Junge Frau vor geometrischem Hintergrund guckt freundlich selbstbewusst in die Kamera
Vitaly Gariev / Pexels

Warum die KI-Revolution ausgerechnet die Blockchain brauchen könnte

Wenn künstliche Intelligenz immer mächtiger wird, könnte Blockchain zur Vertrauens-Infrastruktur der Zukunft werden.

Es gibt Themen, die einen Raum zuverlässig in zwei Lager teilen. Politik gehört dazu. Die Frage, ob Ananas auf Pizza gehört. Und inzwischen auch künstliche Intelligenz und Bitcoin. Die einen sehen in KI den Beginn einer neuen Produktivitätsrevolution, die anderen fürchten Desinformation, Arbeitsplatzverluste und eine Welt, in der niemand mehr weiß, was echt ist. Bei Bitcoin und Kryptowährungen sieht es ähnlich aus. Für die einen ist es die Zukunft des Geldes, für die anderen ein gigantisches Casino mit besonders kreativer PR-Abteilung.
Kaum zwei Technologien werden derzeit emotionaler diskutiert. Umso überraschender ist, dass ihre spannendste Gemeinsamkeit ausgerechnet etwas sein könnte, das im Internet immer knapper wird: Vertrauen.


Denn während künstliche Intelligenz immer besser darin wird, Inhalte zu erschaffen, könnte die Blockchain-Technologie hinter Bitcoin dabei helfen, ihre Echtheit nachzuweisen.


Das klingt zunächst paradox, schließlich wird KI oft als die größte Fälschungsmaschine unserer Zeit beschrieben. Bilder entstehen innerhalb weniger Sekunden, Stimmen lassen sich imitieren, Videos wirken täuschend echt, obwohl die dargestellten Ereignisse niemals stattgefunden haben. Die Entwicklung schreitet inzwischen so schnell voran, dass sich die eigentliche Herausforderung verschiebt. Das Problem besteht nicht mehr darin, Inhalte zu produzieren, davon wird es mehr als genug geben. Die größere Frage lautet: Wie beweisen wir künftig noch, was echt ist? Und hier wird es für die Krypto-Branche plötzlich interessant.

Wer hier schreibt

Unsere Autorin Svenja Zitzer

Svenja hat internationale Fachjournalistik studiert und begeistert sich schon seit 2015 für Bitcoin & Co., immer auf der Spur von Zukunftstrends mit echtem Impact. Für finanzielle schreibt sie in Kooperation mit Bitcoin2Go die neue Kolumne „She goes Crypto“. Dabei erklärt sie die wichtigsten Coins und langfristige Strategien, wie man mit Kryptowährungen ein Vermögen aufbauen kann.  

Svenja Zitzer schreibt eine Krypto-Kolumne für finanzielle

Die Suche nach dem digitalen Echtheitszertifikat

Ausgerechnet die Technologie, die viele Menschen bis heute auf Bitcoin-Kurse, Kryptobörsen und die Krypto-Weisheiten ihres Cousins beim Familiengrillen reduzieren, könnte dabei helfen, eine der größten Herausforderungen der KI-Ära zu lösen.

Stell dir vor, jemand bietet dir eine Designerhandtasche für 200 Euro an. Natürlich könnte sie echt sein. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass irgendwo zwischen Mailand und Kleinanzeigen ein paar Details verloren gegangen sind. Deshalb interessiert nicht nur die Tasche selbst, sondern auch ihre Herkunft. Gibt es einen Kaufbeleg? Ein Echtheitszertifikat?

Je besser Fälschungen werden, desto wertvoller wird der Nachweis, dass etwas wirklich original ist. Genau an diesem Punkt befindet sich das Internet gerade.

Wenn jedes Foto, jedes Video und irgendwann vielleicht sogar jedes Telefongespräch künstlich erzeugt werden kann, reicht es nicht mehr, etwas zu sehen oder zu hören. Wir wollen wissen, woher es kommt.

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Tatsächlich ist die Idee dahinter gar nicht so weit von dem entfernt, was Bitcoin ursprünglich lösen wollte: Im Kern ist sie nichts anderes als ein digitales Register für Eigentum und Herkunft. Bei Bitcoin dokumentiert sie, wem welche Coins gehören und wann sie übertragen wurden. Dasselbe Prinzip lässt sich aber auch auf digitale Inhalte anwenden. Fotos, Dokumente oder Videos könnten mit einem digitalen Fingerabdruck versehen werden, der dauerhaft gespeichert bleibt. Wer den Inhalt später betrachtet, könnte nachvollziehen, wann er entstanden ist und ob nachträglich Veränderungen vorgenommen wurden. Besonders spannend wird die Geschichte allerdings dadurch, dass KI und Blockchain längst nicht mehr nur nebeneinander existieren. Sie beginnen zunehmend, zusammenzuarbeiten.
Während die Blockchain helfen kann, die Herkunft digitaler Inhalte nachvollziehbar zu machen, unterstützt künstliche Intelligenz inzwischen die Sicherheit vieler Krypto-Anwendungen. KI kann inzwischen große Teile von Sicherheitsprüfungen automatisieren, die früher teuer und Spezialisten vorbehalten waren. Das ist ungefähr so, als würde plötzlich jede Eigentumswohnung ihren eigenen Gutachter bekommen. Was früher nur bei besonders großen oder teuren Objekten sinnvoll war, wird auf einmal für viele erschwinglich. Sicherheitslücken lassen sich schneller erkennen, Risiken früher bewerten und Fehler oft bereits beseitigen, bevor überhaupt Schaden entsteht. Für die Krypto-Branche ist das ein bemerkenswerter Fortschritt, denn Vertrauen entsteht nicht nur dadurch, dass etwas transparent ist. Vertrauen entsteht auch dadurch, dass Systeme zuverlässig funktionieren.

Vertrauen wird zur Währung

Plötzlich entsteht eine interessante Dynamik: Die Blockchain liefert Transparenz und Nachvollziehbarkeit. KI sorgt für Geschwindigkeit, Effizienz und bessere Sicherheitsstandards. Die Technologie, die perfekte Fälschungen erzeugen kann, hilft gleichzeitig dabei, digitale Systeme sicherer zu machen. Und die Technologie, die oft als reine Spekulation wahrgenommen wird, könnte dabei helfen, die Herkunft digitaler Informationen nachvollziehbar zu dokumentieren.


Vielleicht erleben wir deshalb gerade etwas, das vor wenigen Jahren noch überraschend geklungen hätte. Zwei Technologien, die oft als Bedrohung dargestellt werden, entwickeln sich zu Werkzeugen für mehr Vertrauen.
Natürlich wird dadurch nicht jede Fälschung verschwinden. Betrüger werden neue Wege finden, Deepfakes werden besser werden und vermutlich wird auch weiterhin irgendwo jemand behaupten, Elon Musk habe ihm per WhatsApp versprochen, ihn reich zu machen. Technologischer Fortschritt war schließlich noch nie eine Einbahnstraße.


Doch vielleicht betrachten wir Bitcoin und die Blockchain bislang zu sehr durch die Brille von Kursen, ETFs und Spekulationen. Denn ihre langfristig größte Bedeutung könnte darin liegen, digitales Vertrauen zu organisieren. Und in einer Welt, in der künstliche Intelligenz nahezu alles erschaffen kann, könnte genau das eine der wertvollsten Ressourcen überhaupt werden.

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© Marcus Witte
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