Frau mit Brille sitzt am Schreibtisch und guckt auf einen Zettel
Nataliya Vaitkevich / Pexels

Negatives Feedback im Job? So reagierst du smart!

Feedback ist kein objektives Urteil und trotzdem kann es treffen. Wie du Kritik einordnest, ohne dich selbst infrage zu stellen.

Es passiert in einer E-Mail, in einem Vier-Augen-Gespräch oder – noch unangenehmer – vor dem Team: Jemand kritisiert deine Arbeit. Und auch wenn du weißt, dass Feedback zum Job gehört, fühlt es sich mies an. Selbst wenn du bereits an deinem Growth Mindset gearbeitet hast und kritische Anmerkungen grundsätzlich als Chance begreifst, fällt es im Moment der Kritik oft schwer, gelassen zu bleiben. Stattdessen reagieren viele innerlich reflexhaft: Wir fühlen uns angegriffen, gehen in die Verteidigung oder versuchen, die Kritik (gern mithilfe von Freund:innen) zu relativieren.

Das liegt weniger an mangelnder Reife als an einem automatischen Schutzmechanismus: Kritik aktiviert schnell unser Bedürfnis nach Selbstschutz, noch bevor wir sie sachlich einordnen können.

Doch der Umgang mit Kritik ist erlernbar. Das „dicke Fell“ kann man sich allerdings nicht über Nacht zulegen. Was eher hilft, ist ein Verständnis dafür, was in solchen Momenten passiert und welche mentalen Werkzeuge helfen, souverän zu bleiben.

Warum Kritik so sehr trifft

Feedback aktiviert unser limbisches System. Den Teil des Gehirns, der auf Bedrohungen reagiert. Evolutionär gesehen war soziale Ablehnung überlebenswichtig: Wer aus der Gruppe ausgeschlossen wurde, war in Gefahr. Auch wenn dein Job heute nicht dein physisches Überleben sichert, reagiert das Gehirn auf Kritik immer noch so, als wäre genau das der Fall. Hinzu kommt: Viele Frauen sind sozialisiert worden, Harmonie zu wahren und Anerkennung über Leistung zu erhalten. Negatives Feedback kann deshalb nicht nur die fachliche Ebene treffen, sondern auch das Selbstbild. Die Frage „Bin ich gut genug?“ schwingt mit, und das macht Kritik so schmerzhaft.

1. Erkenne den Unterscheid zwischen Mensch und Leistung

Einer der häufigsten Denkfehler nach negativem Feedback: Wir personalisieren es. Aus „Die Präsentation war unstrukturiert“ wird innerlich „Ich bin unfähig“. Dieser Sprung von der Sache zur Person ist kognitiv nachvollziehbar – aber falsch.
Die Übung: Schreib dir nach einer Kritik zwei Spalten auf. Links: Was wurde kritisiert (konkret, sachlich)? Rechts: Was interpretiere ich daraus über mich selbst? Oft wirst du feststellen, dass die rechte Spalte voller Annahmen ist, die niemand so gesagt hat. Diese Trennung hilft, die emotionale Ladung zu reduzieren.

Beispiel:

Links: „Die Deadline wurde nicht eingehalten.“
Rechts: „Ich bin unzuverlässig und organisiere mich schlecht.“

Die Realität könnte sein: Die Deadline war unrealistisch, die Ressourcen fehlten, oder du hast Prioritäten anders gesetzt. Keines davon macht dich zu einer schlechten Mitarbeiterin.

2. Frage nach konkreten Beispielen

Ungenaues Feedback wie „Das war nicht überzeugend“ oder „Du wirkst unsicher“ ist schwer zu greifen – und noch schwerer zu verarbeiten. Solche Aussagen lösen Verunsicherung aus, weil sie Interpretationsspielraum lassen. Dein Werkzeug: Bitte um Konkretisierung. „Kannst du mir ein Beispiel nennen, wo das deutlich wurde?“ oder „Was genau meinst du mit ’nicht überzeugend‘?“ Diese Fragen sind nicht defensiv, sondern zeigen, dass du verstehen willst. Und sie zwingen dein Gegenüber, die Kritik zu präzisieren. Oft wirkt das entlarvend, ob das Feedback fundiert ist oder auf diffusen Eindrücken beruht. Wenn keine konkreten Beispiele kommen, ist die Kritik möglicherweise nicht so substanziell, wie sie sich anfühlt.

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3. Nutze die 24-Stunden-Regel

In dem Moment, in dem Kritik auf dich einprasselt, bist du emotional. Dein präfrontaler Kortex, der zuständig für rationales Denken ist, ist weniger aktiv, dein Alarmsystem läuft auf Hochtouren. Deshalb: Triff keine Entscheidungen im Affekt.

Die Regel: Gib dir 24 Stunden, bevor du auf harsche Kritik reagierst oder daraus Konsequenzen ziehst. In dieser Zeit normalisiert sich dein Nervensystem, und du kannst die Situation nüchterner bewerten. Oft sieht das Feedback am nächsten Tag ganz anders aus: entweder weniger dramatisch oder klarer in dem, was tatsächlich zu tun ist.

Wenn du sofort antworten musst (etwa in einem Meeting), halte dich an Sätze wie: „Danke für die Rückmeldung, ich nehme mir Zeit, das zu reflektieren“ oder „Ich komme darauf zurück, wenn ich es durchdacht habe.“

4. Identifiziere dein Kritik-Muster

Wir alle haben bestimmte Trigger, die uns bei Kritik besonders treffen. Für manche ist es der Vorwurf, nicht gründlich zu arbeiten. Für andere, zu dominant aufzutreten oder zu wenig präsent zu sein. Diese Trigger sind oft biografisch verankert, sie berühren alte Wunden oder Glaubenssätze.

