junge Frau schaut etwas skeptisch nach unten
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Altersvorsorgedepot: Was die Reform wirklich verändert

Die Bundesregierung plant einen Neustart der privaten Altersvorsorge: ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot. Anfang 2027 soll es losgehen.

Die bisherige vom Staat geförderte Altersvorsorge hat bitter enttäuscht. Die Verträge gelten als teuer, kompliziert und in vielen Fällen renditeschwach. Eine aktuelle Auswertung des Vereins Finanzwende zeigt, wie schwach die bestehenden Produkte abschneiden. Die untersuchten Riester- und Rürup-Verträge erreichen im Schnitt lediglich rund 0,8 bis 1 Prozent Rendite. Damit bleiben sie deutlich unterhalb der Inflationsrate. Wer sein eingezahltes Kapital real zurückerhalten will, müsste bei typischen Verträgen ein Alter von rund 99 Jahren erreichen.

Das neue Altersvorsorgedepot

Das geplante Altersvorsorgedepot funktioniert im Prinzip wie ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot: Sparer:innen investieren ihr Geld in Kapitalmarktprodukte, vor allem Fonds und ETFs. In der Konzeption orientiert sich die Bundesregierung am schwedischen System der „Prämienrente“, ergänzt durch Elemente aus Ländern wie Norwegen, Dänemark und Kanada, die auf staatlich organisierte Kapitalanlage setzen.

Der entscheidende Unterschied zu bisherigen deutschen Modellen liegt im Verzicht auf Garantien. Während Riester-Verträge eine vollständige Beitragsgarantie vorsehen, soll die im neuen System entfallen. Damit entsteht Spielraum für höhere Aktienquoten und damit für höhere Renditechancen.

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Förderung und steuerliche Behandlung

Die Förderung soll deutlich einfacher und transparenter werden als bisher. Künftig orientiert sich die staatliche Zulage direkt am eingezahlten Betrag.

Für jeden Euro bis 1.200 Euro gibt es 30 Cent Zuschuss, ab 2029 sollen es 35 Cent sein. Für weitere Einzahlungen bis insgesamt 1.800 Euro sind es 20 Cent pro Euro. Damit ist jederzeit nachvollziehbar, wie hoch die Förderung ausfällt.

Für Eltern kommt eine zusätzliche Kinderzulage hinzu. Für jeden eingezahlten Euro bis 1.200 Euro werden 25 Cent zusätzlich gezahlt, maximal 300 Euro pro Kind. Wer früh startet, erhält außerdem einen einmaligen Bonus von 200 Euro bei Vertragsabschluss vor dem 25. Lebensjahr.

Steuerlich bleibt das Grundprinzip erhalten. Beiträge können geltend gemacht werden, Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Die Besteuerung erfolgt erst im Alter, in der Regel zu einem niedrigeren Steuersatz.

Zusätzlich prüft das Finanzamt, ob sich über die Zulagen hinaus ein weiterer steuerlicher Vorteil ergibt.

Neben der Zulagenförderung sind vergleichsweise hohe Einzahlungen möglich. In aktuellen Entwürfen liegt die steuerlich begünstigte Grenze bei bis zu 13.680 Euro pro Jahr.

Kosten und Regulierung

Ein zentraler Streitpunkt ist die Kostenfrage. In den bisherigen Entwürfen werden Kosten von etwa 1,5 Prozent pro Jahr diskutiert. Verbraucherschützer:innen halten diese Größenordnung für problematisch, da Kosten langfristig einen erheblichen Einfluss auf die Rendite haben. Runter mit den Gebühren beim Altersvorsorge-Depot, fordert das Portal Finanztip, und hat eine Petition gestartet, die das Ziel hat, Gebühren auf 0,5 % zu deckeln. Die endgültige Regulierung ist noch offen und wird entscheidend für die tatsächliche Attraktivität des Modells sein. Schon 1 % mehr Kosten können Zehntausende Euro Rendite kosten.

Zielgruppen und politische Zielsetzung

Das Altersvorsorgedepot soll mehr Menschen erreichen als bisherige Modelle. Im Fokus stehen insbesondere Haushalte mit mittleren und niedrigeren Einkommen sowie Menschen ohne Erfahrung am Kapitalmarkt.

Parallel plant die Bundesregierung eine sogenannte Frühstart-Rente. Dabei würde der Staat bereits für Kinder regelmäßig kleine Beträge investieren, um langfristig Vermögen aufzubauen. Die Reform soll dafür sorgen, dass früh mit kapitalgedeckter Altersvorsorge begonnen wird.

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Chancen und Grenzen des neuen Altersvorsorgedepots

Das neue Modell eröffnet deutlich bessere Renditechancen als die bisherigen Garantielösungen. Der Grund ist einfach: Ein größerer Teil des Geldes kann in Aktien fließen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass der Wert stärker schwankt. Was am Kapitalmarkt passiert, wirkt sich direkt auf das Depot aus.

Ein Punkt bleibt dabei unabhängig vom System bestehen: die Inflation. Auch ein gefördertes Depot schützt nicht automatisch davor, dass Geld an Kaufkraft verliert. Entscheidend ist nicht, wie stark das Vermögen auf dem Papier wächst, sondern was man sich später tatsächlich davon leisten kann.

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