Anteil zwischen 5 und 15 %, je nach Risikoneigung auch einmal 20 %, kann strategisch sinnvoll sein. Nicht als Wette auf den Weltuntergang, sondern als bewusste Stabilitätsreserve.
Und erst wenn diese Rolle klar ist, stellt sich die nächste Frage:
Wie investierst du eigentlich sinnvoll in Gold?
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Physisches Gold: Freiheit kostet extra
Wenn du an Gold denkst, denkst du wahrscheinlich zuerst an Barren oder Münzen. An etwas, das man in der Hand halten kann. Und genau das ist auch das stärkste Argument für physisches Gold: Es ist dein Eigentum. Du bist nicht auf einen Emittenten oder eine Bank angewiesen, sondern kannst das Gold selbst verwahren oder extern lagern.
In Deutschland kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Gewinne aus physischem Gold sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Du solltest also unbedingt den Kassenzettel aus dem Goldhandel aufbewahren. Der Goldhandel übrigens, bei dem du das Gold bis zu einem Wert von 2.000 Euro anonym kaufen kannst; darüber musst du dich identifizieren.
Die Preise für kleinste Barren (0,5 g) im Goldhandel starten derzeit bei 84 Euro und werden im Fünf-Minuten-Takt angepasst. Aber es gibt einen großen Nachteil struktureller Art, und das ist der Unterschied zwischen Verkaufs- und Ankaufspreis. Solltest du solch einen kleinen Barren gekauft haben, und es dir noch auf dem Weg zur Ausgangstür des Goldhandels anders überlegen, und den Barren sofort wieder verkaufen, hast du 20 % Verlust gemacht. Dieser sogenannte Spread ist bei größeren Barren prozentual kleiner.
Dazu kommen die Kosten für Lagerung und Versicherung. Ein Bankschließfach kostet Geld. Ein Tresor zu Hause verlangt Sicherheit. Und selbst Gold muss im Ernstfall erst verkauft werden, um liquide zu sein.
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Für wen ist physisches Gold also sinnvoll?
Vor allem für diejenigen, die maximale Unabhängigkeit wollen. Für Menschen, die nicht nur Markt-, sondern auch Systemrisiken absichern möchten. Für Szenarien, die dem Weltuntergang schon recht nah kommen.
Ob du dieses Szenario für wahrscheinlich hältst, ist deine persönliche Einschätzung. Wenn du physisches Gold kaufst, solltest du wissen: Du kaufst Souveränität und Anonymität, zulasten der Rendite.
Gold als Wertpapier: Effizienter geht es nicht
Wenn dir physisches Gold im Tresor, im Schließfach oder als Münzbeutel im Kleiderschrank zu umständlich ist, dann hole dir doch die Vorteile von physischem Gold in dein Wertpapierdepot!
Gold über ein Wertpapier kaufst du mit einem sogenannten ETC (Exchange Traded Commodity), der zwar klingt wie ein ETF, aber juristisch etwas anderes ist. Ein ETF-Anteil gehört rechtlich dir und ist vor der Insolvenz des Anbieters geschützt. Ein ETC dagegen ist eine Schuldverschreibung. Damit leihst du dem Emittenten Geld, und dieser verspricht dir im Gegenzug die Entwicklung des Goldpreises.
Der Vorteil von einem Wertpapier: Du kannst es börsentäglich kaufen und verkaufen. Der Spread ist nur gering. Du sparst dir die Lagerkosten, denn der Gold-ETC wird in deinem Wertpapierdepot verwahrt.
Bei so einem ETC solltest du auf zwei Eigenschaften achten:
1. Die physische Besicherung garantiert dir, dass für jede ausgegebene Schuldverschreibung tatsächlich Gold in einem Tresor lagert, häufig in Hochsicherheitslagern, etwa in Frankfurt oder London.
2. Mit der Auslieferungsoption könntest du dir dein Gold nach Hause liefern lassen. Das kostet natürlich hohe Gebühren und ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, aber mit dieser Eigenschaft gilt dein ETC als physisches Gold.
Und was gilt für physisches Gold? Die Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltedauer! Die gilt für Wertpapiere, die beide Eigenschaften erfüllen, z.B. Xetra Gold oder EUWAX Gold II.
Effizienter geht Gold nicht.
Wenn Gold glänzt, hat die Welt Kratzer
Gold steigt seit zwei Jahren kräftig. Das klingt ja erstmal gut für deinen Vermögensaufbau. Aber ehrlich gesagt wäre mir eine ruhige, geordnete Welt lieber. Eine Welt, in der Vertrauen hoch ist, die Wirtschaft wächst und Gold langweilig bleibt.
Gold steigt nicht, weil alles gut läuft. Es steigt, wenn Risse sichtbar werden. Freue dich also nicht zu sehr über den Anstieg von Gold. Aber wenn es ohnehin ruckelig ist, wenn geopolitische Spannungen zunehmen und Vertrauen bröckelt, dann lass zumindest dein Depot stabil bleiben, vielleicht sogar profitieren.
Gold ist eine Antwort auf Krisen.
Über Karina
Karina Metzdorf ist Elektrotechnikingenieurin, Hundemama und seit über 14 Jahren begeisterte Investorin an der Börse. Der Wunsch nach langen Reisen – möglichst noch vor dem Renteneintrittsalter – brachte sie früh dazu, sich intensiv mit Geldanlage zu beschäftigen. Die Börse wurde schnell zu ihrer Leidenschaft: Karina investiert in Aktien, ETFs, Gold und Bitcoin und hat sich zur Börsenhändlerin sowie Finanzanlagenfachfrau zertifizieren lassen. Als sie merkte, dass sie mit keiner ihrer Freundinnen über das Investieren sprechen konnte, gründete sie Börse in Pink. Ihre Mission ist es, Frauen Börsenwissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. In ihren Online-Kursen, Vorträgen und Workshops steckt sie mit ihrer Begeisterung und Erfahrung an.