Überleg mal: Welche Art von Kritik trifft dich am härtesten? Und warum? Wenn du dein Muster kennst, kannst du es beim nächsten Mal schneller erkennen und dich davon distanzieren. „Aha, das ist mein alter Glaubenssatz, dass ich nie genug leiste. Aber ist das wirklich, was hier gesagt wurde?“

So eine Selbstreflexion braucht Zeit, lohnt sich aber. Denn sie gibt dir die Kontrolle zurück: Du reagierst nicht mehr auf die Kritik, sondern auf deine Interpretation davon. Und die kannst du verändern.

5. Prüfe die Quelle: Wer kritisiert?

Nicht jede Kritik ist gleich wertvoll. Es macht einen Unterschied, ob sie von einer Führungskraft kommt, die deine Arbeit kennt und schätzt, oder von einem Kollegen oder einer Kollegin, der oder die selbst unter Druck steht und projiziert. Es macht auch einen Unterschied, ob die Person konstruktiv formuliert oder destruktiv angreift. Die Frage: Respektiere ich die fachliche Meinung dieser Person? Hat sie Einblick in meine Arbeit? Und: Ist die Kritik konstruktiv gemeint oder dient sie einem anderen Zweck (etwa Machtspiel, Profilierung, Frustabbau)? Das bedeutet nicht, Feedback zu ignorieren. Aber es bedeutet, es zu gewichten. Kritik von jemandem, der deine Arbeit nicht versteht oder dich systematisch abwertet, verdient weniger emotionale Energie als Feedback von einer Person, die dich weiterbringen will.

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6. Verändere konkret etwas

Grübeln über Feedback bringt nichts. Handeln schon. Sobald du die Kritik sortiert hast, überlege dir: Was kann ich konkret tun? Selbst wenn die Kritik ungerecht oder überzogen war, gibt es meist eine kleine Stellschraube, die du justieren kannst. Idee: Formuliere einen einzigen, messbaren Schritt. Nicht „Ich muss besser kommunizieren“, sondern „Ich schicke ab jetzt wöchentlich ein Status-Update an das Team“. Nicht „Ich muss selbstbewusster auftreten“, sondern „Ich melde mich in den nächsten drei Meetings als Erste zu Wort“. Konkrete Handlungen geben dir das Gefühl von Kontrolle zurück. Und sie verhindern, dass du in einer Schleife aus Selbstzweifeln stecken bleibst.

7. Baue dir ein Feedback-Netzwerk auf

Das ist schon eine Idee für Fortgeschrittene: Wenn du nur von einer Person Rückmeldung bekommst, hast du keine Vergleichsperspektive. Ist die Kritik berechtigt? Oder eine Einzelmeinung? Um das einschätzen zu können, brauchst du mehrere Stimmen. Die Strategie: Suche dir aktiv Menschen, deren Meinung du schätzt (Kolleg:innen, Mentor:innen, externe Sparringspartner:innen) und bitte sie regelmäßig um Feedback. So bekommst du ein realistischeres Bild deiner Stärken und Entwicklungsfelder. Und wenn dann Kritik kommt, kannst du sie besser einordnen, weil du andere Perspektiven kennst. Ein gutes Feedback-Netzwerk ist auch ein Puffer gegen unfaire Kritik: Wenn drei Menschen deine Arbeit wertschätzen und eine Person sie niedermacht, weißt du, woran du bist.
Zwei Hände halten zwei Kaffeetassen

SOS-Methoden, wenn du gerade kritisiert wurdest

Du merkst, dass das Feedback dich gerade verletzt hat? Hier kommen ein paar Erste-Hilfe-Maßnahmen, die dich runterbringen.

Atemtechnik (4-7-8): Atme 4 Sekunden ein, halte 7 Sekunden, atme 8 Sekunden aus. Das aktiviert den Parasympathikus und beruhigt dein Nervensystem. Drei Durchgänge reichen oft, um wieder klarer zu denken.

Räumliche Distanz: Wenn möglich, verlasse kurz den Raum. Ein Gang zur Toilette, Kaffee holen, ein paar Schritte draußen. Die physische Bewegung hilft, die emotionale Intensität zu reduzieren.

Innerer Dialog: Sag dir einen Satz, der dich erdet. Zum Beispiel: „Das ist unangenehm, aber nicht gefährlich“ oder „Ich muss jetzt nicht perfekt reagieren, ich darf erst mal fühlen.“ Dieser Satz unterbricht die Katastrophengedanken.

Schreiben statt Sprechen: Wenn du merkst, dass du emotional zu aufgewühlt bist, schreib deine Gedanken auf, ganz ungefiltert. Das entlastet, ohne dass du etwas sagst, was du später bereust. Du kannst den Text später überarbeiten oder einfach löschen.

Die „Zoom-Out“-Frage: Wenn dich Kritik überrollt, zoome gedanklich heraus und frage dich: „Wird das in einem Jahr noch eine Rolle spielen?“ Oder: „Wird das in fünf Jahren noch wichtig sein?“ Diese Frage aktiviert deine Zeitperspektive und relativiert das Hier und Jetzt. Die meisten Feedback-Situationen, die sich im Moment existenziell anfühlen, sind retrospektiv Nebensächlichkeiten. Das bedeutet nicht, dass die Kritik unwichtig ist, aber es hilft dir, sie in Proportion zu setzen. Eine Variante davon: „Was würde ich einer Freundin raten, die das gerade erlebt?“ Oft sind wir zu anderen viel großzügiger und rationaler als zu uns selbst. 

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